Foto: Picture Alliance/dpa-Zentralbild | Stephan Schulz
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Energiewende
als Jobmotor
Als drittgrößter Übertragungsnetzbetreiber integriert 50Hertz 40 Prozent der deutschen Windkraftleistung in sein Netz und spielt damit eine zentrale Rolle bei der Energiewende – eine sinnvolle Aufgabe, mit der sich die dort Beschäftigten identifizieren. Sichere Jobs, gute Sozialleistungen und ein wertschätzender Umgang sorgen zusätzlich für zufriedene Mitarbeitende. Trotzdem stellt der Fachkräftemangel das Unternehmen vor Herausforderungen.
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50Hertz
50Hertz ist einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Das Unternehmen betreibt das Stromübertragungsnetz im Norden und im Osten Deutschlands und baut es für die Energiewende bedarfsgerecht aus. Die Wurzeln reichen bis in die DDR. Deren Höchstspannungsnetz und Stromerzeugung wurden nach der Wiedervereinigung in der dafür gegründeten Vereinigten Energiewerke AG (VEAG) gebündelt. 2002 übernahm der schwedische Energiekonzern Vattenfall die VEAG und führte das Netz unter dem Namen Vattenfall Europe Transmission. 2006 kamen die Höchstspannungsnetze der ehemaligen HEW in Hamburg und der BEWAG in West-Berlin hinzu. Im Januar 2010 erhielt das Unternehmen seinen heutigen Namen – benannt nach der europäischen Netzfrequenz. Kurz darauf trennte sich Vattenfall wegen EU-Vorgaben zur Entflechtung des Strommarkts von seiner Netzsparte. Der belgische Netzbetreiber Elia und ein australischer Infrastrukturfonds kauften 50Hertz. Seitdem ist das Unternehmen eine Tochter der als Holding gegründeten Berliner Eurogrid GmbH. Als 2018 ein chinesischer Staatskonzern Anteile übernehmen wollte, übte Elia sein Vorkaufsrecht aus. Den verbleibenden 20-Prozent-Anteil übernahm schließlich die staatliche Förderbank KfW. Heute versorgt 50Hertz über rund 11.000 Leitungskilometer mehr als 18 Millionen Menschen mit Strom.
Gründung 2002
Rechtsform GmbH
Sitz Berlin
Eigentümer Anteilseigner sind die börsennotierte belgische Elia Group (80 Prozent) und die KfW Bankengruppe (20 Prozent)
Umsatz 8,25 Milliarden Euro (2025)
Beschäftigte circa 2.500
Arbeitsumgebung
50Hertz ist regional stark eingebettet. Die Berliner Zentrale bietet eine attraktive Infrastruktur mit sehr guter Verkehrsanbindung. Als Arbeitgeber genießt das Unternehmen ein hervorragendes Image. Die Beschäftigten identifizieren sich mit der sinnstiftenden Aufgabe der sicheren Stromversorgung. Im ländlichen Raum sieht sich 50Hertz indes mit Kontroversen um geplante Leitungstrassen konfrontiert.
Das Unternehmen engagiert sich kulturell und fördert ehrenamtliches Engagement, indem es Mitarbeitende dafür freistellt. Ein Sozialfonds unterstützt in vielen Lebensbereichen. In der Zentrale versorgt ein hochgelobtes Mitarbeiterrestaurant täglich bis zu 600 Personen; die anderen Standorte haben Kantinen unterschiedlicher Qualität. Weitere Benefits sind ein Betriebskindergarten in Berlin, betriebliche Altersvorsorge, Gesundheits- und Beratungsangebote sowie Fahrradleasing.
Mobiles Arbeiten ist möglich, solange keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Zur fachlichen Entwicklung der Mitarbeitenden wurde eine eigene Online-Akademie gegründet. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit externen Bildungsanbietern zusammen.
Betriebsklima
Das Betriebsklima wird generell als gut beschrieben, was sich in niedriger Fluktuation und geringem Krankenstand widerspiegelt. Ein wesentlicher Faktor ist die hohe Jobsicherheit, da für die Energiewende massiv Stellen aufgebaut werden. Allerdings fällt es angesichts des schnellen Wachstums immer schwerer, die familiäre Atmosphäre mit kurzen Wegen aufrechtzuerhalten. Organisationsänderungen und unbesetzte Stellen führen zu Belastungen. Dort, wo die Bestandskolleg*innen bereits am Limit arbeiten, fehlt ihnen oft die Zeit, neue Mitarbeitende adäquat einzuarbeiten.
Die Arbeitszeit ist flexibel: Ein Arbeitszeitkonto erlaubt Schwankungen von plus/minus 100 Stunden. Mehrarbeit lässt sich in ein Lebensarbeitszeitkonto überführen. Ebenso können bis zu 15 Prozent des Gehalts in Zeit umgewandelt werden, etwa für einen früheren Ruhestand.
Der Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden ist durch einen Feedbackprozess strukturiert, der allerdings noch nicht überall eingehalten wird. Kritisiert werden zu große Fachgebiete, wodurch Führungskräften Zeit für ihre Mitarbeitenden fehlt. Außerdem wird bemängelt, dass Karriereschritte bislang fast ausschließlich durch Übernahme von Führungspositionen möglich sind. Das Unternehmen arbeitet jedoch an alternativen Aufstiegsmöglichkeiten.
Mitbestimmung
Mitbestimmung ist bei 50Hertz von Anfang an fest verankert. Es gibt zwei lokale Gremien (Zentrale und Fläche) sowie einen daraus gebildeten Gesamtbetriebsrat. Eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) sowie eine Schwerbehindertenvertretung (SBV) sind in Prozesse wie Einstellungen und Verhandlungen eingebunden. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen schätzt der Betriebsrat als grundsätzlich kooperativ ein. Allerdings bemängelt er, dass Informationen zu Umstrukturierungen bisweilen zu spät fließen. Positiv sei hingegen, dass Hochqualifizierte ausdrücklich ermutigt werden, sich in der Mitbestimmung zu engagieren.
Die Mitbestimmung schließt Nicht-Betriebsratsmitglieder ein: So können sich alle Mitarbeitenden in Arbeitsgruppen zu Zukunftsthemen einbringen und via „Mitarbeiterbeteiligung per Klick“ abstimmen.
Die Verbindung des Betriebsrats zur Gewerkschaft ist eng. Rund achtzig Prozent der Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind Mitglieder der IGBCE. Deshalb gibt es auch keine klassischen Vertrauensleute. Deren Funktion decken die Betriebsortsgruppen und die gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte ab. Zu den bedeutendsten Errungenschaften der Mitbestimmung gehört die Vereinbarung zum Lebensarbeitszeitkonto, das Zeit statt Geld anspart und Bestandsschutz genießt.
Tarifbindung
Das Unternehmen hat einen Haustarifvertrag, der aufgrund der spezifischen wirtschaftlichen Lage des Übertragungsnetzbetreibers unabhängig von Flächentarifen verhandelt wird. Denn die wirtschaftliche Entwicklung von 50Hertz verläuft bisweilen antizyklisch zur allgemeinen Konjunktur. Die Tarifverhandlungen werden als diskussionsfreudig und stets lösungsorientiert beschrieben. In der jüngsten Tarifrunde gab es vor der Einigung jedoch eine Protestaktion, weil das Arbeitgeberangebot als unzureichend empfunden wurde. Zudem wird das Unternehmen manchmal als kleinlich beschrieben, wenn es um „Kleckerbeträge“ geht, deren Höhe die langen Verhandlungszeiten nicht rechtfertigt. Unterstützt wird der Betriebsrat und damit indirekt die Verhandlungskommission durch den Hauptvorstand der IGBCE aus Hannover.
Die tariflich vereinbarte Standardwochenarbeitszeit beträgt 37 Stunden. Mitarbeitende können freiwillig auf vierzig Stunden erhöhen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen vielfältige Teilzeitmodelle an. Außerhalb der Verwaltung, insbesondere in den Kontrollzentren (Transmission und Offshore) sowie im Stromhandel, gibt es 24/7-Schichtsysteme, um den Netzbetrieb rund um die Uhr sicherzustellen. Zusätzlich leisten viele Kolleg*innen Bereitschaftsdienste, die teilweise im Homeoffice absolviert werden.
Zukunftsfähigkeit
50Hertz investiert aufgrund der zentralen Rolle bei der Energiewende jährlich bis zu fünf Milliarden Euro in die Infrastruktur und achtet darauf, dass die Wertschöpfung möglichst in der Region bleibt. Eine Herausforderung ist die Netzstabilität: Wegen des Wegfalls konventioneller Kraftwerke benötigt 50Hertz neue Technologien, die die Spannung stabil halten. Digital stellt sich das Unternehmen zukunftssicher auf, indem es KI- und Cloud-Lösungen sowie die eigene Softwareentwicklung ausbaut.
Kritisch bleiben der Fachkräftemangel und – angesichts hochkomplexer Anlagen – der Wissenstransfer beim Generationenwechsel. Das Unternehmen braucht jährlich rund 300 Neuzugänge. Gesucht sind Elektroingenieur*innen und Spezialist*innen für den Offshore-Bereich, aber auch Facharbeiter*innen sowie Informatiker*innen und Mathematiker*innen. Der demografischen Lücke durch das Ausscheiden erfahrener Beschäftigter begegnet 50Hertz mit einem verstärkten Ausbildungsangebot. Prämien und neue Formate wie Radiowerbung unterstützen die Rekrutierung. 50Hertz bildet jährlich rund sechzig Nachwuchskräfte aus, beschäftigt dual und über 200 Werkstudierende. Frauen werden gezielt gefördert und stellen 31 Prozent der Führungskräfte.
Bis 2030 will das Unternehmen seine Fahrzeugflotte vollständig elektrifizieren.
Das sagt 50Hertz
Wer bei 50Hertz arbeitet, gestaltet die Energiewende unmittelbar mit und erlebt ein Unternehmen, das moderne Arbeitsformen ermöglicht und viel in Entwicklung, Qualifizierung und Zusammenarbeit investiert. Gerade in technischen Spezialfunktionen bleibt die Besetzung offener Stellen eine anspruchsvolle Aufgabe, der das Unternehmen mit gezielten Recruiting-Maßnahmen und Onboarding-Programmen begegnet.
Unser Fazit
50Hertz präsentiert sich als hochgradig zukunftssicherer Arbeitgeber, der eine Schlüsselrolle in der deutschen Energiewende einnimmt. Die Kombination aus einer sinnstiftenden Tätigkeit, hoher Arbeitsplatzsicherheit und weitreichenden Sozialleistungen sorgt für eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit und eine geringe Fluktuation. Die gelebte Sozialpartnerschaft mit der IGBCE ist stabil. Optimierungsbedarf gibt es hingegen bei der rechtzeitigen Einbeziehung des Betriebsrats in Umstrukturierungsprozesse. Die größte Herausforderung bleibt die Bewältigung des massiven Wachstums und der Fachkräftegewinnung, um die ehrgeizigen Infrastrukturprojekte und die Netzstabilität langfristig zu sichern.
Quellenhinweis: Dieser Arbeitgebercheck basiert auf Recherchen bei Beschäftigten, Betriebsräten, Vertrauensleuten sowie Betriebsbetreuerinnen und -betreuern der IGBCE. Die zusammengetragenen Informationen sind aus Gründen des Quellenschutzes bewusst anonymisiert. Jede Angabe kann jedoch konkret bestimmten Quellen zugeordnet werden. Zudem wurden öffentlich zugängliche Quellen einschließlich der Angaben des Unternehmens selbst genutzt.