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Kiel

Klarheit gefordert

Konkrete Maßnahmen für den Standort forderten IGBCE und Arbeitgeber beim Schleswig-Holsteinischen Chemiegipfel mit Ministerpräsident Daniel Günther (5. v. l.) und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (2. v. r.) im September in Kiel.

Foto: Staatskanzlei Schleswig-Holstein

Serie: Ausbildung im Norden / Grömitz

Vernetzen an der Ostsee

Gewerkschaft erleben – weit entfernt vom Arbeitsalltag.

Foto: Betriebsrat KVP

Gemeinsame Grillabende, Besuch im Kletterpark und viel Spaß: Seit 15 Jahren lädt die Ortsgruppe Kiel die Auszubildenden der Pharma-Unternehmen KVP und Ferring zu einem Azubi-Wochenende im IGBCE-Jugenddorf am Lensterstrand ein. Anfang September konnten sich die rund dreißig Jugendlichen aller Ausbildungsjahrgänge und ihre Ausbilderinnen und Ausbilder weit entfernt von ihrem Arbeitsalltag kennenlernen und ins Gespräch gekommen. Diese Vernetzung helfe, den Zusammenhalt unter den Azubis zu stärken, sagt Mirko Voß von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der KVP.

Der stellvertretende KVP-Betriebsrat Thorsten Dohse sieht in dem Wochenende „eine gute und zwanglose Möglichkeit, die Gewerkschaftsarbeit bekannt zu machen. Dass die Ausbilder auch dabei sind, signalisiert: Wir haben dieselben Interessen.“ Einige Ausbilder seien in ihrer eigenen Ausbildungszeit selbst dabei gewesen und überzeugte Gewerkschaftsmitglieder geworden, die heute für eine Mitgliedschaft werben.

Inspiriert durch die positiven Erfahrungen der Azubi-Wochenenden veranstaltet die KVP seit drei Jahren auch ihr Onboarding zum Ausbildungsstart im IGBCE-Jugenddorf. „Betriebsrat und Personalabteilung haben dieses Format entwickelt, um die Jugendlichen vom ersten Tag an abzuholen und an das Unternehmen zu binden“, erläutert Thorsten Dohse.

Westerstede

Erste Hilfe für die Psyche

Sie sind für ihre Kolleginnen und Kollegen da – nach Arbeitsunfällen, in privaten Ausnahmesituationen oder wenn sie einfach nicht mehr weiterwissen: Beim Netzbetreiber Tennet unterstützen 25 Ersthelferinnen und Ersthelfer für psychische Gesundheit, offiziell Mental Health First Aider (MHFA), als erste Kontaktpersonen in psychischen Krisen.

Nach einem akuten Vorfall vor zwei Jahren, bei dem die psychische Betreuung eines Mitarbeiters notwendig wurde, entschloss sich der Arbeitgeber, ein entsprechendes Angebot aufzubauen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat wurden eine betriebliche Regelung und ein entsprechendes Konzept erarbeitet.

„Die Ersthelfer bieten bei akuten Vorfällen aktiv Hilfe an“, erläutert Olaf Förster, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeitssicherheit. „Sie sind aber auch ansprechbar für Kolleginnen und Kollegen, die mit psychischen Schwierigkeiten im Arbeitsumfeld oder im privaten Umfeld zu kämpfen haben.“ Ihre Aufgabe ist es, Warnsignale zu erkennen, angemessen zu reagieren und professionelle Hilfe anzuregen. „Sie beraten nicht selbst, sondern vermitteln an Fachstellen, mit denen das Unternehmen kooperiert. Dort erhalten Betroffene zeitnah professionelle Unterstützung.“

Eine der 25 Ersthelferinnen und Ersthelfer ist Jessica Rudeck, betriebliche Gesundheitsmanagerin und Betriebsrätin. Eine externe Schulung bereitete sie und ihr Team auf ihre Aufgaben vor. „Wir reagieren mit dem Programm auf die gesamtgesellschaftliche Zunahme psychischer Erkrankungen“, sagt sie. Darüber hinaus leiste das Unternehmen einen Beitrag zur langfristigen Sicherung seiner Fachkräfte. „Wir möchten unsere Kolleginnen und Kollegen lange im Unternehmen behalten.“

Ibbenbüren

Angus Chemie: Mitbestimmung wirkt

Foto: privat

Die Belegschaft der Angus Chemie hat die Nase voll: „Trotz Duschen und frischer Kleidung: Wenn die Produktionskolleginnen und -kollegen nach Hause kommen, riechen sie nach Fisch“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende des Spezialchemieunternehmens, Frank Schenke. Der bei der Produktion von Aminoalkoholen entstehende fischige Geruch setze sich nicht nur in der Arbeits-, sondern auch in der Privatkleidung fest. Grund dafür ist die fehlende Trennung der sauberen von den kontaminierten Arbeitsbereichen in den alten Umkleidecontainern, wie es die Arbeitsstättenverordnung vorsieht. Doch die Geschäftsführung weigerte sich, Abhilfe zu schaffen – bis der Betriebsrat Druck machte: Das Gremium informierte die Arbeitsschutzaufsicht, das seine Einschätzung bestätigte und der Geschäftsführung eine Frist setzte. Nun ging plötzlich alles ganz schnell: Die Geschäftsführung lenkte ein und gab den Neubau eines kompletten Sanitärgebäudes in Auftrag, die Fertigstellung ist für Beginn 2027 geplant. „Wir freuen uns, dass wir als Betriebsrat dieses wichtige Projekt umsetzen konnten“, sagt Schenke. Bei den Betriebsratswahlen zeigten die Kolleginnen und Kollegen ihre Anerkennung – das Gremium wurde mit überragender Mehrheit im Amt bestätigt.

Lingen

Brennstäbe genehmigt

Niedersachsen hat den Bau von Brennelementen für Kernkraftwerke russischer Bauart in der Brennelementefabrik ­Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer ­Framatome-Tochter, unter hohen Auflagen genehmigt. „Dies sichert 420 Industriearbeitsplätze und baut perspektivisch weitere auf“, kommentiert Ibbenbürens Bezirksleiter Philipp Hering. „In Zeiten zunehmenden Abbaus von Industriearbeitsplätzen ist dies ein wichtiges Signal.“ ANF liefert Brennelemente für alle Reaktordesigns für Kunden weltweit sowie Komponenten und Brennstoff für Brennelementfertigungen der ­Framatome in den USA und Europa.

Bad Münder

Industriearbeit in Gefahr

Transformation nicht auf Kosten der Betriebe: Politik, Gewerkschaft und Unternehmen im Gespräch.

Foto: IGBCE

Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) warnte auf dem IGBCE-Dis­kus­sions­abend „Industriearbeit im Weserbergland“: „Wir können die Transformation nicht auf Kosten der Betriebe machen.“ Bei der Veranstaltung in Bad Münder Anfang August diskutierten Politik, Gewerkschaft und Unternehmen über Energiepreise, Arbeitsplatzverluste und die Zukunft der Region.


Nord

DGB-Aktionstag: Darum mache ich mit!

Foto: Daniel Bödeker

Ich bin gegen die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. Seit vierzig Jahren erlebe ich, dass immer weniger Kollegen dieselbe Arbeit leisten und häufiger einspringen müssen. Eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes würde das weiter verschärfen: weniger Erholung, weniger Zeit für die Familie.

Wolfgang Klauenberg,
Instandhaltung
Sudarshan Langelsheim

Foto: IGBCE

Eine gesetzliche Krankschreibungspflicht ab dem ersten Krankheitstag ist völlig absurd. Schon heute entscheidet jeder Arbeitgeber selbst darüber, ab wann er eine Krankmeldung verlangt. Das Vorhaben unterstellt Beschäftigten pauschal, sie würden nur „blaumachen“.

Janet Noia,
Laborantin und Vertrauensfrau
Aurubis

Foto: privat

Die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren wäre eine schallende Ohrfeige für langjährig Beschäftigte, die sich freiwillig in Sozialplanverträgen mit Vorruhestandsmodellen befinden. Sie machten freiwillig Platz für Jüngere, nun drohen ihnen Abschläge.

Stefan Möller,
Ortsgruppe Lingen,
Versichertenältester Deutsche
Rentenversicherung