Sanofi investiert Milliarden
Entscheidung für die Zukunft des Industrieparks Höchst: Der Pharmakonzern Sanofi baut dort eine neue Insulinproduktion auf.
Ausgangspunkt für die gentechnische Insulinproduktion ist das Bakterium Escherichia coli (E. coli). Die Bakterien werden in sogenannten Fermentern gefüttert und vermehrt – hier in einer der bestehenden Anlagen.
Foto: Sanofi
Erleichterung in Frankfurt-Höchst: Am 8. September gab die EU-Kommission ihr Okay für rund 400 Millionen Euro Investitionshilfe, die der Pharmakonzern Sanofi vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt für sein neues Insulinwerk erhält. Damit ist der Weg frei für die Investition von schätzungsweise zwei Milliarden Euro an einem der bedeutendsten Chemie- und Pharmastandorte in Deutschland, einem Standort, der eine lange gewerkschaftliche Tradition hat.
Die neue, rund 36.000 Quadratmeter große Fabrik zur Wirkstoffproduktion soll langfristig die derzeitigen, wesentlich älteren Anlagen ersetzen. In der neuen Anlage will Sanofi künftig mindestens 1,1 Tonnen Insulin pro Jahr herstellen. Erhalten bleiben soll die moderne Anlage zur Abfüllung von Insulin unter anderem in sogenannte Pens für Diabetikerinnen und Diabetiker, die derzeit schon in Betrieb ist.
Auf die Freigabe durch die EU-Kommission haben die Beschäftigten lange gewartet. „Der Gesamtbetriebsrat von Sanofi freut sich sehr über den Startschuss für die neue Insulinanlage in Höchst“, sagt dessen Vorsitzende Marion Palme. „Das sichert die Zukunft von Sanofi in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte und trägt zur Stabilität des gesamten Industrieparks bei. Es ist gut für Europa, dass hier, wo die Erfahrung und das Know-how sind, auch weiterhin lebensnotwendige Insuline für die ganze Welt hergestellt werden.“
Foto: Nicole Strasser
Die Entscheidung trägt zur Stabilität des gesamten Industrieparks bei.
Marion Palme,
Gesamtbetriebsratsvorsitzende Sanofi
Für das Projekt eingesetzt hatte sich der hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori. „Damit halten wir eine strategisch wichtige Wertschöpfungskette in Hessen, stärken die Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa und geben hoch qualifizierten Beschäftigten am Standort eine langfristige Perspektive“, kommentierte er die Nachricht aus Brüssel.
Die Freigabe der Investitionshilfe durch die EU-Kommission ist vorgeschrieben, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Dass die Förderungen genehmigt wurden, liegt auch an der besonderen Bedeutung des Standorts für die Versorgung von Diabetikerinnen und Diabetikern in Europa. So geht es der EU auch darum, die Abhängigkeit von Importen zu verringern.
Bereits 1923 begann in Höchst die Produktion von Insulin, gerade einmal zwei Jahre nach der Entdeckung des Hormons. Das neue Arzneimittel rettete seitdem Millionen Diabetikerinnen und Diabetiker vor einem frühen Tod. In den Anfangsjahren wurde Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Tieren gewonnen. Inzwischen produzieren es gentechnisch veränderte Bakterien.