Nähe, die überzeugt
Ausbildungsstart bei Roche in Penzberg: Wie Nähe, starke Aktionen und Austausch junge Azubis für die IGBCE begeistern.
Begegnungen und erste Kontakte: Bei der Burgerparty kommen neue Roche-Azubis und die IGBCE ungezwungen ins Gespräch.
Wie begeistert man junge Menschen für Gewerkschaft, wenn viele noch kaum wissen, was die eigentlich macht? Bei Roche in Penzberg beginnt das nicht erst mit dem ersten Ausbildungstag. Die IGBCE ist schon vorher da. Noch bevor die Ausbildung beginnt, lädt sie zur Burgerparty ein. Mit dabei sind Vertrauensleute, die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) und Tobias Meinhardt von der IGBCE München. Es geht zunächst weniger um Tarifverträge und Mitgliedschaft als darum, einander kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Neuen erleben so von Anfang an, wer für sie ansprechbar ist und was Gewerkschaft ganz konkret bedeutet. „Uns ist total wichtig, mit den Azubis ins Gespräch zu kommen“, sagt JAV-Vorsitzende Frieda Zanner (20). „Viele sind gerade mal fünfzehn Jahre alt und haben in der Schule kaum etwas über Gewerkschaften erfahren.“
Danach begegnet die IGBCE den Neuen immer wieder. In der Einführungswoche fährt das gesamte Lehrjahr nach Hintersee. Dort geht es um Teambuilding und Ausbildung – und die JAV erklärt, was sie für Azubis tun kann und welche Rolle die IGBCE etwa bei Ausbildungsbedingungen spielt. Im September folgen Treffen in kleinen Gruppen mit JAV und Gewerkschaftssekretär. Beim IGBCE-Jenga stecken in jedem Spielstein Themen und Leistungen der Gewerkschaft. Ganz nebenbei entstehen Gespräche und Fragen.
Das Prinzip dahinter: Nähe schaffen und Gewerkschaft Stück für Stück erlebbar machen. „Wir sind altersmäßig sehr nah an den Azubis und können von Anfang an Vertrauenspersonen sein“, sagt Konstantinos Dallas, 23, Vorsitzender der Konzern-JAV bei Roche. Genau das hatte ihn selbst überzeugt. Die JAV habe er als „Safe Space“ erlebt, an den man sich mit Problemen und Gedanken wenden könne. „Diese Rolle wollte ich auch übernehmen und dazu beitragen, unsere guten Ausbildungsstandards zu erhalten.“
Frieda Zanner begann 2024 ihre Ausbildung zur Biologielaborantin und wurde direkt in die JAV gewählt. Heute ist sie im dritten Lehrjahr. „Ich konnte mich schon immer gut für mich und andere einsetzen. Dann habe ich gesehen, dass es nicht allen so leichtfällt. Ich möchte das auch für andere nutzen.“ JAV-Arbeit bedeute für sie, eine Stimme zu haben, mitzubestimmen und andere zum Mitmachen zu ermutigen.
Der Ansatz funktioniert: 2025 konnten in Penzberg mehr als achtzig Prozent der neuen Azubis für die IGBCE gewonnen werden. Entscheidend sei, gut zu informieren, betonen beide. Die JAVis teilen eigene Erfahrungen und zeigen konkret, was Gewerkschaft im Ausbildungsalltag bedeutet. Dabei geht es auch um handfeste Vorteile – von tariflichen Leistungen und zusätzlichen freien Tagen bis zu Angeboten speziell für junge Mitglieder.
Damit ist Penzberg nicht allein. Überall in Bayern begrüßen JAVen, Vertrauensleute und IGBCE die neuen Ausbildungsjahrgänge: mit Grillaktionen, Kennenlerntagen oder Neuanfängerpartys. Vielerorts nutzen die Aktiven den Ausbildungsstart, um früh den Kontakt zu den neuen Kolleginnen und Kollegen zu suchen. Die Formate unterscheiden sich, die Idee dahinter nicht: gemeinsam ankommen, Kontakte knüpfen – und erfahren, dass eine starke Gewerkschaft vom ersten Ausbildungstag an etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat.