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73 Prozent: So geht Wahlsieg!

Voneinander lernen und sich unterstützen: Betriebsrätekonferenz in der Lausitz.

Foto: Vivian Madeja

Die IGBCE ist als eindeutige Siegerin aus den Betriebsratswahlen hervorgegangen und konnte ihre starke Stellung in den Betrieben der Region souverän verteidigen. Im Landesbezirk Nordost sind rund 73 Prozent aller Gewählten Mitglied der IGBCE. Unter den Betriebsratsvorsitzenden ist der Organisationsgrad sogar noch höher und liegt bei fast 86 Prozent. „Das vorläufige Ergebnis ist klasse, darauf sind wir alle sehr stolz“, sagt Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak, „und es ist ein klares Zeichen: Die Beschäftigten vertrauen ihrer IGBCE.“

Das vorläufige Ergebnis der IGBCE ist flächendeckend gut: In Berlin-Mark Brandenburg-MV (66 Prozent) liegt es zwar unter dem Schnitt, dafür erreicht die IGBCE in der Lausitz noch einige Prozentpunkte mehr (81 Prozent). Sachsen und Sachsen-Anhalt erreichen rund 75 Prozent.

Die IGBCE bleibt damit konkurrenzlos die Nummer eins in den Betrieben. Rechte Listen spielten bei den Wahlen im Frühjahr keine Rolle. „Das Thema möglicher rechtspopulistischer Kräfte, die jetzt angeblich zum Sturm auf die Betriebe ansetzen, war eher ein Medienphänomen“, sagt Albrecht-Suliak. „Da wurde viel orakelt, passiert ist aber nichts.“ Die Landesbezirksleiterin hat dafür eine plausible Erklärung: „In den Betrieben geht es um ganz konkrete Probleme am Arbeitsplatz, und für diese braucht es Problemlöser und keine Sprücheklopfer.“

Nach der gelungenen Wahl kommt viel Arbeit auf die frisch Gewählten zu – und dabei erhalten sie umfassende Unterstützung der IGBCE. In der Lausitz kamen Mitte Juni rund hundert Betriebsratsmitglieder zu einer Betriebsrätekonferenz zusammen. Auf der Tagesordnung standen aktuelle Themen: Wie setzen wir Tarifverträge um? Was kommt mit der künstlichen Intelligenz auf uns zu? Oder: Wie geht es weiter mit der Transformation? Auch in den anderen Bezirken finden ähnliche Veranstaltungen statt. „Diese Treffen dienen auch der Vernetzung unserer Betriebsräte“, sagt Gewerkschaftssekretärin Elke Swolinksi. „Sie können voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen.“

„Betriebsratsarbeit wird in dieser schwierigen Zeit immer komplexer“, sagt Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak, „umso wichtiger ist es, dass unsere Aktiven das richtige Werkzeug zur Hand haben.“ Schließlich stehen große Aufgaben vor der Tür. „Digitalisierung, Dekarbonisierung, Transformation der Industrie, Fachkräftesicherung sowie gute und tarifgebundene Arbeit werden die kommenden Jahre prägen.“

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Stark für Inklusion

Für die Betriebe ist 2026 ein Superwahljahr. Nach den Betriebsratswahlen im Frühjahr stehen zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November auch die Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung (SBV) auf dem Programm. Die sind wichtig, „denn jede Stimme stärkt die Rechte, die Teilhabe und die Inklusion der schwerbehinderten und gleichgestellten Kolleginnen und Kollegen“, sagt Gewerkschaftssekretärin Elke Swolinski.

Wahlberechtigt sind alle schwerbehinderten und gleichgestellten Beschäftigten. Alter, Betriebszugehörigkeit, Arbeitszeit oder Staatsangehörigkeit spielen keine Rolle. Kandidieren dürfen auch Beschäftigte ohne Schwerbehinderung, vorausgesetzt, sie sind volljährig und seit mindestens sechs Monaten im Betrieb beschäftigt. „Geht wählen“, ermutigt Elke Swolinski, „die Wahl legt das Fundament für eine starke Interessenvertretung in den kommenden vier Jahren.“

Foto: privat

3 Fragen an …

Lena Heise

Die JAV-Vorsitzende bei Yara in Rostock über die Bedeutung der Wahlen.

Lena, ihr habt eure JAV bereits im März gewählt, weil euer Gremium nicht mehr vollständig war. Warum ist eine funktionierende JAV im Betrieb so wichtig?

Für Auszubildende ist es wichtig, dass sie jemanden haben, den sie auf Augenhöhe ansprechen können. Die Hemmschwelle, auf ein gestandenes Betriebsratsmitglied zuzugehen und ihr oder ihm Probleme anzuvertrauen, ist viel größer. Das erfordert schon einigen Mut, den viele zu Anfang ihrer Ausbildung noch nicht haben. Wir Jugend- und Auszubildendenvertretungen sind außerdem viel näher dran an den Themen, die Azubis bewegen, weil sie ja auch unsere eigenen Themen sind, und können diese viel eher proaktiv angehen als die oft viel älteren Kolleginnen und Kollegen in den Betriebsräten. Wir arbeiten dann gezielt an Lösungen und bringen unsere Sicht in den Betriebsratssitzungen mit starker Stimme und unserer Expertise ein.

Kannst du Beispiele für Themen nennen, die ihr in der JAV beackert?

Wir Chemikanten-Azubis müssen regelmäßig nach Hamburg zur Berufsschule. Das ist von Rostock nicht gerade um die Ecke und mit enormen Kosten verbunden, auch für die Unterkunft, um die wir uns selbstständig kümmern müssen. Wir haben uns gemeinsam mit dem Betriebsrat erfolgreich dafür eingesetzt, dass wir mehr Geld bekommen und dass dieses Geld nicht mehr notenabhängig ist. Das ist ein großer Erfolg, auf dem wir uns aber nicht ausruhen. Aktuell machen wir uns gerade für eine zeitgemäße Ausbildungsqualität stark. Die Ausbildungsrahmenpläne, die für uns gelten, stammen aus dem Jahr 2004, sind also mehr als zwanzig Jahre alt und entsprechen in vielerlei Hinsicht nicht mehr den aktuellen Anforderungen an unseren Beruf. In zwanzig Jahren hat sich viel verändert, das muss sich auch in der Ausbildung wiederfinden. Dafür braucht es einen langen Atem. Schneller dürfte sich ein weiteres Ziel erreichen lassen, das wir uns auf die Fahnen geschrieben haben: Wir wollen die Gemeinschaft aller Azubis in den unterschiedlichen Ausbildungsberufen am Standort fördern. Als ersten Schritt bietet sich dafür ein gemeinsames Sommerfest an, das wir gerade planen.

Warum sollten sich Azubis unbedingt an der JAV-Wahl beteiligen?

Das ist Demokratie pur. Wer mitbestimmen und mitgestalten will, hat hier die Möglichkeit, sich einzubringen und unmittelbar Einfluss zu nehmen durch Stimmabgabe oder noch besser durch eine eigene Kandidatur. Selbst neue Azubis, die erst in diesem Jahr starten, sollten sich das überlegen. Ich bin selbst vor zwei Jahren ins kalte Wasser gesprungen und kann nur sagen: Das hat mir unheimlich gutgetan. Ich habe das Unternehmen durch mein Engagement ganz anders kennengelernt und habe viel tiefere Einblicke in Zusammenhänge erhalten. Und ich bin davon überzeugt, dass es auch persönlich etwas mit einem macht, Verantwortung zu übernehmen, sich trauen zu müssen, den Mund aufzumachen und vor größeren Gruppen wie bei JA-Versammlungen zu sprechen. Man wächst tatsächlich an seinen Aufgaben.

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Neu im Team

Foto: privat

Die letzte Station seines Traineeprogramms absolviert Jonas Eng ab dem 1. September im Landesbezirk Nordost, wo er das Team dann ab dem 1. Oktober fest als neuer Gewerkschaftssekretär unterstützt. Gänzlich neu ist der Landesbezirk für den Dreißigjährigen nicht. Während seines Traineeprogramms sammelte er bereits über mehrere Monate Erfahrungen im Bezirk Berlin-Mark Brandenburg-MV. Vor seinem Gewerkschaftsleben in Hauptamtlichkeit hat Jonas Eng an der Freien Universität Berlin erfolgreich seinen Master im Studiengang „Soziologie europäische Gesellschaften“ abgeschlossen.

Tarifmeldungen

Chemie Nammo Schönebeck:
anteilige Übernahme der Flächentarifverträge, Urlaubsgeld + 150 Euro, bis zu 100 Prozent Jahresleistung, Mitgliederbonus: mindestens + 1 Freistellungstag.

Chemie B. Braun Avitum Saxonia:
+ 3,6 Prozent, 39,5-Stunden-Woche, einmalig 290 Euro, auf 24 Monate.

Umwelt und Entsorgung GTS Grube Teutschenthal:
+ 140 Euro, 150 Euro Urlaubsgeld nur für Mitglieder.

Kunststoff Optiplan:
insgesamt + 4 Prozent oder + 100 Euro, für Azubis bis zu + 10,5 Prozent, 250 Euro Einmalzahlung, auf 12 Monate.

Bergbau Geomin:
+ 1,5 Prozent, + 1 Urlaubstag, 250 Euro Einmalzahlung, Sachbezugskarte in Höhe von 50 Euro monatlich, auf 20 Monate.

Wasserwirtschaft AKS Aqua-Kommunal-Service:
+ 5 Euro, Erhöhung Urlaubsgeld um 50 Euro, auf 24 Monate.