Praxis & Wissen

Ratgeber Arbeit

Bewerbung – was wichtig ist

Text Katrin Schreiter – Illustration Tim Dinter

Die Arbeitswelt verändert sich – und damit auch Bewerbungen. Braucht man noch ein Anschreiben? Worauf kommt es beim Lebenslauf an? Profil erklärt dir, wie du potenzielle Arbeitgeber überzeugst.

Artikel von KI vorlesen lassen

Ob du nach langer Zeit den Arbeitsplatz wechseln möchtest oder auf der Suche nach deinem ersten richtigen Job bist: Wer eine überzeugende Bewerbung verfassen will, muss sich mit einigen Fragen beschäftigen. Braucht man heute überhaupt noch ein Anschreiben? Wie lang darf der Lebenslauf sein? Und kann man mit einem Ehrenamt punkten? Hier ein paar Antworten:

Lebenslauf als Basisbaustein

Der Lebenslauf ist laut Sebastian Kohler, Co-Founder und Managing Partner der Personalberatung Kempkens x Kohler, wichtiger denn je. Für jede Position sollte man drei Punkte herausarbeiten. Erstens: Welche Verantwortung hast du übernommen? Zweitens: Welche Ergebnisse hast du erzielt? Und drittens: Welchen Anteil hast du konkret daran gehabt?

„Diese drei Punkte sollten präzise und klar strukturiert für jede Position ausgearbeitet werden“, sagt Kohler. Da Bewerbungen häufig digital erfasst werden, sei eine aufwendige Gestaltung nicht nötig: Der Inhalt sei das, was zählt. Ein Foto kann weiterhin sinnvoll sein: „Man ist zwar nicht zwingend verpflichtet, ein Bild mitzuliefern, aber nach meiner Erfahrung wird das von den Unternehmen weiterhin geschätzt. Schließlich kann ein Bild eine persönliche Note einbringen und einen Bezug herstellen“, meint Kohler. „Vorausgesetzt, es handelt sich um ein professionelles Foto – nicht um einen Schnappschuss aus dem Urlaub.“

Noch vor zwanzig Jahren konnten sich die Unternehmen ihre Leute aus einem großen Bewerberpool aussuchen.

Fatou Diakité-Micklisch

Braucht man noch ein Anschreiben?

Das hängt laut Kohler von der Branche und der Position ab. „In vielen Unternehmen ist das Anschreiben noch üblich. Doch bei der Auswahl spielt es eher eine untergeordnete Rolle. Denn beide Seiten – Bewerberinnen und Bewerber, aber auch Arbeitgeber – wissen schließlich, dass heutzutage viel mithilfe der KI verfasst wird.“ Trotzdem sagt der Experte: „Hier könnte man noch mal Argumente nennen, warum man für diese Stelle der oder die Richtige ist – kurz, zielgerichtet und ohne Standardfloskeln.“

Laut Headhunterin Fatou Diakité-Micklisch wird in einigen Branchen ganz auf ein Anschreiben verzichtet. Bewerbungen laufen dort meist über Bewerber-Management-Tools und Jobportale. „Bei Interesse wird ein Kennenlerngespräch vereinbart. Dafür erhält der Kandidat beziehungsweise die Kandidatin vorher Infos, die über das Unternehmen und die Position näher informieren“, erklärt die Tech-Recruiterin.

„Da läuft viel auf Augenhöhe“, weiß Diakité-Micklisch. „Das liegt sicherlich auch daran, dass sich der Arbeitsmarkt geändert hat. Noch vor zwanzig Jahren konnten sich die Unternehmen ihre Leute aus einem großen Bewerberpool aussuchen – jetzt müssen die Personaler mehr investieren, um Stellen und wichtige Positionen optimal zu besetzen.“

Die eigene Onlinepräsenz im Netz muss aktuell und sauber gepflegt sein.

Sebastian Kohler

Die Onlinepräsenz zählt

Linkedin, Xing und Co. sind wichtiger geworden. „Die eigene Onlinepräsenz im Netz muss aktuell und sauber gepflegt sein“, erklärt Kohler. „Wichtig ist dabei auch, dass die Arbeitgeber die Bewerberinnen und Bewerber leicht finden und unkompliziert kontaktieren können – sofern man es denn möchte.“

Tipp: Nutze passende Schlüsselwörter. Auch eine Vernetzungsanfrage bei Mitarbeitenden eines Unternehmens kann dein Interesse an einer Stelle zeigen.

Hobbys und Ehrenamt nicht vergessen

Persönliche Interessen können deine Bewerbung ergänzen. „Oft schauen die Personalentscheider auf Kleinigkeiten wie Hobbys“, sagt Kohler. „Golf oder Fußball, Tennis oder Volleyball – daraus ist schon ersichtlich, ob man eher Einzelkämpfer oder Teamplayer ist.“ Zudem seien ehrenamtliche Tätigkeiten interessant. „Sie bringen den menschlichen Faktor ins Profil.“

Diakité-Miklisch sieht darin ebenfalls eine Chance: „Wer sich beispielsweise in einem Unternehmen bewirbt, das auf erneuerbare Energie setzt, kann sich durch ein sinnvolles Ehrenamt – beispielsweise im Umweltschutz – einen Vorteil verschaffen.“

Bei Zeugnissen kommt es hingegen darauf an, wo du im Berufsleben stehst. „Sie sind vor allem von Belang, wenn man ins Arbeitsleben einsteigt. Ansonsten spielen die Zensuren aus der Schulzeit eine eher untergeordnete Rolle“, meint Kohler. „Wenn Bedarf besteht, reicht man die Dokumente einfach nach.“

Kinder und Elternzeit in der Bewerbung

Du musst Kinder oder Elternzeit im Lebenslauf nicht angeben. Drei Tipps, die dir bei der Entscheidung helfen:

  • Was wichtig ist: Überlege dir, wie du deine Elternzeit gestalten möchtest und welche Rahmenbedingungen du im neuen Job brauchst.
  • Erfahrungen sichtbar machen: Mach dir klar, welche Fähigkeiten und Erfahrungen du während der Elternzeit gesammelt hast und wie sie dir im neuen Job helfen könnten.
  • Bewerbung als Selbstschutz nutzen: Entscheide bewusst, welche Informationen du über Kinder und Elternzeit teilen möchtest – und welcher Arbeitgeber wirklich zu deinen Bedürfnissen passt.