Freistellung für die VL-Arbeit
Als Würdigung für ihr gewerkschaftliches Engagement erhalten die Vertrauensleute (VL) bei Villeroy & Boch jetzt eine bezahlte Freistellung für gewerkschaftliche Aufgaben. Der Keramikhersteller zeigte sich von Anfang an gesprächsbereit.
Treffen der Vertrauensleute bei Villeroy & Boch: Sie alle verkörpern die IGBCE an ihren Arbeitsplätzen.
Foto: Jessica Rauch
Seit Juni ist sie in Kraft: Die Sozialpartnervereinbarung beim Keramikhersteller Villeroy & Boch (V&B) stellt gewählte Vertrauensleute (VL) der IGBCE zur Wahrnehmung ihrer gewerkschaftlichen Aufgaben im Betrieb bezahlt frei. „Auch unsere Vertrauensleute sichern den sozialen Frieden im Betrieb. Sie engagieren sich ehrenamtlich zum Wohle des Unternehmens“, betont Roland Strasser, IGBCE-Landesbezirksleiter Rheinland-Pfalz/Saarland. Um das anzuerkennen, werden die Vertrauensleute beim Keramikhersteller künftig für bis zu sechs Stunden pro Person und Quartal unter Fortzahlung ihres Entgelts von der Arbeit freigestellt. Zunächst habe man mit einem Entwurf den Kontakt zur Arbeitgeberseite gesucht, die dem Vorhaben nicht abgeneigt gewesen sei. Das Zeitvolumen sei dann schließlich ein Kompromiss gewesen. Hochgerechnet auf das Jahr ergeben sich so 24 Stunden.
Es ist selten, dass wir bei Arbeitgebern auf Widerstände treffen.
Roland Strasser,
Landesbezirksleiter
Markus Braun, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Vertrauensleutevorsitzender bei Villeroy & Boch Bad & Wellness (B&W), sowie Christian Schröder, Vertrauensleutevorsitzender bei Villeroy & Boch Dining & Lifestyle (D&L), sehen in der Vereinbarung eine gute Übereinkunft. „Ein guter Schritt, den wir gern nach außen tragen“, sagt Braun. Von den insgesamt rund 1.300 Beschäftigten im Betrieb engagieren sich rund dreißig Vertrauensleute bei B&W und mehr als zwanzig bei D&L.
VL-Vorsitzender Schröder will seine Freistellung dazu nutzen, die Zahl der Mitglieder nochmals zu steigern. „Da geht es dann auch darum, die Kontakte zwischen den Leuten im Lager Merzig und in der Produktion Merzig zu vertiefen und sich zu erkundigen, wo bei wem der Schuh drückt.“
Die Vertrauensleute bei V&B sind mit ihren vielen Aktionen sichtbar im Betrieb. Hier der Foodtruck im Rahmen der Tarifrunde Feinkeramik.
Foto: Lukas Gruber
Auch der 1. Mai ist für die Vertrauensleute ein Pflichttermin. Hier werben sie für die Mitgliedschaft in der IGBCE – mit selbst gebastelten Automaten.
Foto: Jessica Rauch
„Mehr wert als ein Apfel und ein Ei“: auch dies eine Aktion zur Feinkeramik-Tarifrunde.
Foto: Jessica Rauch
Dabei sind die Vertrauensleute bei Villeroy & Boch bereits im Betrieb gut sichtbar. „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen Beschäftigten, Gewerkschaft und Unternehmen“, sagt Markus Braun. „Unsere Aufgabe ist es, die Anliegen der Kolleginnen und Kollegen aufzunehmen, Veränderungen mitzugestalten und den Dialog zu stärken. So leisten wir jeden Tag einen Beitrag zu einer gelebten Sozialpartnerschaft und zu einer erfolgreichen Zukunft für Belegschaft und Unternehmen.“ Damit dieser Austausch auch im Alltag gelingt, setzen die Vertrauensleute auf unterschiedliche Kommunikationswege. „Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, über die wir unsere Kolleginnen und Kollegen schnell und unkompliziert auf dem Laufenden halten“, berichtet Christian Schröder.
Unternehmen und Landesbezirk betonen den Vorbildcharakter dieses Engagements. Villeroy-&-Boch-Arbeitsdirektorin Esther Jehle ist überzeugt: „Sozialpartnerschaft ist dann erfolgreich, wenn sie gelebt wird. Mit der bezahlten Freistellung unserer Vertrauensleute stärken wir das gewerkschaftliche Engagement im Betrieb und schaffen die Voraussetzungen, gemeinsam die Zukunft unseres Unternehmens aktiv zu gestalten, von Innovation und Transformation über die Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung unserer Prozesse.“
Landesbezirksleiter Roland Strasser ergänzt: „Mehr Vertrauensleutekörper sollten den Mut haben, mit solch einem Vorstoß auf die Arbeitgeberseite zuzugehen. Es ist selten, dass wir hier auf Widerstände treffen.“ Als Landesbezirk unterstütze man solche Vorhaben ausdrücklich und biete an, die Gespräche hierzu mit der Arbeitgeberseite zu führen.