Vor Ort

Nordost

Wir müssen reden

Text Kathryn Kortmann

Sommer, Sonne, ein Eis und ein gutes Gespräch – so sieht sie aus, die Gesprächs­offensive der IGBCE. Ehrenamtliche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter suchen in Betrieben das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen – und stecken mit ihrer Begeisterung für die gewerkschaftliche Sache andere an.

IGBCElerinnen und IGBCEler, die wissen, wie sie ihre Kolleginnen und Kollegen für die Gewerkschaft begeistern. Zum Dank hatte die IGBCE sie zur Werbinale nach Berlin eingeladen.

Foto: Jasper Kortmann

Blauer Himmel, laue Temperaturen ein herrlicher Frühsommerabend Anfang Juni in der Inselstraße in Berlin-Mitte. Eine große Gruppe engagierter Frauen und Männer geht – unweit des IGBCE-Gewerkschaftshauses an Bord eines Solarschiffes. Vier Stunden schippern sie über die Berliner Gewässer, vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Stadt, sie können das Regierungsviertel, Schloss Charlottenburg, die Oberbaumbrücke, alte Industriebauten oder den Westhafen vom Wasser aus bestaunen und sie haben ganz viel Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Darüber, welche Themen sie gerade in ihren Betrieben bewegen oder wie gute Mitgliederwerbung funktioniert. Denn davon verstehen sie alle etwas. Die IGBCE im Landesbezirk Nordost hatte ihre erfolgreichsten Werberinnen und Werber der vergangenen zwei Jahre für zwei Tage zur Werbinale in die Hauptstadt eingeladen als Zeichen des Danks für deren außerordentliches Engagement.

„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in die IGBCE einzutreten, aber nichts geht über das persönliche Gespräch“, sagte Alexander Bercht, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand, bei der Werbinale. „Euch vertrauen die Beschäftigten, weil ihr mit gutem Beispiel vorangeht und den direkten Draht zu ihnen habt.“

Nichts geht über das persönliche Gespräch.

Alexander Bercht,
Hauptvorstandsmitglied

Mit ihrer Begeisterung können die IGBCElerinnen und IGBCEler auch in diesen Sommermonaten wieder ansteckend wirken. Die Gewerkschaft hat zur großen Gesprächsoffensive aufgerufen, 30.000 Gespräche bundesweit sind bis Ende September das Ziel. Viele Ehrenamtliche im Landesbezirk Nordost haben gleich im ersten Monat damit begonnen, Aktionen in ihren Betrieben zu starten. Zum Beispiel beim Impfstoffhersteller Glaxo Smith Kline (GSK) in Dresden. Im Zentrum des o-förmigen Werksgeländes haben die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ihre Aktionsfläche erstellt mit Counter für Beratungsgespräche, Liegestühlen und Stehtischen und mit rot-weißem IGBCE-Flatterband umgrenzt. Bei sommerlichen dreißig Grad Celsius gab es für jede und jeden, die oder der vorbeikam, ein kühles Eis und dazu jede Menge Informationen, warum es gut ist, die IGBCE an der Seite zu haben.

„Die Aktion kam richtig gut an“, sagt Betriebsratsvorsitzender Peter Mißbach, „egal ob Mitglied oder nicht, der Stand war dauerhaft belagert und wir haben viele gute Gespräche geführt.“ Ein Erfolg auf ganzer Linie, wie das Feedback gezeigt hat. Einige Kolleginnen und Kollegen waren so begeistert, dass sie sich der IGBCE noch vor Ort angeschlossen haben. „Dass das so gut lief, ist kein Zufall“, resümiert Mißbach. „Wir haben da viel Herzblut und Strategie reingesteckt.“ Verknüpft haben sie die Aktion unter dem Motto „Allein ist nett, zusammen glitzert’s“ mit einer Betriebsversammlung und einer Betriebsratssprechstunde, an der sowohl die Früh- als auch die Spätschicht teilnehmen konnten.

Sommeraktion – bei GSK in Dresden haben die Aktiven nichts dem Zufall überlassen.

Foto: IGBCE

Auch beim weltweit führenden Referenzhersteller LGC im brandenburgischen Luckenwalde gab es im Juni für die Beschäftigten im Rahmen einer politischen Mittagspause ein leckeres Eis. „Wir haben die IGBCE-Sommerkampagne genutzt, um sichtbar zu werden und gleichzeitig Druck auf unseren Arbeitgeber zu machen“, erzählt Betriebsratsvorsitzender Boris Brusilowskij. Der ist nötig, weil die Geschäftsführung zwar zwei Gespräche mit der Gewerkschaft über die Einführung eines Tarifvertrags geführt hat, konkrete Verhandlungen dazu aber nach wie vor ablehnt.

„Die Aktion kam bei den Beschäftigten gut an“, berichtet Frank Hölter, Konzern- und stellvertretender Betriebsratsratsvorsitzender am Standort Luckenwalde. „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen und den Kolleginnen und Kollegen zu signalisieren, dass wir nicht allein für den Tarifvertrag kämpfen, sondern mit der IGBCE eine starke Organisation an unserer Seite haben.“ Das, so die beiden Betriebsräte, hat die Aktion definitiv bewirkt. Für sie steht fest: „Das war im Rahmen der Sommerkampagne garantiert nicht die letzte Offensive, um sichtbar zu werden, Druck auszuüben und als IGBCE im Betrieb stärker zu werden.“ Eis schmeckt schließlich immer – und mit Tarifvertrag ist für alle dauerhaft mehr Eis drin.