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Arbeitgebercheck

Foto: Dr. Wolff Group

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Faires
Miteinander

Text Stefan Kohl

In mehr als 120 Jahren hat sich die Bielefelder Dr. Wolff Group von einer kleinen Arzneimittelfabrik zu einem der größten mittelständischen Akteure im deutschen Pharma- und Kosmetikmarkt entwickelt. Das Familienunternehmen gilt als beliebter und sicherer Arbeitgeber, der großen Wert auf ein gutes Verhältnis zu seinen Beschäftigten legt.

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Dr. Wolff

Seit ihrer Gründung im Jahr 1905 hat sich die Dr. Wolff Group von einer kleinen chemisch-pharmazeutischen Fabrik zu einem international agierenden Familienunternehmen entwickelt. Den Grundstein legte Dr. August Wolff mit seiner Forschung und Arzneimitteln wie Hämatopan gegen Eisenmangel. Sein Sohn Dr. Kurt Wolff führte das Unternehmen ab 1942 wissenschaftlich weiter, etablierte die Linolsäurepräparate der 1938 eingeführten Marke Linola und baute nach dem Krieg die Marken Alpecin und Alcina auf. Nach seinem Tod im Jahr 1978 führte seine Frau Doris Wolff den Betrieb bis 1998 erfolgreich weiter – trotz wirtschaftlicher Herausforderungen wie dem steigenden Wettbewerbsdruck durch internationale Marken. Sie investierte massiv in moderne Produktionsanlagen und umweltfreundliche Fertigungsmethoden. 1998 übernahmen die Urenkel des Gründers das Ruder. Eduard R. Dörrenberg modernisierte das Unternehmen strategisch und kommunikativ, während Christoph Harras-Wolff 2006 ins Unternehmen eintrat und heute die Bereiche Recht, Verbände und Nachhaltigkeit verantwortet. Technologische Innovationen, neue Wirkstoffkomplexe und weltweites Wachstum prägen die jüngere Geschichte.

Gründung 1905

Rechtsform GmbH

Sitz Bielefeld

Eigentümer in vierter Generation in Familienbesitz

Umsatz (2025) 384,4 Mio. Euro

Geschäftsbereiche kosmetische Produkte (Dr. Kurt Wolff mit Marken wie Alpecin, Plantur und Alcina, 65 Prozent Umsatzanteil) und pharmazeutische Produkte (Dr. August Wolff mit Marken wie Linola und Vagisan, 35 Prozent Umsatzanteil)

Beschäftigte rund 900

Arbeitsumgebung

Die Dr. Wolff Group arbeitet in Bielefeld an drei eng verzahnten Standorten: Zwei liegen bloß wenige Schritte auseinander, der dritte ist nur rund einen Kilometer entfernt. Deshalb ist die bezuschusste Kantine Wolfferia für die meisten gut erreichbar. Neben einer Salat- und Dessertbar gibt es eine Auswahl von bis zu drei Gerichten. Mineralwasser, Kaffee, Tee und frisches Obst sind kostenlos. Der Viva-Familienservice berät Mitarbeitende vertraulich und kostenlos zu Themen wie Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen. Gemeinsam mit den Nachbarn Miele und den Stadtwerken stellt Dr. Wolff den Beschäftigten Plätze in der nahen Kindertagesstätte Werksgarten zur Verfügung.
Zusätzlich zu dreißig Urlaubstagen sind Brückentage grundsätzlich frei. Dafür wird an anderen Tagen etwas länger gearbeitet (1,0 bis 1,5 Stunden pro Woche). Das Unternehmen beteiligt sich an der betrieblichen Altersvorsorge. Zur Wahl steht eine Entgeltumwandlung im Rahmen einer Direktversicherung oder des Chemie-Pensionsfonds. Den Beschäftigten bieten sich bedarfsorientierte interne und externe Weiterbildungsmöglichkeiten. Weitere Benefits sind vielfältige Betriebssport- und Gesundheitsangebote, ein vergünstigtes Jobticket und die Möglichkeit, pro Monat bis zu 25 Prozent mobil zu arbeiten.

Betriebsklima

Das Betriebsklima wird als „entspannt“ und „harmonisch“ beschrieben. Die Beschäftigten arbeiten gern hier, was nicht zuletzt an der guten wirtschaftlichen Lage und der hohen Jobsicherheit liegt – Stellenabbau ist weder geplant noch absehbar. Viele bleiben deshalb von der Ausbildung bis zur Rente im Unternehmen. Dennoch gibt es Kritikpunkte: Besonders häufige Organisationsänderungen und die mangelnde Transparenz bei internen Versetzungen zwischen den Gesellschaften sorgen bisweilen für Unmut bei den betroffenen Verwaltungsangestellten. Auch eine zunehmende Arbeitsverdichtung ist spürbar.
Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind üblich und werden von den Betriebsräten positiv bewertet. Die Gewerkschaft wünscht sich hingegen mehr Tiefe und weniger „stumpfes Abhandeln“ rechtlicher Mindeststandards. Von den Beschäftigten gelobt wird der Austausch mit der Geschäftsführung in Formaten wie Versammlungen sowie Coffee- und Lunch-Dates. Einen entsprechend hohen Stellenwert hat die interne Kommunikation: Im tagesaktuellen Intranet sind alle wichtigen News und Einblicke in Abteilungen und laufende Projekte zu finden.
Mehrtägige Einführungsveranstaltungen für neue Mitarbeitende mit Vorträgen und dem Kennenlernen der Abteilungen und Bereiche stärken das Miteinander ebenso wie gemeinsame Aktivitäten.

Mitbestimmung

Bei Dr. Wolff wird die Mitbestimmung gelebt, sie steht aber vor Herausforderungen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und den beiden Betriebsräten funktioniert harmonisch. Die Betriebsratsstruktur ist derzeit allerdings im Umbruch: Langjährige Stützen der Gremien sind in Rente gegangen oder ausgetreten. Zuletzt versuchte die Geschäftsführung, die Zahl der Betriebsrätinnen und -räte zu verringern, indem sie die rechtlich getrennten Betriebe kurz vor der Betriebsratswahl als Einheit definieren wollte – ein Vorstoß, der vorerst abgewehrt wurde. Die beiden Hauptgesellschaften haben weiterhin separate Betriebsräte.
Während Jugend-, Auszubildenden- sowie Schwerbehindertenvertretungen ihre Schutz- und Mitbestimmungsaufgaben erfüllen, fehlen klassische Vertrauensleute. Sowohl der Betriebsrat als auch die IGBCE betrachten ihre Zusammenarbeit trotz fehlender Streitthemen als ausbaufähig. Die Gewerkschaft bemängelt, dass die Mitbestimmung oft „ihr eigenes Süppchen kocht“ und den Mehrwert einer engen gewerkschaftlichen Anbindung noch nicht voll ausschöpft. Der Arbeitgeber halte sich im Großen und Ganzen zwar an seine Informationspflichten, müsste aus Gewerkschaftssicht aber noch häufiger daran erinnert werden.

Tarifbindung

Die Tarifbindung ist historisch gewachsen. Das Unternehmen zahlt in den beiden großen Gesellschaften nach dem Flächentarifvertrag der chemischen Industrie. Bei der Digitaleinheit eWolff hingegen fehlt die Tarifbindung. Besondere Öffnungsklauseln oder Ausnahmen vom Tarifvertrag gibt es bei Dr. Wolff nicht.
Die Mitarbeitenden wissen den Chemietarif zu schätzen. Die Wochenarbeitszeit und die Schichtmodelle in Produktion, Labor und Logistik orientieren sich strikt an den Vorgaben. Dabei wird der Verteilzeitraum, in dem Plus- und Minusstunden wieder auf null kommen müssen, zur Flexibilisierung der Brückentage genutzt. In der Verwaltung gilt Vertrauensarbeitszeit, was zu regelmäßigen Überstunden führt, die durch Freizeit ausgeglichen werden. Kritisch sieht die IGBCE die Situation der außertariflich Angestellten: In deren Verträgen fänden sich rechtlich fragwürdige Klauseln, nach denen Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Hier will die Gewerkschaft ansetzen und kaufmännische sowie AT-Angestellte besser über ihre Rechte aufklären.
Tarifverhandlungen auf betrieblicher Ebene empfindet die IGBCE oft als zäh, da der Arbeitgeber dazu neige, Dinge einzelvertraglich oder über interne Absprachen zu regeln, statt sie in Betriebsvereinbarungen zu ­verankern.

Zukunftsfähigkeit

Für die Zukunft ist Dr. Wolff gut aufgestellt, da die Kernprodukte als krisenfest gelten. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, wurde unter anderem in einen neuen Kreativcampus investiert und das Strategiekonzept „Focus 2027“ entwickelt. Das Unternehmen setzt auf Innovationen und erobert zusätzliche Nischen. In den beiden zurückliegenden Jahren wurden 16 neue Formulierungen und Produkte entwickelt sowie neue Märkte erschlossen.
Die Digitaleinheit eWolff soll Kernkompetenzen miteinander verknüpfen und Aufgaben in die digitale Welt verlagern. Dr. Wolff beschäftigt sich zudem intensiv mit Zukunftsthemen wie künstlicher Intelligenz. Hier fordert die IGBCE, den Transformationsprozess im Sinne der Beschäftigten aktiv mitgestalten zu können.
Nachhaltigkeit ist ebenfalls ein zentrales Thema, getrieben durch hohe Energiepreise und notwendige Audits für Marktzugänge. Die Energieversorgung ist ein schwieriges Feld: Zwar wird erfolgreich an Einsparungen gearbeitet, doch regenerative Quellen sind am Standort Bielefeld nur begrenzt umsetzbar.
In den kommenden zwanzig Jahren will das Unternehmen weiter wachsen und noch mehr Beschäftigung bieten. Die größte Herausforderung bleibt dabei die Sicherung von Fachkräften in einem immer härteren Wett­bewerbsumfeld.

Das sagt Dr. Wolff

Das Unternehmen setzt bei der Gewinnung von Fachkräften auf eine gelebte Präsenzkultur mit der Bereitschaft, vor Ort zu arbeiten. Dafür will man mit einem attraktiven Arbeitsumfeld überzeugen. Um Mitarbeitende bei Arbeitsverdichtung spürbar zu entlasten, optimiert Dr. Wolff bestehende Workflows und nutzt gezielt KI-Technologien.

Unser Fazit

Das Familienunternehmen tut viel für seine Beschäftigten und wird dafür mit einer zufriedenen und motivierten Belegschaft belohnt. Dazu trägt nicht zuletzt die hohe Arbeitsplatzsicherheit bei – basierend auf anhaltendem Wachstum. Trotz steigender Energie- und Rohstoffpreise, Nachahmerprodukten und internationalem Wettbewerb konnte das innovationsfreudige Unternehmen seinen Umsatz in den vergangenen Jahren und im ersten Quartal 2026 deutlich steigern – wobei der Auslandsumsatz immer wichtiger wird. Zunehmend schwieriger wird es, spezialisierte Fachkräfte nach Bielefeld zu locken. Hier muss sich zeigen, ob die soziale Unternehmenskultur ausreicht, um dauerhaft gegen die Konkurrenz zu bestehen.

Quellenhinweis: Dieser Arbeitgebercheck basiert auf Recherchen bei Beschäftigten, Betriebsräten, Vertrauensleuten sowie Betriebsbetreuerinnen und -betreuern der IGBCE. Die zusammen­getragenen Informationen sind aus Gründen des Quellenschutzes bewusst anonymisiert. Jede Angabe kann jedoch konkret bestimmten Quellen zugeordnet werden. Zudem wurden öffentlich zugängliche Quellen einschließlich der Angaben des Unternehmens selbst genutzt.