So nicht, Biontech!
IGBCE kämpft für Erhalt der Arbeitsplätze in Marburg. Werksschließung von Biontech bringt Menschen in Gefahr. Bezirk Mittelhessen betont: „In einer Pandemie müssen wir die Impfstoffproduktion vor Ort haben!“
Bereits am 4. März demonstrierten mehr als 3.000 Menschen gegen den permanenten Arbeitsabbau bei den Behringwerken.
In einem eindringlichen Appell richtet sich die Pharmagewerkschaft IGBCE an die Politik und die Industrie: „Wir brauchen die Impfstoffproduktion hier in Marburg, nicht irgendwo in Übersee – für die Sicherheit der Menschen“, sagt Anne Weinschenk, Leiterin des IGBCE-Bezirks Mittelhessen. „Das Wissen und die Fähigkeit der Beschäftigten hier können bei einer erneuten Pandemie Leben retten. Die IGBCE wird mit allen verfügbaren Mitteln für den Erhalt dieses wichtigen Standorts und der hier gebündelten Kompetenz kämpfen!“
Biontech hatte am 5. Mai angekündigt, drei Standorte schließen zu wollen, darunter einen in Hessen: Marburg. Rund 670 Beschäftigte sind hier betroffen. Der in Marburg hergestellte Corona-Impfstoff hat das Unternehmen reich gemacht. „Nun lässt Biontech seinen wichtigen Produktionsstandort und die Beschäftigten fallen“, sagt Sabine Süpke, Leiterin des IGBCE-Landesbezirks Hessen-Thüringen. „Das trifft den Pharmastandort Marburg ins Herz.“
Bereits im März hatten mehr als 3.000 Beschäftigte am Standort Behringwerke gegen den permanenten Stellenabbau demonstriert – zum zweiten Mal nach einer ähnlich großen Demo im vergangenen Sommer.
In Richtung Politik fordert Anne Weinschenk: „Wir erwarten von der Bundesregierung mehr als ein Empörungsbekenntnis. Sie muss jetzt tätig werden. Es ist unverständlich, wie schnell die Erfahrungen aus der Corona-Zeit vergessen sind. Ohne den Impfstoff, der zum allergrößten Teil in Marburg hergestellt worden ist, wären mehr Menschen gestorben. Wenn dieser Betrieb schließt, wird bei einer neuen Pandemie Impfstoff fehlen – mit den entsprechenden Folgen.“
Das ist Kapitalismus der schlimmsten Art!
Anne Weinschenk,
Bezirksleiterin Mittelhessen
Das Biontech-Werk in Marburg kann Schätzungen zufolge rund 750 Millionen Dosen Corona-Impfstoff im Jahr produzieren – damit ließe sich im Notfall fast ganz Europa versorgen. Anne Weinschenk: „Verträge für Lieferungen von irgendwoher sind in einer Krise nichts wert. Die Menschen in diesem Betrieb können aber innerhalb kurzer Zeit eine groß angelegte Impfstoffproduktion hochfahren. Das haben sie in der Corona-Pandemie gezeigt – und das können sie wieder tun. Wenn sie dann noch da sind.“
Wenn das Biontech-Werk in Marburg geschlossen wird, geht Kompetenz verloren. „Ohne die Beschäftigten hier und ihr Können hätte Biontech seinen Impfstoff nicht in großen Mengen produzieren können“, sagt Anne Weinschenk. „Sie sind es, die Biontech riesige Gewinne ermöglicht haben. Nun sollen sie nichts mehr wert sein. Das ist Kapitalismus der schlimmsten Art! Wir werden jetzt für unsere Mitglieder da sein und alle verfügbaren Mittel nutzen, damit ihre Arbeitsplätze in Marburg erhalten bleiben – und da gibt es einige Mittel!“