Sind wir zu krank?
Wie ist es um die Gesundheit von Beschäftigten in deutschen Betrieben bestellt? Melden sie sich zu oft krank? Erhöhte Krankenstände haben jedenfalls eine Diskussion ausgelöst, inklusive der Arbeitgeberforderung nach Karenztagen. Da lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen.
Der Krankenstand
Er ist mit Ausbruch der Corona-Pandemie gestiegen – und dann auf einem höheren Niveau verblieben. Machen die Beschäftigten in Deutschland seit Corona öfter blau? Kann man so nicht sagen, erklären Fachleute. Vielleicht sind die Menschen einfach vorsichtiger geworden. Außerdem gibt es statistische Gründe (siehe unten).
Durchschnittlicher Krankenstand der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland von 1991 bis 2026
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit
Elektronische Bescheinigung
Mitten in der Pandemie hat der Gesetzgeber Anfang 2022 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) eingeführt. Sie ist ein Grund für den erhöhten Krankenstand, denn seitdem werden Krankschreibungen lückenlos erfasst. Vorher wurden nur jene erfasst, die bei der Krankenkasse auch eingereicht wurden. Die DAK hat den Effekt anhand der Diagnose Schnupfen ausgerechnet.
Effekt der eAU auf die gestiegene Krankmeldequote (2019 im Vergleich zu 2023, Infektion obere Atemwege)
Quelle: DAK-Gesundheitsreport
Telefonische
Krankmeldung
In der Pandemie hat der Gesetzgeber es möglich gemacht, sich telefonisch krankzumelden. Führt das zu nennenswertem Missbrauch? Nein, ergibt eine Beschäftigtenbefragung der DAK.
Gründe für telefonische Krankmeldung
Quelle: IGES, DAK-Gesundheitsreport
Lang und kurz
Wenige Beschäftigte sind richtig lange krank, doch lange Erkrankungen verursachen am Ende viele Fehltage.
Anteile der AU-Fälle unterschiedlicher Dauer an den AU-Tagen und -Fällen 2024 insgesamt, jeweils in Prozent
Quelle: DAK-Gesundheitsreport
Krankheitswochen im Vergleich
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den Fehlzeiten im oberen Mittelfeld. Spannend ist ein Abgleich mit der Produktivität: Norwegen hat 100 Prozent Fortzahlung und hohe Fehlzeiten – es hat aber auch die höchste Produktivität. Diese Grafik zeigt außerdem: Karenztage und reduzierte Fortzahlung führen nicht automatisch zu geringeren Fehlzeiten.
Fehlzeiten im Verhältnis zur Produktivität
Quelle: OECD, GGW
Jung und alt
Jüngere Beschäftigte sind öfter krank, dafür aber kürzer. Ältere sind seltener krank, bei ihnen dauert die Erkrankung aber länger.
Dauer und Häufigkeit nach Altersgruppen (2024)
Quelle: DAK-Gesundheitsreport
Psyche wird immer wichtiger
Häufigste Ursachen für Arbeitsunfähigkeit sind immer noch Muskel-, Skelett- oder Atemwegserkrankungen. Ein näherer Blick zeigt aber: Psychische Erkrankungen nehmen in jüngster Zeit deutlich zu.
Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 1997 bis 2024 (Indexdarstellung: 1997 = 100)
Quelle: DAK