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Chemie und Pharma

150 Betriebe ziehen Tariferhöhung vor

Rund 150 Beschäftigte aus den IGBCE-Bezirken Ludwigshafen und Mittelrhein hatten der Tarifkommission vor der dritten Verhandlungsrunde den Rücken gestärkt.

Foto: Andreas Reeg

Für rund 140.000 Beschäftigte in der chemisch-pharmazeutischen Industrie steigen die Tarifentgelte schon ab Oktober um 2,1 Prozent. Mit der Tarifeinigung im März 2026 hatten sich IGBCE und Arbeitgeber auf eine Regelung verständigt, die es Betrieben, denen es wirtschaftlich gut geht, ermöglicht, die Tariferhöhungen um jeweils drei Monate vorzuziehen. Davon machen gut 150 der insgesamt rund 1.500 Unternehmen Gebrauch. Durch das Vorziehen profitiert in diesem Jahr schon gut ein Viertel der Beschäftigten aus Chemie und Pharma von der Tariferhöhung.

Im Tarifabschluss im März hatte die IGBCE für die 585.000 Beschäftigten der chemischen und pharmazeutischen Industrie Entgelterhöhungen in zwei Schritten sowie Beiträge zur Beschäftigungssicherung vereinbart. Im Kern fließen in diesem Jahr 300 Euro pro Person (pro Azubi 150 Euro) in Beschäftigungssicherung. Zum 1. Januar 2027 folgen eine Entgelterhöhung von 2,1 Prozent sowie weitere 300 Euro pro Kopf zur Beschäftigungssicherung, zum 1. Januar 2028 gibt es eine weitere Entgelterhöhung um 2,4 Prozent. Für die Beschäftigten, deren Betriebe die Entgelterhöhung nicht vorziehen, steigen die Entgelte regulär zum 1. Januar 2027.

Der Tarifabschluss war ein regelrechter Spagat: Auf der einen Seite mussten die Tarifpartner die schwierige wirtschaftliche Lage in der Chemie- und der Pharmabranche berücksichtigen. Viele Betriebe stehen angesichts von hohen Energiepreisen, Transformationslasten und CO2-Bepreisung massiv unter Druck, Tausende Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Auf der anderen Seite standen aber auch reichlich Unternehmen – gerade aus dem Pharmabereich –, denen es gut geht.

IGBCE

Ab Januar: neue Beitragsordnung

Ab dem 1. Januar 2027 gilt bei der IGBCE eine neue Beitragsordnung. Der 8. Ordentliche Gewerkschaftskongress hatte 2025 die entsprechenden Änderungen beschlossen. Die Bemessung der Beiträge wird einfacher, klarer und gerechter. Und: Als Mitglied kannst du deinen Beitrag zukünftig selbst ermitteln, bist aber auch dafür verantwortlich, für die Anpassung zu sorgen.

Konkret ändert sich für dich:

  • Die Beitragstabellen werden abgeschafft. An ihre Stelle tritt der neue Regelbeitrag von einem Prozent auf das durchschnittliche Bruttomonatseinkommen.
  • Rentnerinnen und Rentner zahlen 0,4 Prozent ihrer Bruttorente. Neu ist: Betriebsrenten werden nicht mehr verbeitragt.
  • In bestimmten Lebensphasen mit gemindertem Einkommen, zum Beispiel Elternzeit, Arbeitslosigkeit und Krankheit, wird der hälftige Beitragssatz fällig.

Mitglieder ohne Einkommen beziehungsweise mit einem nicht existenzsichernden Einkommen, etwa im Studium, bei Bezug von Grundsicherung oder während einer Privatinsolvenz, zahlen einen Leistungssicherungsbeitrag. Er beträgt 3,50 Euro und ersetzt den alten Mindestbeitrag.

Für eine satzungsgemäße Beitragszahlung bist du als Mitglied nach wie vor selbst verantwortlich. Sie ist die Voraussetzung, dass du alle Leistungen der IGBCE in vollem Umfang erhältst, etwa Streikgeld oder Rechtsschutz. Du musst jetzt noch nicht tätig werden – die Umstellung beginnt erst ab dem kommenden Jahr. Über die Details informieren wir dich in der Dezemberausgabe von Profil.

Pharma

Standortklausel gefordert

Der Pharmastandort Deutschland soll gestärkt werden.

Foto: Sanofi

Die Gesundheitsreform bringt eine massive Ausweitung des Herstellerabschlags an die Krankenkassen mit sich. Statt bislang sieben soll die Pharmabranche ihnen künftig 15,5 Prozent Rabatt einräumen. Die IGBCE fordert eine sogenannte Standortklausel mit Ausnahmen für Unternehmen, die hierzulande forschen und produzieren. Ein von der Bundesregierung eingesetztes Fachgremium unter dem Vorsitz von IGBCE-Chef Michael Vassiliadis soll prüfen, unter welchen Bedingungen Ausnahmen möglich sind. Ziel ist es, Investitionen, Innovationen, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland zu fördern sowie die Versorgungssicherheit zu stärken. Aktuelle Infos dazu auf igbce.de.

der Beschäftigten in den IGBCE-Branchen gehen laut einer YouGov-Studie im Auftrag von IGBCE, Swiss Life Deutschland und der Branchenlösung ChemieRente davon aus, dass der Transformationsdruck in Zukunft weiter zunimmt. Sie erwarten steigende (54 Prozent) beziehungsweise teilweise steigende (33 Prozent) Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit. Schon heute sind viele Beschäftigte von mentalen oder körperlichen Mehrbelastungen betroffen: 44 Prozent der Befragten gaben an, im letzten Jahr durch den Wandel eine erhöhte physische oder psychische Belastung zu verspüren, auf ein knappes Drittel (29 Prozent) trifft das teilweise zu.

Tarif-Ticker

AVEU

Mitte September hat die gemeinsame Tarifkommission von IGBCE und Verdi dem Modernisierungstarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband der energie- und versorgungswirtschaftlichen Unternehmen e.V. (AVEU) zugestimmt. Dabei wurden wichtige Verbesserungen für die rund 27.000 Beschäftigten in 140 Unternehmen aus der Tarifgruppe Energie/Versorgung/Umwelt vereinbart: unter anderem die schrittweise Einführung der neuen Erfahrungsstufen 5 und 6, die Berufserfahrung zukünftig stärker berücksichtigen. Bei der einvernehmlichen Auszahlung von Zeitguthaben wird zudem ein Zuschlag von 25 Prozent gezahlt. Weitere tarifliche Neuerungen betreffen Sabbaticals, Pflege- und Qualifizierungszeiten sowie flexible Übergänge in den Ruhestand. Mehr Infos unter igbce.de.

Lederwaren-, Kunststoffwaren- und Kofferindustrie

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Lederwaren-, Kunststoffwaren- und Kofferindustrie sind gescheitert. Die IGBCE hatte eine deutliche Steigerung der Vergütungen um sechs Prozent oder einen Tarifvertrag gefordert, der den realen Einkommensverhältnissen in den Firmen Rimowa, bwh Hörstel und Parat entspricht. „Die Arbeitgeber waren nicht bereit, grundsätzliche Kriterien für einen Abschluss zu akzeptieren. Wir werden jetzt versuchen, mit den Unternehmen Haustarifverträge abzuschließen“, betonte IGBCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn.