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Betriebsausflug

Video: Sensoria Holzminden – Gerüche zum Erleben

Dufte Gegend!

Text Gerd Schild – Fotos Moritz Küstner

Im Fachwerkstädtchen Holzminden, zwischen Weser und Wäldern, produziert das Dax-Unternehmen Symrise fast alles, was man riechen und schmecken kann. Seit Kurzem wartet auf Gäste ein neues Highlight: Sensoria, ein Erlebnismuseum rund um Düfte und Aromen.

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Die Mitmachausstellung im Sensoria erstreckt sich über drei Etagen.

Am Weltkulturerbe Kloster Corvey ist man gerade erst vorbeigerollt. Da kommt schon bald Holzminden, diese kleine, feine Fachwerkstadt inmitten all des Grüns der umliegenden Wälder. Wer hier also ankommt auf dem Weser-Radweg, das Gefährt ausrollen lässt direkt zum Fahrradparkhaus am Wasser, ist am Ziel. Links die Weser, rechts die Altstadt, von hier aus sind es nur noch wenige Meter bis zum Sensoria – dem neuen Anziehungspunkt dieser vor allem bei Fahrradfans beliebten Region.

In Holzminden kreuzen sich zwei der beliebtesten Radwanderwege Deutschlands. Der Europaradweg R 1 verbindet Boulogne-sur-Mer am Ärmelkanal mit St. Petersburg. Und der insgesamt 520 Kilometer lange Weser-Radweg führt von Hannoversch Münden bis nach Cuxhaven an die Nordsee, flussabwärts ohne große Steigungen. Wer es hügeliger mag, findet in den Mittelgebirgen reichlich Strecken zum Auspowern.

Es duftet ordentlich in diesen Frühlingstagen in Holzminden und der Region. Unter den Bäumen im Naturpark Solling-Vogler riecht es erdig, manchmal weht strenger Bärlauchduft vorbei, dazu das Süße der Pollen. Nur die Weser verströmt höchstens einen leichten Hauch von Nordsee.

Dominique Bonneau-Kaunath arbeitet seit Beginn im Erlebnismuseum.

Holzminden ist nicht nur bekannt als Stadt der Düfte, sondern auch für seine malerischen Straßen entlang alter Fachwerkhäuser.

Das Sensoria hätte alle Möglichkeiten, die Besuchenden mit synthetischen Düften direkt zum Eingang zu locken. Rein ins Haus der Düfte und Aromen, in diese Mitmachausstellung rund ums Riechen und Schmecken, in zwei Jahren Bauzeit für elf Millionen Euro von der Stadt an die Weser gestellt, 600 Quadratmeter Fläche auf drei Etagen. Doch während Supermärkte mit Duft-Diffusern zum Einkaufen animieren, lockt das Sensoria mit seiner Hülle: Die Fassade besteht aus rund 4.300 rautenförmigen Cortenstahlschindeln, in verschiedenen Winkeln montiert, wodurch eine bewegte Optik entsteht. Die Schindeln sind in ihren Bronzetönen eine Hommage an die Architektur der Region. Denn an vielen Häusern sieht man bis heute Sandsteinplatten aus dem Solling als Dach- und Fassadenbehang.

Das Erlebnishaus überrascht direkt im Eingangsbereich. Denn auf den ersten Metern riecht man: nichts. „Viele Gäste denken, sie kommen hier in eine von Düften überladene Parfümerie“, sagt Dominique Bonneau-Kaunath und lacht. Die Düfte werden im Sensoria über Trockengranulat verströmt, so hält sich das Odeur zum Teil nur wenige Sekunden. Wichtig für ungeübte Nasen, die sonst schnell überfordert wären.

Eine moderne Erlebnisreise: Im Sensoria in Holzminden lässt sich der Geschichte der Düfte und Aromen nachspüren – eine Zeitreise auf didaktisch hohem Niveau.

Holzminden und der Weltmarktführer

Bonneau-Kaunath kennt sich aus in der Region und in der Welt der Duftstoffe. Die Gerüche von Symrise, so heißt der Weltmarktführer und größte Arbeitgeber der Region seit 2003, hatte sie in der Nase, sobald sie morgens in Holzminden aus dem Schulbus stieg. Nach der Schule machte Dominique Bonneau-Kaunath hier eine Ausbildung zur Industriekauffrau und später noch das BWL-Studium. Insgesamt 24 Jahre war sie im Unternehmen, einige Jahre davon in Paris. Sie weiß, wie die Duftstoffe und die Aromen entstehen und dass sie bis heute von Holzminden aus in wirklich alle Welt geliefert werden.

Auf die Arbeit im Sensoria ist sie zufällig gestoßen. Das städtische Haus hatte noch in der Bauphase Workshops für Interessierte angeboten. Bonneau-Kaunath war fasziniert von den Möglichkeiten, hier von Grund auf etwas mitaufbauen, und bewarb sich. „Ich habe in den knapp drei Jahren noch mal unglaublich viel gelernt“, sagt sie.

Dominique Bonneau-Kaunath ist heute für die Veranstaltungen im Haus zuständig, kümmert sich um Sonderausstellungen genauso wie um Workshops. „Düfte sind unterschätzt“, sagt sie. Düfte und Emotionen seien eng miteinander verbunden. Viele Menschen kennen das, die aufploppenden Bilder im Kopf, wenn man die Gerüche von früher wahrnimmt.

Gerade weil sich Düfte etwa von Produkten verändern, sich im Laufe der Zeit dem Zeitgeist anpassen, ist das Sensoria so spannend. So bekommt man hier eine Erklärung, warum nichts auf der Welt so riecht wie Omas Waschküche in den 1970er-Jahren: An einer Station kann man herausfinden, wie sich der Duft von Waschmittel verändert hat. Ein paar Meter weiter taucht man in 360-Grad-Welten ein, die auf einen kaum sichtbaren Fadenvorhang projiziert werden und dabei schnappt die Nase wirklich den passenden Geruch auf, von Wald zum Beispiel. An anderer Stelle hat ein Parfümeur die Geschichte Holzmindens aufgegriffen, macht erlebbar, dass es hier vor 150 Jahren besonders nach Fichte aus dem Solling und nach Holzkohle der Dampfschiffe zum Transport der Sollingsandsteinplatten roch.

Hinter einem großen Fadenvorhang riecht es passend zu den eingespielten Videosequenzen nach dem zugehörigen Duft.

Holzminden nennt sich die Stadt der Düfte und Aromen. Alles begann vor rund 150 Jahren. Die Chemiker Ferdinand Tiemann und Wilhelm Haarmann, der aus Holzminden stammte, entschlüsselten 1874 die Struktur von Vanillin und konnten den Stoff synthetisch herstellen aus Coniferin, das in der Rinde von Nadelhölzern vorkommt. Eine revolutionäre Erfindung, schließlich war Vanille ein Luxusgut, das aufwendig aus Mexiko oder Madagaskar importiert werden musste. Kurz nach der Entdeckung öffnete Haarmann’s Vanillinfabrik. Heute ist Holzminden ein weltweit wichtiger Standort der Duft- und Geschmacksindustrie. Symrise hat aktuell mehr als 12.000 Mitarbeitende, etwa 3000 davon am Stammsitz Holzminden. Fast jeder Mensch kommt täglich mit Produkten von Symrise in Berührung – sei es das Aroma in der Zahnpasta, der Duft eines Parfüms, die Würze in der Tütensuppe oder Vanillearoma.

Das Sensoria ist kein ausgelagerter Showroom des Dax-Konzerns Symrise. Im Rathaus Holzmindens hat man das Leuchtturmprojekt finanziert. Das ist durchweg gelungen und überzeugt touristische Gäste genauso wie das Fachpublikum der Branche. Und die Duft- und Aromastoffe kommen natürlich direkt von Symrise.

Düfte sind unterschätzt.

Dominique Bonneau-Kaunath,
Sensoria Holzminden

Düfte für jeden Geschmack

Auch Kinder zieht es wie selbstverständlich durch das Haus. Besonders spannend: Ambra, ein scheußlich riechender Stoff aus dem Verdauungstrakt eines Pottwals, der lange in der Parfümherstellung genutzt wurde und dessen synthetische Variante auch heute weiter eingesetzt wird.

An der letzten Station im Haus kann man einiges mitnehmen auch im Wortsinn. Hier können alle Besuchenden ihren eigenen Duft mischen und kaufen. Für die IGBCE hat Bonneau-Kaunath spontan passende Tipps gegeben, riet zu Limette, Grapefruit und Zeder. „Erfrischend, stärkend, Mut machend – das passt doch zur Gewerkschaft.“

Die Welt der Düfte endet nicht am Ausgang vom Sensoria. In der angrenzenden Altstadt stehen 17 bunte Stelen mit so unterschiedlichen Gerüchen wie Flieder, Anis, Brot oder Bratzwiebel. Zwischen April und Oktober können Interes­sierte sich ohne Voranmeldung jeden Samstag um 11 Uhr einer duftenden Stadtführung anschließen, die an der Tourismus-Information im Sensoria startet. Die Stelen kann man auch unabhängig erschnuppern und zugleich die Stadt erkunden, am Weserkai flanieren, die vielen „Ackerbürgerhäuser“ genannten Fachwerkgebäude bestaunen oder am Marktplatz eine Pause einlegen. Und dann weiter, mit Auto, Zug, Wanderstöcken oder auf dem Rad, immer alles im Fluss in dieser ausgeruhten Region.

Guide: Holzminden

Sensoria – Haus der Düfte und
Aromen Holzminden
Weitere Information unter der Karte.

Naturpark Solling-Vogler
Weitere Information unter der Karte.

Hotelempfehlung
Weserhotel Schwager
Ralf-Schwager-Platz 1
37603 Holzminden
DZ ab 149 Euro mit Frühstück
www.weserhotel-schwager.de

Hotelempfehlung
Pension Weseraue
Bleiche 1
37603 Holzminden
Übernachtung im Zirkuswagen
ab 75 Euro
www.pension-weseraue.de

Gastronomie
Eiscafé Mosena
Familiengeführte Eisdiele:
Die Mosenas kamen 1955 aus dem Val di Zoldo,
dem italienischen Tal der Eiskunst.
Obere Straße 10
37603 Holzminden

Gastronomie
Felsenkeller
Der Name täuscht – Stadtbalkon träfe es besser.
Herrliche Aussicht über die Stadt, rustikale Küche.
Hoher Weg 24
37603 Holzminden
www.felsenkeller-holzminden.de

Sensoria – Haus der Düfte und Aromen Holzminden
Obere Straße 45
37603 Holzminden
Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise unter:
www.sensoria-holzminden.de

Naturpark Solling-Vogler
Die Rundwanderung durch das Hasselbachtal (Start: Wanderparkplatz Pipping in Holzminden) ist ein ruhiges Highlight im Naturpark Solling-Vogler. Der Pfad führt durch naturnahe Wälder und entlang klarer Bachläufe. Reizvoll sind die Sandsteinformationen und die große Artenvielfalt. Ideal für alle, die Ruhe und Natur suchen.
www.naturpark-solling-vogler.de

Schloss Bevern
Das Schloss Bevern zählt zu den bedeutenden Baudenkmälern der Weserrenaissance in Norddeutschland. Die Vierflügelanlage ist ein Kulturzentrum mit Ausstellungen, der multimedialen „Erlebniswelt Renaissance“ sowie Konzerten und Veranstaltungen.
www.schloss-bevern.de