Arbeit & Gesellschaft

Interview

„Wir sind an allen Standorten wieder im Hochlaufprozess“

Thomas Flesch, Betriebsratsvorsitzender TRIMET Aluminium

Foto: Frank Rogner

Thomas, Energiekrise und Konjunkturschwäche hatten euch bei TRIMET im vergangenen Jahr hart getroffen. Die sehr energieintensive Aluminiumproduktion lag am Boden, die meisten eurer Elektrolyseöfen waren abgestellt. Wo steht ihr heute?
Die Lage hat sich deutlich verbessert. Wir sind an allen Standorten wieder im Hochlaufprozess. In Voerde wollen wir zur Jahresmitte wieder auf Volllast fahren, Hamburg und Essen werden dann zu gut zwei Dritteln ausgelastet sein. Die Krise ist noch nicht komplett überwunden, aber es geht bergauf. Im nächsten Jahr wollen wir alle Anlagen wieder am Netz haben.

Was sind die Ursachen für diese Trendwende?
Der Hauptgrund sind die gesunkenen Strompreise. Sie liegen für uns jetzt wieder auf dem Niveau von vor der Krise. Geholfen hat auch das Strompreispaket der Bundesregierung. Für uns ist Strom der entscheidende Kostenfaktor. TRIMET allein steht für etwa ein Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. Jeder Cent ist da entscheidend. Die Energiekosten sind zurück auf einem Niveau, bei dem sich die Produktion von Aluminium wieder lohnt.

Grundsätzlich laufen in Hamburg die Kosten für die Netzentgelte aus dem Ruder.

Thomas Flesch

Zum Strompreispaket sollte ursprünglich auch ein Bundeszuschuss zu den Netzentgelten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro pro Jahr gehören. Davon hatte die Bundesregierung im Zuge der Haushaltskrise allerdings wieder Abstand genommen. Hatte das keine Auswirkungen auf eure Produktion?
Doch. Um die Kosten für die Netzentgelte im Jahr 2024 im Griff zu behalten, schaffen wir es in Essen und Hamburg nur auf zwei Drittel der Kapazität zu kommen. Grundsätzlich laufen in Hamburg die Kosten für die Netzentgelte aus dem Ruder. Dafür müssen wir politische Lösungen finden.

Ihr produziert einen wichtigen Werkstoff für Auto- und Maschinenbauindustrie, für Leitungs- und Anlagenbau. Spürt ihr eine Besserung der Auftragslage?
Prinzipiell schon, aber sie stellt sich sehr langsam ein. Die Kunden tun sich vor allem mit langfristigen Lieferkontrakten sehr schwer. Die meisten ordern kurzfristig oder nehmen erst mal kleinere Mengen ab als vor der Krise. Auch dort, wo wir selbst das Aluminium in eigenen Gießereien weiterverarbeiten, sind wir vorerst zurückhaltend. Es ist noch einiges an Unsicherheit im Markt.

Welche Auswirkungen hat die veränderte Lage auf die Belegschaft?
Wir haben auch in den schwärzesten Monaten betriebsbedingte Kündigungen vermeiden können. Die Stillstände wurden überbrückt mit Wartungsarbeiten, Umbauten, Prozessoptimierungen, Weiterbildung und Qualifizierung. Frei werdende Stellen wurden allerdings nicht wiederbesetzt. All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass viele Beschäftigte nun in anderen Bereichen arbeiten als zuvor. Jetzt müssen wir viele von ihnen sukzessive wieder zurückholen an die Elektrolyseöfen. Auch der Einstellungsstopp ist beendet. Wir brauchen jeden Mann und jede Frau, damit wir wieder mit Volldampf zurückkehren können in die Normalität.

Zur Person: Thomas Flesch ist Betriebsratsvorsitzender der familiengeführten TRIMET Aluminium SE mit Sitz in Essen. Das Unternehmen betreibt Aluminiumhütten in Essen, Hamburg, Voerde und Saint-Jean-de-Maurienne in Frankreich. In den Hütten des Konzerns können bis zu 540.000 Tonnen Primäraluminium pro Jahr hergestellt werden. TRIMET zählt 2.400 Beschäftigte, gut 1.600 davon in Deutschland.