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Vor Ort: Nordrhein-Westfalen
Marl
Gemeinsam für den guten Zweck
Eine feste Institution: Jedes Jahr sammelt das Laufevent im Marler Chemiepark Spenden für den gemeinnützigen Zweck.
Foto: Frank Rogner
Wenn sich Beschäftigte, Familien und Ehrenamtliche im Chemiepark Marl die Laufschuhe schnüren, geht es längst um mehr als Sport. Beim 23. Lauf- und Familienfest „Standort in Bewegung“ stand auch in diesem Jahr neben der körperlichen Ertüchtigung erneut der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt. Mehr als 150 Läuferinnen und Läufer gingen auf die Strecke, rund 1.000 Besucherinnen und Besucher erlebten einen Tag voller Begegnungen, Mitmachaktionen und gelebter Solidarität.
Organisiert wird die Veranstaltung seit vielen Jahren von den Vertrauensleuten der Gesellschaften im Chemiepark Marl gemeinsam mit der IGBCE Recklinghausen. Was einst als Benefizlauf begann, hat sich zu einer festen Größe im Marler Veranstaltungskalender entwickelt. Auch in diesem Jahr zeigte sich wieder, wie viel möglich ist, wenn Beschäftigte, Unternehmen und Ehrenamtliche gemeinsam Verantwortung übernehmen und an einem Strang ziehen.
Die Spendensumme bewegt sich aktuell auf die Marke von 10.000 Euro zu. Da einige Unternehmen ihre Beiträge auf Grundlage der gelaufenen Runden berechnen, steht das endgültige Ergebnis noch aus. Die Erlöse kommen dem Dorstener Verein HerausForderung e. V. zugute. Der Verein setzt sich für Bildungsgerechtigkeit und die gesellschaftliche Teilhabe neurodivergenter Kinder und Jugendlicher ein und unterstützt betroffene Familien mit vielfältigen Beratungs- und Bildungsangeboten.
Rund um die Laufstrecke wartete ein abwechslungsreiches Familienprogramm auf die Gäste. Besonders die Werkfeuerwehr des Chemieparks zog mit ihren Fahrzeugen und Vorführungen zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. So wurde „Standort in Bewegung“ erneut zu einem Treffpunkt für Kolleginnen und Kollegen, Familien und Menschen aus der Region.
„Standort in Bewegung zeigt jedes Jahr aufs Neue, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam anpacken“, zeigt sich Verena Gärtner, Leiterin des IGBCE-Bezirks Recklinghausen, erfreut. „Die Spendensumme ist ein starkes Zeichen der Solidarität und unterstützt eine wichtige Arbeit für Kinder, Jugendliche und ihre Familien.“
Für Gärtner liegt genau darin der besondere Wert der Veranstaltung: „Die große Unterstützung aus dem Chemiepark und der Region zeigt, wie eng Zusammenhalt und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Dafür bedanken wir uns bei allen, die mitgelaufen sind und die anderweitig geholfen oder die Veranstaltung unterstützt haben.“
Mit jeder gelaufenen Runde wurde somit nicht „nur“ Geld für den guten Zweck gesammelt. „Standort in Bewegung“ machte einmal mehr sichtbar, was die IGBCE und ihre Vertrauensleute auszeichnet: Solidarität endet nicht am Werkstor, sondern wirkt weit darüber hinaus.
Aachen/Herten
Arbeitskampf für gleiche Standards
Machen sich für Gleichbehandlung stark: Die Beschäftigten von SGS Analytics an den Standorten Aachen (Bild) und Herten.
Foto: Leo Ammelung
Als die Beschäftigten von SGS Analytics in Aachen vor gut einem Jahr auf eine tarifliche Lösung hofften, schien der Weg an den Verhandlungstisch zu führen. Heute blicken sie auf mehrere Streiks zurück. Aus Gesprächen ist ein Arbeitskampf geworden – und aus einem Konflikt am Standort eine Tarifbewegung, die inzwischen weit über Aachen hinaus Unterstützung erfährt.
Über Monate setzte die IGBCE auf den Dialog. Gemeinsam mit den Beschäftigten von SGS Analytics, einem Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsunternehmen, suchte sie nach einer Lösung, damit auch der Standort Aachen in den bestehenden Manteltarifvertrag aufgenommen wird. Doch trotz zahlreicher Gespräche blieb die erhoffte Einigung aus. Nach dem ersten Warnstreik folgten zwei weitere, jeweils achtstündige Arbeitsniederlegungen. Für die Belegschaft war klar: Wenn sich am Verhandlungstisch nichts bewegt, muss der Druck wachsen.
Kompromisse waren nicht gewollt
„Unser Ziel war nie der Arbeitskampf. Wir haben über Monate versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden, und waren bereit, tragfähige Kompromisse zu diskutieren“, sagt Jörg Erkens, der für die IGBCE zuständige Gewerkschaftssekretär.
„Wenn sich trotzdem nichts bewegt, bleibt den Beschäftigten irgendwann nur noch, ihren Forderungen gemeinsam Nachdruck zu verleihen.“ Für die Kolleginnen und Kollegen in Aachen geht es um weit mehr als einzelne tarifliche Regelungen. Sie erwarten Anerkennung für ihre tägliche Arbeit, verlässliche Rahmenbedingungen und die Gewissheit, innerhalb eines Konzerns nicht schlechtergestellt zu sein als Beschäftigte an anderen Standorten.
Beschäftigte wollen Fairness
„Wir leisten hier jeden Tag hochwertige Arbeit und erwarten dafür die gleichen tariflichen Bedingungen wie unsere Kolleginnen und Kollegen an den anderen SGS-Standorten“, bekräftigt die Betriebsratsvorsitzende Nina Ruzicka. „Es geht um Wertschätzung, Fairness und eine verlässliche Perspektive für unseren Standort.“
Auch ihr Stellvertreter Lucas Eikel erlebt, wie der Zusammenhalt innerhalb der Belegschaft mit jedem Streik gewachsen ist. „Die Beschäftigten stehen geschlossen hinter unserer Forderung. Wir wünschen uns eine Lösung am Verhandlungstisch. Dafür muss der Arbeitgeber jetzt bereit sein, ernsthaft über die tarifliche Zukunft des Standorts zu sprechen.“
Bewegung weitet sich auf andere Standorte aus
Die Auseinandersetzung in Aachen bleibt nicht ohne Wirkung. Auch an anderen Standorten verfolgen die Beschäftigten die Entwicklung aufmerksam. Beim SGS Institut Fresenius in Herten setzten Kolleginnen und Kollegen mit einer tarifpolitischen Mittagspause ein sichtbares Zeichen der Solidarität.
Ob der Arbeitgeber auf den wachsenden Druck reagiert, bleibt abzuwarten. Schon heute ist jedoch klar: Aus der Forderung nach tariflicher Gleichbehandlung ist eine Bewegung entstanden, die von Solidarität lebt – und genau darin liegt ihre größte Stärke.