Menschen & Gemeinschaft

Reportage

Video: Mitglieder werben – so nutzt der Betriebsrat von Swiss Caps die IGBCE-SommerkampagneBist du drin, hast du’s raus“.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Text André Boße

Um neue Mitglieder zu gewinnen, läuft bei der IGBCE die Sommerkampagne „Bist du drin, hast du’s raus“. Die Idee: Aktionen erzeugen Aufmerksamkeit, persönliche Gespräche überzeugen potenzielle Mitglieder. Gute Argumente? Gibt’s genug. Der Sommer ist noch lang. Jetzt ist Mitmachen gefragt.

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Sommer, Sonne, Grillwurst und Wasserbälle: Betriebsräte in ganz Deutschland nutzen die Sommeraktion „Bist du drin, hast du’s raus“ auf ganz unterschiedliche Weise, um mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch zu kommen und neue Mitglieder zu gewinnen. So wie beim Tag der offenen Tür des Bayer-Betriebsrats im Leverkusener Chempark. Die Sache mit den Wasserbällen ist das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit im Vertrauenskörpervorstand, berichtet Sandra Marusic, Mitglied des IGBCE-Bezirksvorstands und Vorsitzende des Vertrauenskörpervorstands am Bayer-Standort Leverkusen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass spielerische Methoden bei den Menschen für Interesse sorgen“, sagt sie. „Denn wer will nicht gewinnen?“

Und so läuft’s: Die IGBCE-Wasserbälle werden hier und heute verteilt, die Mitarbeitenden nehmen sie anschließend mit in den Urlaub. Ihre Aufgabe ist es, ein Foto vom Wasserball zu schießen. Ob am Rhein oder im Schwarzwald, am Roten Meer oder am Strand von Warnemünde, völlig egal, Hauptsache, das IGBCE-Logo ist gut erkennbar. „Das Foto wird dann in unserem internen sozialen Netzwerk hochgeladen, und die Bilder, die nach dem Sommer die meisten Likes erhalten haben, sind die Sieger.“ Die Preise gibt’s dann bei der nächsten Betriebsversammlung, dort werden auch die besten Bilder gezeigt. „Da kommen sicher ein paar Leute mehr, weil es etwas zu sehen gibt“, sagt Sandra Marusic.

Nudging nennt man das Konzept, Menschen mit guten Ideen einen kleinen Schubser in die richtige Richtung zu geben. Im besten Fall: in die Mitgliedschaft.

Foto: Jan Richard Heinicke

Unsere Türen stehen zu jeder Zeit offen.

Claudia Schade,
Betriebsrats­vorsitzende von Bayer in Leverkusen

Warum sich diese auch ohne Aussicht auf Fotopreise rechnet, zeigt die IGBCE auf Aufstellern im großen Konferenzraum. Der Leitgedanke lautet „Mitmachen hat nie mehr gebracht“, die Vorteile werden klar kommuniziert: Bonusregelungen, von denen exklusiv IGBCE-Mitglieder profitieren. Sonderleistungen wie Rechtsschutz-, Bildungs- oder Reiseangebote. Und, ganz neu: Gewerkschaftsbeiträge können künftig bei der Steuererklärung besser geltend gemacht werden, weil sie nicht mehr unter die Werbungskosten fallen. Das bedeutet, dass das Finanzamt zwischen 25 und 35 Prozent der jährlichen Beiträge erstattet. „Es lohnt sich, dabei zu sein“, sagt Sandra Marusic, „wir müssen wegkommen von der Vorstellung, die Mitgliedschaft kostet nur, bringt nichts und macht dazu noch Arbeit.“ Was sie im Gespräch einem Kollegen sagt, der genau diese Mehrbelastung befürchtet: „Die Intensität deiner Mitgliedschaft bestimmst du selbst, da redet dir niemand rein.

Der Tag der offenen Tür zeigt, dass IGBCE und Betriebsrat einiges zu tun haben, um diese Argumente unter die Leute zu bringen. „Wir müssen als Gewerkschaft und Betriebsrat jederzeit ansprechbar sein“, sagt Claudia Schade, seit 2022 Vorsitzende des Bayer-Betriebsrats am Standort Leverkusen, Vorsitzende des Bezirksvorstandes Leverkusen, Mitglied im ehrenamtlichen Landesbezirksvorstand NRW und im Beirat. Die Räume in der sechsten Etage des Gebäudes an der Kaiser-Wilhelm-Allee hat der Betriebsrat erst vor gut einem Jahr bezogen, gelegen im Herzen des Chemparks – „und damit näher an der Belegschaft als an unserem früheren Standort“, sagt Claudia Schade. „Natürlich stehen unsere Türen zu jeder Zeit offen. Aber an einem Tag wie diesem erreicht diese Botschaft die Menschen auf eine zwanglose Art und Weise. Einfach ins Gespräch kommen, kennenlernen, ohne dass vielleicht ein direktes Problem anliegt. Dadurch wird Schwellenangst abgebaut.“

Leverkusen
Der Betriebsrat von Bayer in Leverkusen nutzte seinen Tag der offenen Tür als Rahmen für die Sommerkampagne der IGBCE. Passend dazu initiierte Sandra Marusic (linkes Foto, rotes T-Shirt) einen Fotowettbewerb mit Wasserball, um neue Mitglieder zu werben.

Leverkusen
Der Betriebsrat von Bayer in Leverkusen nutzte seinen Tag der offenen Tür als Rahmen für die Sommerkampagne der IGBCE. Passend dazu initiierte Sandra Marusic (oberes Foto, rotes T-Shirt) einen Fotowettbewerb mit Wasserball, um neue Mitglieder zu werben.

Fotos: Jan Richard Heinicke

Nicht missionarisch, sondern überzeugend

Beobachtet man die Besucherinnen und Besucher, fallen zwei Typen auf. Die einen zeigen sich sofort als IGBCE-Mitglieder, grüßen in die Runde, finden Anschluss an Gespräche. Andere betreten die Etage vorsichtig und abwartend. Erst mal einen Kaffee. Sich umschauen und informieren. Wichtig ist jetzt die Ansprache. Humorvoll und direkt. Argumente liefern –dabei aber auf keinen Fall wie Missionare auftreten oder, schlimmer noch, wie Staubsaugervertreter, die den Leuten etwas andrehen, was sie gar nicht haben wollen“, sagt Sandra Marusic. Ihre Methode der Gesprächsführung ist es, aus einer inneren Überzeugung heraus die vielen Vorteile der Mitgliedschaft zu kommunizieren. „Damit die Leute, wenn sie Nein sagen, wenigstens wissen, wozu sie Nein sagen.“ Wobei die Hoffnung besteht, dass sie beim zweiten, dritten Gespräch dieser Art doch Ja sagen. „Das ist oft genug passiert“, sagt Sandra Marusic. Hier ist langer Atem von Vorteil.

Bei einer Kaffeerunde gesellt sich Heike Hausfeld dazu, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Bayer, Mitglied im Hauptvorstand der IGBCE sowie stellvertretende Vorsitzende im Aufsichtsrat des Konzerns. Ihre Stimmung: anpackend und motivierend. Ohne geht’s heute nicht. „Denn machen wir uns nichts vor, es wird nicht einfacher, an die Leute heranzukommen.“

Sie sieht dafür eine Reihe von Gründen. Im kaufmännischen Bereich sei die Homeoffice-Quote weiterhin hoch, vielen fehlt dadurch der Bezug zum Betriebsgelände und damit auch zum Betriebsrat und zur Gewerkschaft. Hinzu kommt eine gesellschaftliche Entwicklung: „Wir leben in der Zeit des Individualismus. Es fällt schwerer, Menschen zu mobilisieren und ihnen klarzumachen, dass es gilt, Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst. Aber auch für andere.“ Daher seien die vielen exklusiven Benefits der Mitgliedschaft eine gute Rampe: „Über individuelle Vorteile den Wert der Gemeinschaft erfahren, das ist ein guter Weg in eine Gewerkschaft“, sagt Heike Hausfeld.

Bad Aibling
Bei einer Bratwurst ins Gespräch kommen: Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Schilling (unteres Foto links) überzeugt skeptische Kolleginnen und Kollegen mit handfesten Argumenten von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Auf die Sommerkampagne sollen weitere Aktionen folgen.

Bad Aibling
Bei einer Bratwurst ins Gespräch kommen: Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Thomas Schilling (oberes Foto links) überzeugt skeptische Kolleginnen und Kollegen mit handfesten Argumenten von einer Mitgliedschaft in der Gewerkschaft. Auf die Sommerkampagne sollen weitere Aktionen folgen.

Fotos: Maria Irl

Bad Aibling: Alle Vorteile auf einer Serviette

Zur Mittagszeit geht der Blick von Leverkusen ins oberbayerische Bad Aibling. Dort rückt am Standort des Pharma-Auftragsherstellers Swiss Caps, Teil der Aenova Holding, kurz vor der Schichtpause ein IGBCE-Grillwagen an. Das Team um Thomas Schilling, IGBCE-Vertrauensmann und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, packt beim Aufbau an. Denn die Leute haben Hunger. „Die Aktion ist ein Dankeschön an die Belegschaft, aber wir verfolgen auch das Ziel, die Leute über die Vorteile der IGBCE-Mitgliedschaft zu überzeugen“, sagt Thomas Schilling.

In Bayern ist es gute Tradition, bei der Brotzeit ins Gespräch zu kommen. Was beim Mithören auffällt: Die Aufmerksamkeit an den Stehtischen wächst, sobald die Vertrauensleute der IGBCE handfeste Argumente liefern. Schwarz auf weiß, geschrieben auf den Servietten. „Wir hören immer wieder die zwei gleichen Fragen: Was kostet mich das, und was bringt mir das?“, beschreibt Thomas Schilling den Pragmatismus der Belegschaft. „Also rechnen wir den Leuten das vor: Beitrag, Laufzeit, Extraleistungen Strich drunter, und siehe da, das rechnet sich schon nach zwölf Monaten.“ Das erstaunt viele Skeptikerinnen und Skeptiker. „Die geldwerten Vorteile der Mitgliedschaft werden oft unterschätzt“, sagt Schilling.

Das Grillgut ist bald verputzt, die Belegschaft satt und zufrieden. Zweimal im Jahr wolle man eine solche Aktion ab jetzt starten, sagt der Betriebsratsvorsitzende Erik Roggow. Das sei gut fürs Betriebsklima. Und wichtig für Betriebsrat und Gewerkschaft. „Wir haben hier im Unternehmen Mitarbeitende aus 24 Ländern. Um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, muss man auf sich aufmerksam machen. Denn wer nicht präsent ist, der ist gefühlt nicht mehr da.“

Wir müssen die Gemeinschaft stärken.

Erik Roggow,
Betriebsratsvorsitzender Swiss Caps

Foto: Maria Irl

Was Roggow an diesem Tag gefallen hat: „Ich kam mit Leuten ins Gespräch, mit denen ich längere Zeit nicht mehr geredet habe.“ Dabei fiel ihm auf, dass die Zeiten sich geändert haben: „Es gibt mehr Unsicherheiten und Zukunftsängste. Was nicht verwundert, weil wir am Standort zuletzt mehr als hundert Leute durch Aufhebungsverträge verloren haben.“ Es wäre in dieser Situation die denkbar schlechteste Reaktion, wenn jeder nur an sich dächte. „Wir müssen als Gewerkschaft dagegenhalten, indem wir die Gemeinschaft stärken.“

Ideen, wie dies gelingen kann, gibt es viele. Zurück nach Leverkusen, wo Sandra Marusic einen roten Teppich ausrollt, exklusiv für IGBCE-Mitglieder. Einmal VIP sein. Nicht, um sich wichtig zu fühlen. Sondern um exklusive Vorteile zu genießen.

Jedes Gespräch zählt – und lohnt sich doppelt!

Als IGBCE-Mitglied profitierst du bereits von vielen exklusiven Vorteilen und einer starken gewerkschaftlichen Vertretung. Doch noch nicht alle deine Kolleginnen und Kollegen genießen diese Vorteile. Deshalb liegt einer Teilauflage der Profil diesmal eine Broschüre bei. Sie gibt einen guten Überblick über sämtliche Vorteile der IGBCE. Gib die Broschüre an Nichtmitglieder weiter und überzeuge sie so von einer Mitgliedschaft. Für eine erfolgreiche Werbung erhältst du zwei Prämienpunkte.

Zur Digitalausgabe der Broschüre hier entlang.