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Vor Ort: Nordrhein-Westfalen

Haltern am See

Über das Werkstor hinaus

Gemeinsam Lösungen finden: Darum ging es beim industriepolitischen Symposium.

Foto: Jonas Knaab

Stellenabbau, fehlender Nachwuchs, Transformationsdruck: Was die Industrie in Nordrhein-Westfalen beschäftigt, zeigt sich ganz konkret in den Betrieben. Beim industriepolitischen Symposium der IGBCE NRW in Haltern am See ging es deshalb nicht nur um große industriepolitische Fragen, sondern vor allem darum, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Alexandra Guist ist nach Haltern am See gekommen, um die Interessen der Beschäftigten ihres Betriebs zu vertreten. Die 27-Jährige arbeitet bei Evonik an der Goldschmidtstraße in Essen als Teamassistentin eines globalen Teams. Beim Symposium geht ihr Blick aber bewusst über den eigenen Standort hinaus. Sie will wissen, welche Herausforderungen andere Betriebe beschäftigen und wie die Kolleginnen und Kollegen dort damit umgehen. Denn vieles, was unter dem großen Begriff Transformation diskutiert wird, erlebt Alexandra Guist längst im Arbeitsalltag. Sie berichtet von Stellenabbau und Stellenkürzungen, davon, dass externe Einstellungen ausbleiben und Aufgaben auf weniger Köpfe verteilt werden müssen. Gleichzeitig werde es schwieriger, Auszubildende zu finden und ihnen langfristige Perspektiven im Unternehmen zu bieten.

„Der Austausch auf Plattformen wie diesen ist superwichtig, um einfach auch mal zu sehen, dass andere die gleichen Probleme haben“, sagt sie. Vor allem gehe es darum, Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, die bereits Lösungen gefunden haben, „die wir dann auch mitnehmen können und mit denen wir bei uns im Betrieb arbeiten können“.

„NRW ist Industrieland, und das soll auch so bleiben“, macht Landesbezirksleiter Thomas Meiers klar.

Foto: Jonas Knaab

Industrie endet nicht am Werkstor

Damit ist Alexandra Guist mitten in der zentralen Frage des Symposiums: Wie kann Nordrhein-Westfalen seine industrielle Stärke in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen erhalten? Die Antwort darauf reicht über einzelne Unternehmen hinaus. Denn die Industrie in NRW lebt von ihren Verbindungen. Betriebe sind über Wertschöpfungsketten, Energieversorgung, Infrastruktur und Stoffströme eng miteinander verflochten. Diese Verbundstrukturen gehören zu den großen Standortvorteilen des Landes.

„NRW ist Industrieland, und das soll auch so bleiben“, sagt Thomas Meiers, Landesbezirksleiter der IGBCE NRW. „Dafür müssen wir unsere Industriestandorte und regionalen Verbundstrukturen zukunftsfest machen. Transformation gelingt aber nur mit den Beschäftigten und mit starker Mitbestimmung.“

Bei dem Symposium treffen deshalb Erfahrungen aus den Betrieben auf Expertise aus Wissenschaft und Praxis. Prof. Dr. George Deerberg vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik richtet den Blick auf Kreislaufwirtschaft und innovative Ressourcennutzung. Dr. Regina Weber von der Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE und Dr. Ron Brinitzer von Kunststoffland NRW diskutieren da­rü­ber, wie Industriestrukturen in den Regionen gestärkt werden können.

Doch der Austausch findet nicht nur auf der Bühne statt. In den Pausen, beim gemeinsamen Essen und in den Workshops werden Erfahrungen verglichen, Kontakte geknüpft und Ideen weitergegeben.

Transformation konkret machen

In den Workshops wird die Debatte konkreter. Es geht um betriebsübergreifende Zusammenarbeit, Kreislaufwirtschaft und die Frage, welchen Beitrag Mitbestimmung zur Sicherung von Standorten leisten kann.

Dr. Peter Jahns, Geschäftsleiter der Effizienz-Agentur NRW, verbindet dabei ökologische Transformation mit industrieller Wertschöpfung. „Es geht darum, wie wir ökologischer produzieren, den Standort in NRW stärken und Arbeitsplätze und Wertschöpfung sichern können.“

Für Alexandra Guist führt die Diskussion schnell zurück zu den konkreten Fragen in ihrem Betrieb. Bei Stellenabbau, Ausbildung und Beschäftigungssicherung sieht sie die Mitbestimmung in einer Schlüsselrolle. Sie ist der Meinung, Vereinbarungen und Verhandlungen mit dem Arbeitgeber könnten dazu beitragen, Arbeitsplätze zu erhalten, Ausbildung zu stärken und jungen Menschen nach ihrem Abschluss eine Perspektive im Unternehmen zu geben.

Der eigentliche Austausch fand in den Pausen, beim gemeinsamen Essen und in den Workshops statt.

Foto: Jonas Knaab

Foto: Jonas Knaab

Gut vernetzt für starke Standorte

Für Sophia Schönborn (kleines Foto), stellvertretende Landesbezirksleiterin der IGBCE NRW, hat sich in Haltern vor allem bestätigt, wie wichtig der Blick über einzelne Standorte hinaus ist. Schönborn ist der Ansicht, dass die Potenziale von Betrieben und Regionen stärker zusammengedacht und für die Transformation genutzt werden müssen.

Eine besondere Rolle komme dabei den Betriebsräten zu. Sie seien gut vernetzt und wichtige Botschafterinnen und Botschafter für ihre Standorte und für gute Arbeit – auch gegenüber Kommunalpolitik und Nachbarschaft. „Wir wollen nicht nur über Transformation sprechen, sondern konkrete Ideen entwickeln, die unsere Kollegen mit in ihre Betriebe und Regionen nehmen können“, bilanziert ­Schönborn.

Recklinghausen

Vom Austausch in die Praxis

Beim VL.Compass im Bezirk Recklinghausen entwickelten Vertrauensleute konkrete Vorhaben für ihre Betriebe. Themen waren vor allem eine bessere Kommunikation und betriebliche Aktionen. „Entscheidend ist, was daraus im Betrieb entsteht“, sagt Verena Gärtner, Bezirksleiterin Recklinghausen. „Unsere Vertrauensleute haben viele Ideen mitgenommen und richtig Lust, sie jetzt gemeinsam umzusetzen.“

Niederrhein

Premiere auf dem Feierabendmarkt

Die Ortsgruppe Linker Niederrhein war erstmals beim Feierabendmarkt in Issum dabei. Bei Popcorn, Kaffee und Glücksrad kamen die Aktiven mit Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Mit Erfolg: Die Ortsgruppenmitglieder konnten neue Mitglieder und Interessierte für die Mitarbeit gewinnen. „Wir wollen als IGBCE dort sichtbar sein, wo die Menschen zusammenkommen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Marion Bellmann.

Gelsenkirchen

DMT: Mitgliederwerbung

„Bist du drin, hast du’s raus“: Unter diesem Motto warb die IGBCE bei der DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung in Bochum um neue Mitglieder. Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive suchten dafür das Gespräch mit den Beschäftigten. „Wieder einmal hat sich gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch im Betrieb ist“, sagt Gewerkschaftssekretär Frank Griesdorn. „Wir freuen uns über das große Interesse.“