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Vor Ort: Nordost
Berlin
Zukunft geht nicht ohne Jugend
Der neu gegründete Steuerungskreis für die Ausbildungsinitiative.
Foto: IGBCE
Die IGBCE Nordost und der Arbeitgeberverband Nordostchemie haben Ende April eine gemeinsame Ausbildungsinitiative gestartet. Ziel ist es, den Abbau von Ausbildungsplätzen zu stoppen und wieder mehr Ausbildung möglich zu machen. „Gewerkschaft und Arbeitgeber haben großes Interesse daran, dass unsere stark unter Druck geratene Branche in der aktuellen Krisensituation nicht auch noch an dem Ast sägt, auf dem sie sitzt“, sagt Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak. „Ohne Fachkräfte hat die Branche keine Zukunft.“ Die gemeinsame Initiative war im Rahmen der Chemie-Tarifverhandlungen Anfang des Jahres vereinbart worden.
Die Zahlen rund um die Ausbildungssituation in der ostdeutschen Chemieindustrie haben sich im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist auf einem historischen Tief angekommen. 2025 gab es fast 300 Angebote weniger als noch 2024. Der Tiefpunkt von 2018, als 680 Ausbildungsplätze zu vergeben waren, ist 2025 mit 586 deutlich unterschritten. Und: Nicht alle Angebote konnten mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden. Auch für 2026 sind die bisherigen Prognosen nicht rosig. Fakten, die ein sofortiges Umlenken erfordern, um „jungen Menschen und unseren industriellen Branchen Zukunft zu verschaffen und gleichzeitig die Attraktivität der Regionen in Ostdeutschland zu sichern“, sagt Gewerkschaftssekretär Tom Karl, der für die Jugendarbeit im Landesbezirk zuständig ist. „Die duale Ausbildung ist und bleibt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Herzstück für die Fachkräftesicherung und damit die Zukunft unserer Branche.“
Die Sozialpartner haben einen Steuerungskreis gegründet und sich auf gemeinsame Anstrengungen verständigt: So wollen sie in einem ersten Schritt genauer analysieren, warum Unternehmen weniger ausbilden, um darauf aufbauend Lösungsansätze zu entwickeln. Außerdem sollen Plattformen geschaffen werden, um gute Ideen für mehr Ausbildung auszutauschen. „Unsere Initiative bietet zugleich die Chance, die Ausbildung zu modernisieren und Leuchttürme der Ausbildung zu schaffen“, sagt Landesbezirksleiterin Albrecht-Suliak.
Tarifmeldungen
Chemie – BEWI RAW: 1.500 Euro Einmalzahlung, Erhöhung der Auszubildendenvergütungen, auf 13 Monate, schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit bis auf 37,5 Stunden /Woche bei vollem Entgeltausgleich, Einführung einer Altersvorsorge.
Wasserwirtschaft – Wasser und Abwasser Boddenland: + 5 Prozent, mehr Freizeitausgleich bei Rufbereitschaft, Entgeltumwandlung 3 Tage, auf 24 Monate.
Nordost
Neu im Team
Nico Vassiliadis (29) verstärkt den Landesbezirk vom 1. Juli bis zum 30. September. Anschließend setzt er sein Traineeprogramm im Bezirk Berlin-Mark Brandenburg-MV fort. Seine Ausbildung zum Industriekaufmann hat er bei Evonik in Marl absolviert, anschließend an der Europäischen Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main studiert. Bevor er ins Hauptamt gewechselt ist, hat er an vielen Stellen ehrenamtliche Erfahrung gesammelt, etwa als Vertrauenskörpervorsitzender bei Evonik oder als DGB-Vorsitzender in Marl.
Schwarze Pumpe
Brief an den Kanzler
IGBCE, Betriebsrat und Beschäftigte der Bergbaugesellschaft LEAG in der Lausitz fordern, dass der Osten beim Bau neuer Gaskraftwerke gegenüber dem Süden Deutschlands nicht benachteiligt wird. „Der Südbonus muss weg“, schreibt der Konzernbetriebsrat in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Rund 200 Beschäftigte versammelten sich vor dem Kraftwerksstandort Schwarze Pumpe zum Protest. Hintergrund ist die Entscheidung der Bundesregierung, den Bau von Gaskraftwerken im Süden Deutschlands bei den Ausschreibungen zu bevorzugen, um die Netzengpässe zu umgehen. Trotz der Warnungen der IGBCE enthält der Entwurf des Ministeriums immer noch den umstrittenen Südbonus. „Unsere Geduld ist am Ende“, heißt es in dem Schreiben. „Wir erwarten eine diskriminierungsfreie Ausschreibung.“ Die Politik der Bundesregierung werde „verheerende Folgen für Ostdeutschland haben“, sagte Reni Richter, Bezirksleiterin Lausitz. Landesbezirksleiterin Stephanie Albrecht-Suliak, jüngst als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der LEAG-Kraftwerkssparte wiedergewählt, erklärte: „Die ostdeutschen Reviere drohen leer auszugehen. Das können wir so nicht stehen lassen.“
Beschäftigte protestieren vor dem Kraftwerk Schwarze Pumpe gegen Ungleichbehandlung.
Foto: AGV Chemie Nordost
Nordost
Das war der 1. Mai im Landesbezirk
Aktionen mit viel Engagement und Präsenz zum Tag der Arbeit in Magdeburg, Schwedt, Leipzig und Berlin (von links).
Fotos: Christian von Polentz/IGBCE (4)