Menschen & Gemeinschaft

Betriebsausflug

Video: Gips, Kunst und Wein – die IGBCE-Ortsgruppe entdeckt das Knauf-Museum und Iphofen.

Sachen gips!

Text Gerd Schild – Fotos Moritz Küstner

Im Knauf-Musem im fränkischen Iphofen geht man mit Gips-Repliken auf Weltreise durch die antike Kunst. Das Material ist ein Arbeitsplatzgarant für die Region. Und es macht ganz nebenbei auch den fränkischen Wein besser.

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Museumsführerin Marianne Greif zeigt der IGBCE-Ortsgruppe einen der Schätze des Knauf-Museums: die Gips-Replik eines irischen Kreuzes.

Am Wein kommt man in Iphofen nicht vorbei. Rund zwanzig Winzereien gibt es hier in der fränkischen Stadt, an den meisten Häusern und auf den Hängen um den Ort herum wachsen Reben. Marianne Greif steht vor einem beeindruckenden Relief im ersten Stock des Knauf-Museums. Das Wandbild zeigt, natürlich, Menschen beim Keltern der Weintrauben. Das Original schmückt das Grab des Mereruka, der 2.300 vor Christus ein hoher Regierungsbeamter unter dem Pharao Teti war. „Die Ägypter schafften es, auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen Wein anzubauen“, sagt die Museumsführerin.

Das Relief aus der Grabkammer steht bis heute in Sakkara in Ägypten, in Stein gehauen. Die Replik ist aus Gips und gehört zu den mehr als 200 Exponaten der Sammlung im Knauf-Museum, das der gleichnamigen Unternehmerfamilie gehört. Wer schon mal ein Haus neu gebaut oder renoviert hat, hat dabei wahrscheinlich Produkte von Knauf in der Hand gehabt. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Baustoffen für den Innenausbau und die Dämmung von Gebäuden. Gegründet 1932 an der Mosel, zog man 1939 nach Iphofen in Nordbayern. Der größte Arbeitgeber der Region beschäftigt am Standort Iphofen aktuell rund 2.400 Menschen.

Die Ortsgruppe der IGBCE in Iphofen besteht ausschließlich aus Knauf-Mitarbeitenden. Ein Teil der Gruppe schlendert an einem sonnigen Augusttag mit Marianne Greif durchs Museum. Sie findet oft Bezüge zur Gewerkschaft, spricht über die Arbeitsbedingungen der Arbeiter im alten Ägypten. „Auch dank der Gewerkschaften hat sich das heute deutlich verbessert“, sagt sie und lacht. Auch Stefan Schwarz, Vorsitzender des Betriebsrates von Knauf, ist bei der Runde dabei. Kürzlich hat er noch den IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis mit durchs Werk geführt, mit ihm über hohe Energiepreise, die geopolitische Lage und Bürokratie gesprochen. Auch Museumsführerin Marianne Greif sind die Themen von Knauf und der Gewerkschaft nicht fern, schließlich ist sie bis heute bei dem Unternehmen angestellt und weiter IGBCE-Mitglied.

„Wein, Gips und Holz sind Iphofens Stolz“ lautet ein lokales Sprichwort. Aber auch die mittelalterliche Stadtmauer mit ihren Toren kann sich sehen lassen. Bei der Winzerei Hans Wirsching lagern die Schätze dagegen unter der Erde.

Ein Haus voller Kopien – mit großem Wert

Das Knauf-Museum ist kein Museum, in dem es um die Unternehmensgeschichte geht. Der Gipsfabrikant Alfons Knauf besuchte mit seinem Bruder Karl viele Jahre lang die wichtigsten Museen der Welt und sammelte bedeutende Gipsabgüsse in Reliefform. Ein Iphöfer Barockbau direkt am Marktplatz, erbaut 1688, ließ er zu Ausstellungsräumen umbauen.

Seit der Eröffnung 1983 ist das Knauf-Museum die Heimat für eine der weltweit renommiertesten Reliefsammlungen der großen antiken Kulturepochen. Kopien der Gesetzestexte von Hammurabi, König von Babylon, auf der berühmten Stele aus dem Jahr 1795 vor Christus („Auge um Auge, Zahn um Zahn“) finden sich hier genauso wie der Zug der Tributbringer, ein mehrere Meter breites Relief aus Persepolis im heutigen Iran. Viele Originale, die im Knauf-Museum als Nachbildung zu sehen sind, kann man heute kaum besuchen, weil es etwa in Afghanistan, im Irak oder im Iran schlicht zu gefährlich ist.

Markus Mergenthaler ist 1997 zum Museum gekommen, seit 2000 leitet er das Haus. Die Stücke aus der Sammlung werden jedes Jahr durch spannende Sonderausstellungen ergänzt – in diesem Jahr geht es um die Kulturgeschichte der Handtasche. Das Museum hat aber auch eine Rolle als Ort der Konservation. „Der Zahn der Zeit nagt im Wortsinn an vielen Originalen“, sagt Mergenthaler. Und so hat man etwa nach einer alten Gipskopie aus Iphofen ein berühmtes Steinkreuz in Irland erneuert. „Wir haben hier immer den Ist-Zustand vom Tag des Kopierens“, sagt Mergenthaler – während die Originale den Einflüssen von Mensch und Natur ausgesetzt sind.

Geschichtsbegeistert: Marianne Greif ordnet die Bedeutung der Ausstellungsstücke ein.

Kriegsverlust: der originalgetreue Abdruck der Humboldt-Scheibe mit Relief des Sonnengottes Tonatiuh.

Auge um Auge, Zahn um Zahn: Kopien der Gesetzestexte von Hammurabi, König von Babylon.

Historisch: Ägyptische Hieroglyphen gehören zu den zahlreichen Reliefs im Knauf-Museum Iphofen.

Liegendes Nilpferd: Typisch sind die aufgemalten Wasserpflanzen, die auf den Lebensraum verweisen.

„Expedition ins Goldland Punt“: Das Relief zeigt eine Handelsreise unter Pharaonin Hatschepsut um 1475 v. Chr.

Weltlich und göttlich: persischer Gardist und der falkenköpfige Gott Horus.

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Abdrücke von der Osterinsel

Und manche Stücke gibt es einfach nicht mehr. So wie das Artefakt aus Mergenthalers Lieblingsgeschichte: Im Hilton Hotel in Khartum im Sudan traf er im Jahr 2002 bei einer Reise für das Museum auf die damals fast hundertjährige Regisseurin Leni Riefenstahl. Sie erzählte Mergenthaler, dass sie in den 1930er-Jahren im damaligen Völkerkundemuseum in Berlin mit dem frisch erfundenen Farbfilm Fotos der Humboldt-Scheibe gemacht hatte. Die Grünsteinscheibe mit dem Relief des aztekischen Sonnengottes Tonatiuh gilt heute als Kriegsverlust, den genauen Farbton kannte man nicht. Jetzt ist die Gipskopie mit einer farblichen Annäherung an das Original in Iphofen zu sehen.

Mergenthaler erzählt von Reisen auf die Osterinsel, auf der man die riesigen Steinfiguren, die Moais, mit Gips bestrichen hat, um davon Abdrücke zu machen. „Der Gips für solche Abdrücke muss cremig sein wie Sahne.“ Herbert Friederich ist Gipsexperte im Ruhestand, arbeitete 47 Jahre bei Knauf im Labor und erklärt beim Rundgang durchs Museum, dass man mit Zusatzstoffen Gips für jede Anwendung fertigen kann. „Die genaue Rezeptur ist natürlich geheim“, sagt der Mann mit Weste und Hut.

Der Zahn der Zeit nagt an vielen Originalen.

Thomas Mergenthaler,
Museumsleiter

Der Gips formt den Wein der Region

„Wein, Gips und Holz sind Iphofens Stolz“, sagt Klaus Moik. Der stellvertretende Vorsitzende der Ortsgruppe hat für die Teilnehmenden des Museumsausflugs noch ein kleines Extra organisiert. Nur zwei Gehminuten vom Knauf-Museum entfernt liegt die größte Winzerei des Ortes. Seit 1630 wird hier auf dem Weingut Hans Wirsching fränkischer Wein angebaut – mittlerweile in 14. Generation. Die Produkte gehen von hier in alle Welt, auch in der First Class von Lufthansa oder British Airways trinkt man Weine aus Iphofen.

In der historischen Winzerei gibt Vertriebsleiter Georg Grün der Ortsgruppe eine kleine Verkostung, schenkt dabei etwa einen 2022er-Riesling vom Julius-Echter-Berg aus einer der bauchigen Bocksbeutel-Flaschen ein. Danach folgt ein Silvaner, die Rebsorte macht fast die Hälfte des Weines aus, den die Winzerei auf ihren rund hundert Hektar Fläche in und um Iphofen anbaut und mit dem sie in guten Jahren bis zu einer Million Flaschen befüllt.

Zum Thema Gips kommt man selbst bei einer Weinprobe, denn auch unter den Rebstöcken der Region liegt das weiße Gold. Gipsexperte Herbert Friederich: „Der Gips aus den Weinbergen ist der Fasergips, der nicht in den Knauf-Produktionsstätten verarbeitet wird“, sagt er. Die Winzer schätzen das Material im Boden dagegen sehr. „Der Gips bringt Mineralität“, sagt Weinexperte Georg Grün. Er sorge dafür, dass etwa der Silvaner weniger Säure entwickele. Dem Wein in der bauchigen Flasche hat der Gips gutgetan, da ist sich die Ortsgruppe mit dem Weinexperten einig.

Guide: Iphofen

Stadtmauer und Rödelseer Tor
Weitere Information unter der Karte.

Iphöfer Weinentdeckerrunde
Weitere Information unter der Karte.

Hotelempfehlung
Gasthof Weißes Ross
Maxstraße 26, 97346 Iphofen
DZ ab 150 Euro
weisses-ross-iphofen.de

Hotelempfehlung
Romantik Hotel Zehntkeller
Bahnhofstraße 12, 97346 Iphofen
DZ ab 164 Euro
zehntkeller.de

Gastronomie
Vinothek Iphofen
Kirchplatz 7, 97346 Iphofen
Weine aus dem Ort und fränkische
Kleinigkeiten auf dem Teller
vinothekiphofen.de

Gasthof & Hotel
Goldene Krone
Marktplatz 2, 97346 Iphofen
Urig und lecker
gasthof-krone-iphofen.de

Knauf-Museum
Am Marktplatz
97346 Iphofen
dienstags bis samstags 10–17 Uhr, sonntags 11–17 Uhr; Winterpause ab 9. November; Eintritt 5 Euro, Kinder 3 Euro
www.knauf-museum.de

Stadtmauer und Rödelseer Tor
Das Rödelseer Tor ist das wohl schönste der drei heute noch bestehenden Stadttore und gehört zur gut erhaltenen Stadtmauer Iphofens. Das Tor mit dem roten Fachwerk und vielen Verzierungen, im 15. Jahrhundert erbaut, gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Iphöfer Weinentdeckerrunde
Das fränkische Kulturgut Wein lässt sich erwandern. Auf dieser rund sechs Kilometer langen Route kommt man etwa am Terroir-f-Aussichtspunkt Iphofen vorbei und lernt viel auf dem Rebsorten-Lehrpfad. Die Mühe des Anstiegs wird mit einem Blick über den Julius-Echter-Berg bis ins Fränkische Weinland belohnt.
www.iphofen.de/wein/weinwanderung