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Dresden

Klare Worte an die Ministerin

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas besuchte eine Mitbestimmungskonferenz der IGBCE in Dresden.

Foto: Nando Körner / IGBCE

Hoher Besuch aus der Politik: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas stellte sich Anfang September im Rahmen einer Mitbestimmungskonferenz der Diskussion mit rund 145 Betriebsrätinnen und -räten der IGBCE in Sachsen. Und diese hatten ihr Einiges zu sagen: Die Aktiven der IGBCE, die erst jüngst in die Betriebsräte (wieder)gewählt worden waren, wiesen auf die dramatische Lage der Industrie hin. Sie forderten eine aktive Industriepolitik, mehr Schutz vor unfairem Handel – und nicht zuletzt ein Ende unsinniger Sozialstaatsdebatten.

Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IGBCE Sachsen, machte die Ministerin auf den dramatischen Arbeitsplatzabbau in den Betrieben im Bereich der IGBCE Sachsen aufmerksam. „Seit 2023 haben wir 3.600 Arbeitsplätze verloren, das sind knapp zehn Prozent“, sagt er, „das haben wir so noch nicht erlebt.“ Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IGBCE Nordost, kritisierte die Bundesregierung scharf. Von allen Seiten seien Arbeitsplätze und Beschäftigte unter Druck, „aber Rückendeckung von der Bundesregierung, insbesondere vom Kanzler – Fehlanzeige!“, erklärte sie und forderte von der Bundesregierung ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Industriestandorts ein. „So geht es nicht weiter.“

Standort verfällt

Wortbeiträge zeigten, an wie vielen Ecken es in der Industrie derzeit brennt: Schließungen, Abwanderungen, Konkurse, unfaire Konkurrenz mit Dumpingpreisen aus Asien – und eine unzureichende Antwort der Politik. Beispiel Energiestrompreis: Der komme zwar jetzt, „aber da ist noch Luft nach oben beziehungsweise beim Preis nach unten“, erklärt Patrick Brückner, Betriebsratsvorsitzender bei Dow Chemical im Werk Böhlen. „Der Industriestandort verfällt langsam“, sagt er.

Die Krise verunsichert auch die Jugend, erklärte Ian Seth Winkler, Jugendvertreter bei Global Foundries. Selbst in der Boombranche der Halbleiterindustrie schauten die Fachkräfte von morgen mit Entsetzen auf die Krise der In­dus­trie um sich herum und fragten sich, ob sie „woanders grünere Wiesen“ fänden.

Frust über Sozialdebatte

Tief sitzt der Frust bei den Beschäftigten über die Sozialstaatsdebatte, erklärte Alexander Grube, Betriebsratsvorsitzender von Goodyear in Riesa. „Die Menschen stehen morgens auf, arbeiten im Schichtsystem, leisten Mehrarbeit – und gleichzeitig müssen sie sich anhören, dass sie mehr arbeiten müssen.“ Das, so der Betriebsrat, „kommt bei den Beschäftigten als Vorwurf an“.

Ministerin Bas betont, in der Sozialstaatsdebatte stamme „die Rhetorik nicht von mir“. Sie halte einen starken Sozialstaat für unerlässlich, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Es gehe darum, den Industriestandort wieder aus der Defensive zu bringen, und dazu brauche Deutschland „eine aktive Industriepolitik“. Die Ministerin sprach sich für einen besseren Handelsschutz aus, um sich gegen unfaire Praktiken etwa aus China zu wehren. Deutschland müsse bei künstlicher Intelligenz vor die Welle kommen. „Ich möchte nicht, dass ein amerikanischer Tech-Milliardär oder die Kommunistische Partei in China entscheiden, wie wir in Zukunft arbeiten.“

Insgesamt: positive Bilanz

IGBCE-Bezirksleiter Philipp Zirzow zieht eine positive Bilanz der Mitbestimmungskonferenz. „Wir haben eine ernste Debatte erlebt. Keine mit Schaum vor dem Mund, aber doch mit deutlich gesprochenen Worten von unseren Betriebsrätinnen und Betriebsräten aus ganz Sachsen.“

Lausitz

Revier braucht Verlässlichkeit

Fand klare Worte bei der Lausitzkonferenz: Landesbezirksleiterin Albrecht-Suliak.

Foto: Christiane Schleifenbaum

Die IGBCE fordert Verlässlichkeit beim Kohleausstieg. Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IGBCE Nordost, kritisierte bei der Lausitzkonferenz des DGB-Projekts Revierwende die Verantwortlichen in Berlin.

„Leider ist nun auch der zweite Checkpointbericht der Bundesregierung zur Überprüfung des Kohleausstieges nach dem Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) überfällig“, sagte sie in einer Diskussion mit Vertretern der Länder Sachsen und Brandenburg sowie des Bundeswirtschaftsministeriums. Solche regelmäßigen Überprüfungen habe der Gesetzgeber aber vorgesehen, um die Umsetzung des Kohlekompromisses zu bewerten und verantwortungsvoll fortzuführen. „Ich erwarte die Erfüllung dieses Überprüfungsauftrages, damit der gemeinsame Rahmen für Beschäftigte, Unternehmen und Regionen dauerhaft tragfähig sein kann“, sagte Albrecht-Suliak. Die Region und ihre Menschen brauchten verlässliche Rahmenbedingungen, „damit Vertrauen in die Politik erhalten bleibt und gute Industriearbeit in den Revieren entsteht“.

Berlin

Strom-Gesetz: Druck zeigt Wirkung

Der Einsatz der IGBCE für die Änderungen am Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) war erfolgreich. „In seiner geänderten Form garantiert das Gesetz, dass der Zubau von Kraftwerken in allen Regionen stattfindet“, sagte Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin der IGBCE Nordost. „Ostdeutschland behält Perspektiven und Energiesicherheit im Kohleausstieg und Strukturwandel.“

Der ursprüngliche Entwurf sah einen Südbonus vor, mit dem der Bau neuer Gaskraftwerke im Süden Deutschlands bevorzugt worden wäre. Die IGBCE hatte zusammen mit Belegschaften und Unternehmen der Energiewirtschaft für eine geänderte Fassung Druck auf die Politik ausgeübt und so letztlich den Weg für neue wasserstofffähige Gaskraftwerke auch im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier frei gemacht.

Nordost

Personalie

Foto: privat

Tilo Podstarny-Scharf (33) verstärkt im November und Dezember im Rahmen seiner Trainee-Ausbildung zum Gewerkschaftssekretär das Team des Landesbezirks Nordost. Die Region Ostdeutschland ist für ihn nicht unbekannt: Bereits im Mai lernte er als Trainee den Bezirk Sachsen-Anhalt und die dortigen Betriebe und Aktiven kennen. Der 33-Jährige hat in Frankfurt Politik und Soziologie studiert. Bereits in seiner Jugend stieß er zur IGBCE und war Jugend- und Auszubildendenvertreter.

Tarifmeldungen

Grobkeramik – Mammut Wetro:
insgesamt + 180 Euro, + 30 Euro für Auszubildende, bis zu 400 Euro Jahresleistung, bis zu 250 Euro für Auszubildende, auf 24 Monate.

Energie – BTB:
insgesamt + 6 Prozent, + 150 Euro für Auszubildende, Urlaubsgeld von 35 Euro pro Urlaubstag, auf 24 Monate.

Kunststoff – Deventer:
+ 3 Prozent, Mitgliederbonus + 20 Euro Sachbezugskarte.

Dienstleister – ISS Energy Services:
insgesamt + 6 Prozent, insgesamt + 2,7 Prozent und + 200 Euro für Auszubildende, auf 24 Monate.

Glas I – Guardian Flachglas:
insgesamt + 6,5 Prozent, auf 24 Monate.

Glas II – AGC Interpane Safety Glass:
insgesamt + 5 Prozent, auch für Auszubildende, 500 Euro Urlaubsgeld, verschiedene weitere Prämien, auf 18 Monate.

Umwelt/Entsorgung – Saxonia Galvanik:
mindestens + 200 Euro, auf 25 Monate.