Katrin Edinger erklärt, welche Beteiligungsmöglichkeiten es für dich gibt.
Foto: Blitzfang Medien
Demokratie at it’s best
Gewerkschaften sind nicht nur Teil der demokratischen Zivilgesellschaft – sie sind auch selbst demokratisch organisiert: So können IGBCE-Mitglieder auf vielen Ebenen aktiv an der Willensbildung und der Ausrichtung der Organisation mitwirken. In der nächsten Folge unserer Videoreihe „Praxis & Wissen“ erklären wir, welche Beteiligungsmöglichkeiten es bei der IGBCE gibt.
Sechs Tage, mehr als 500 Anträge, knapp 900 Seiten Papier, rund 400 Delegierte aus dem ganzen Land – beim 8. Ordentlichen IGBCE-Gewerkschaftskongress im Herbst 2025 hatten die Delegierten ein strammes Arbeitsprogramm vor sich. Tag für Tag, von morgens früh bis teilweise in die späten Abendstunden, ackerten sie sich durch fünf Antragsblöcke mit den Schwerpunkten Demokratie und Gesellschaft, Wirtschafts- und Industriepolitik, Arbeitsmarkt- und Tarifpolitik, Organisationsleben und Satzung. Gewählt wurde natürlich auch, unter anderem wurden alle Mitglieder des geschäftsführenden Hauptvorstands (gHV) um den IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis im Amt bestätigt.
Der Kongress ist das, was man Basisdemokratie „at its best“ nennen könnte: Hier entscheiden rund 400 Ehrenamtliche aus Betrieben aus dem ganzen Land im höchsten beschlussfassenden Gremium der IGBCE über Hunderte Anträge, zurren damit die Leitplanken und die inhaltliche Ausrichtung der Gewerkschaft für die nächsten vier Jahre fest. Die Delegierten wurden zuvor auf Bezirks- und Landesbezirksebene nominiert und von IGBCE-Mitgliedern gewählt sowie von der Jugend und den Frauen entsandt. Und auch die Anträge fallen nicht vom Himmel, sie stammen zum allergrößten Teil von der Basis, werden formuliert von ehrenamtlichen Mitgliedern auf Bezirks- und Landesbezirksebene, von der Jugend oder den Frauengremien der Organisation und durchlaufen verschiedene Abstimmungsebenen, bis sie beim Kongress auf der Tagesordnung landen – und zu konkreten Forderungen werden, wenn sie denn angenommen werden.
Mich freut es immens, dass wahnsinnig viele Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit nutzen, für ihre Anträge zu kämpfen.
Barbara Kraller
Sprecherin der Antragskommission und Betriebsrätin bei der Wacker AG
Foto: Blitzfang Medien
Der Weg eines Antrags
So wie der Antrag zu anonymisierten Bewerbungsverfahren, der auf dem Kongress formal die Nummer A25 trug: Ursprünglich stammt der Antrag aus dem Landesbezirk Bayern, Mitglieder der dortigen Landesbezirksjugend hatten die Forderung formuliert, diskutiert und beschlossen, dann wurde der Antrag weitergeleitet an die Bundesjugendkonferenz, die den Antrag ebenfalls guthieß und an die Antragskommission für den Kongress übergab. Die Antragskommission – die ebenfalls aus Ehrenamtlichen aus den Reihen der IGBCE-Mitglieder besteht – prüfte den Antrag und nahm ihn auf die Tagesordnung für den Kongress. Dort stimmte die Mehrheit der Delegierten für den Antrag. Das bedeutet, dass die IGBCE künftig darauf hinwirkt, anonymisierte Bewerbungsverfahren in den Betrieben der IGBCE-Branchen zu etablieren, also persönliche Daten wie Name, Geschlecht, Alter, Herkunft, Familienstand oder Foto aus den Bewerbungsunterlagen zu entfernen. Hintergrund der Forderung ist, eine möglichst objektive Bewertung der Bewerberinnen und Bewerber zu erreichen.
„Mich freut es immens, dass wahnsinnig viele Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit nutzen, für ihre Anträge zu kämpfen, sie zu debattieren und mitzumachen, mitzugestalten in der IGBCE“, erklärt Barbara Kraller, Sprecherin der Antragskommission und Betriebsrätin bei der Wacker AG. „Das ist gelebte Basisdemokratie“, sagt sie.
Das wichtigste beschlussfassende Gremium ist der Ordentliche Gewerkschaftskongress der IGBCE. Aber es gibt noch zahlreiche weitere Beteiligungsmöglichkeiten.
Foto: Kai-Uwe Knoth
Engagement von Ehrenamtlichen
Ein weiteres wichtiges Gremium, das dem gHV zwischen den Kongressen zur Seite steht und bei wichtigen aktuellen Entscheidungen mitentscheidet, ist der ehrenamtliche Hauptvorstand. Die 26 Mitglieder sind Aktive aus den Betrieben, sie vertreten die Interessen der Beschäftigten und der IGBCE nach innen und außen. Sie achten darauf, dass die Satzung eingehalten wird, treffen grundlegende politische und strategische Entscheidungen, die der gHV im Tagesgeschäft dann umsetzt. Zudem beruft der Hauptvorstand auch den Gewerkschaftskongress ein und beschließt die Wahlordnung.
Thomas Scherer, Betriebsratsvorsitzender bei Villeroy & Boch (Bad und Wellness), ist Mitglied im ehrenamtlichen Hauptvorstand der IGBCE. Für ihn ist klar: „Eine starke Mitbestimmung auf Unternehmensebene funktioniert nur mit einer starken Organisation, sprich mit einer starken Gewerkschaft wie der IGBCE“, so der Betriebsrat. „Der Blick über die Bandbreite der Probleme und die damit verbundenen Lösungsansätze für unsere Branchen zeigt mir immer wieder, was man zusammen im Kollektiv bewirken und erreichen kann“, erläutert er.
Über diese Ebenen hinaus gibt es noch viele weitere Ehrenamtliche in den Reihen der IGBCE, die mit ihrem Engagement ein lebendiges Gewerkschaftsleben ermöglichen: So gibt es bundesweit rund 14.000 IGBCE-Vertrauensleute, die sich in den Betrieben direkt für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen einsetzen. Außerdem arbeiten Ehrenamtliche in bundesweit knapp 700 Ortsgruppen und in den regionalen Bezirken und den Landesbezirken. Dazu kommen weitere Tausende IGBCE-Mitglieder, die sich in den Betriebsräten engagieren oder die in Tarifkommissionen für besseres Entgelt für die Belegschaften kämpfen. Sie alle füllen die Basisdemokratie in der IGBCE durch ihr Engagement mit Leben.