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Text Michaela Ludwig

In Steinfeld und im Hamburger Hafen kämpfen Beschäftigte für mehr Wertschätzung und bessere Arbeitsbedingungen – und fordern Tarifverhandlungen.

IGBCE-Werbeaktion bei Mondi mit Dennis Bornholdt (rechts): „Die Tarifbewegung muss von den Mitgliedern ausgehen.“

Foto: IGBCE

Foto: Mondi

Gleiche Arbeit, aber unterschiedliche Bezahlung und keine finanzielle Wertschätzung für langjährige Betriebszugehörigkeit: Den rund 200 Beschäftigten des Herstellers für Lebensmittelverpackungen Mondi am Standort Steinfeld reicht’s. Der Betriebsratsvorsitzende Eray Tanis (Foto) machte eine deutliche Ansage an seine Kolleginnen und Kollegen: „Wir brauchen Tarifverhandlungen. Die IGBCE kann jedoch nur verhandeln, wenn wir hinter ihr stehen und gemeinsam dafür kämpfen.“ Dass es funktionieren kann, zeigt der Standort Halle (Westfalen). Dort wurde bereits erfolgreich ein Tarifvertrag verhandelt. „Nun sind wir dran. Dann können wir gemeinsam für beide Standorte verhandeln“, sagt Tanis Eray, der zugleich Mitglied im Gesamtbetriebsrat ist. Sein Ziel: ein Manteltarifvertrag, der Arbeitszeit, Urlaub und Jahressonderzahlung an beiden Standorten angleicht.

Eray Tanis wollte die Tarifbewegung deshalb ins Rollen bringen und lud die IGBCE zunächst zu einem Betriebsrundgang ein. Anschließend organisierte er gemeinsam mit Dennis Bornholdt aus der Abteilung Mitgliederstärke einen ersten Termin mit dem Betriebsrat, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Die Gremiumsmitglieder waren schnell überzeugt und organisierten sich. Es folgten verschiedene Aktionen im Betrieb: Kolleginnen und Kollegen vom Standort Halle berichteten von ihrer Tarifbewegung, bei Nachtschichtbegehungen wurden Gespräche geführt und weitere Aktionen zur Mitgliedergewinnung gestartet. Mit Erfolg: Die IGBCE gewinnt auch in Steinfeld zunehmend an Stärke. Im September wurde schließlich die erste Tarifkommission am Standort gewählt – mit einem klaren Auftrag: Verhandlungsstart jetzt!

Nun sind WIR dran.

Eray Tanis,
Betriebsratsvorsitzender Mondi Steinfeld

Foto: privat

Diese Hürden haben die 87 Beschäftigten am Tanklager Enport am Standort Blumensand im Hamburger Hafen bereits genommen. Erst im vergangenen Jahr hatten sie einen Betriebsrat gegründet und die Belegschaft in Windeseile gewerkschaftlich organisiert. Inzwischen ist auch eine Tarifkommission gewählt. Angestoßen wurde die Tarifbewegung vom Betriebsratsvorsitzenden Florian Lange (Foto). „In der Vergangenheit hatte es vergebliche Anläufe gegeben, einen Betriebsrat zu gründen. Dieses Mal musste es klappen“, erzählt Lange. Sein Argument gegenüber den Kolleginnen und Kollegen: „Ihr wollt einen Tarifvertrag? Dann unterstützt die Betriebsratswahl und tretet in die Gewerkschaft ein!“

Bei Enport arbeiten die Beschäftigten mit großen Mengen teils hochentzündlicher und umweltgefährdender Stoffe. „Ihre Belastung ist hoch – und steigt weiter, weil wir kein Personal finden“, bestätigt Lange. Besonders für die Schichtarbeitenden verschärft sich dadurch die Situation. Für ihn geht es deshalb um mehr als einzelne Verbesserungen: „Wir wollen eine Wertschätzung unserer Arbeit. Außerdem helfen bessere Arbeitsbedingungen und höhere Einkommen, die Fachkräfte zu binden – und den Standort zu sichern.“

Ihr wollt einen Tarifvertrag? Dann unterstützt die Betriebsratswahl und tretet in die Gewerkschaft ein!

Florian Lange,
Betriebsratsvorsitzender Enport Hamburg

Im Juni forderte Verhandlungsführer Tobias von Pein den Arbeitgeber offiziell zu Tarifverhandlungen auf. „Wir gehen davon aus, dass die Verhandlungen zeitnah beginnen“, sagt der Gewerkschaftssekretär aus dem Bezirk Hamburg-Harburg Anfang September. Eine Antwort des Arbeitgebers liegt zum Redaktionsschluss noch nicht vor.