Vor Ort

Nordrhein

Vertrauensleute im Fokus

Text Leo Kölzer – Foto Frank Rogner

Gesicht der IGBCE im Betrieb: Vertrauensleute machen Lärm für gute Gewerkschaftsarbeit.

Zwischen dem 1. März und dem 30. Juni 2024 stehen die Wahlen der Vertrauenskörper an. Im Landesbezirk Nordrhein wählen die Belegschaften in den Betrieben ihre neuen Vertrauensleute (VL). Und sie legen damit einen
wichtigen Grundstein für die Gewerkschaftsarbeit der kommenden Jahre.

Eine Gewerkschaft kann ohne ihre Mitglieder nicht leben. Einen Kernbestandteil der IGBCE bilden dabei die Vertrauensleute im Betrieb. Sie gehören mit dem Betriebsrat zu den ersten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern im Unternehmen. So wie bei Dr. Babor in Aachen. Bei dem Kosmetikhersteller hat sich mithilfe eines engagierten Betriebsrats erst vor einigen Jahren ein zehnköpfiges Vertrauensleutegremium gebildet. „Davor war ich sozusagen das einzige Fähnlein der ­IGBCE“, erinnert sich Michael Herbst, Vorsitzender des Vertrauenskörpers und Betriebsratsmitglied. „Ich bin froh und dankbar, dass wir hier mittlerweile breiter aufgestellt sind.“ Mittlerweile gehe es darum, die neuen Leute weiter zu qualifizieren und tiefer in die Materie einzuarbeiten, sagt Herbst. Denn Vertrauensleute als Ansprechpersonen im Betrieb brauchen natürlich auch eine fundierte Qualifikation. Diese bekommen sie von der IGBCE. Bei Tagungen und Seminaren werden die Vertrauensleute zum Beispiel zu den Themen Recht und Kommunikation oder in sozialpolitischen Fragen geschult. „Die wichtigste Aufgabe der Vertrauensleute ist die Kommunikation“, findet Herbst, „also das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen.“

Das Ohr an der Belegschaft

Und tatsächlich: Vertrauensleute informieren nicht nur über neue Tarifverträge, Vereinbarungen oder Gesetze, sie haben auch ihr Ohr an der Belegschaft und forschen nach Anliegen, Verbesserungsvorschlägen und Problemen. Sie sprechen in der Belegschaft über die Ziele der IGBCE, über ihre Rechte und Pflichten als Beschäftigte und klären über wichtige Aspekte des Gesundheitsschutzes, der Unfallverhütung und der Betriebssicherheit auf.

„Klassischerweise findet die Vertrauensleutearbeit direkt im Betrieb statt. In den Pausen, beim Schichtwechsel oder nach getaner Arbeit“, findet auch Yunis Duran. Der 55-jährige Betriebsrat und VL-Vorsitzende arbeitet seit 1987 im Chempark Dormagen. Dort ist er unternehmensübergreifend für die Vertrauensleute bei Currenta/Tectrion zuständig. Im Chemiepark sind bei den letzten VL-Wahlen viele junge Menschen nachgerückt. Für Duran längst überfällig. „Wir brauchen die Jüngeren dringender denn je.“

Jemanden wie Luca Schneider. Der 25-jährige Chemielaborant bei Bayer in Leverkusen findet, „dass es grundsätzlich wichtig ist, sich für seine Werte und seine Interessen einzusetzen“. Im beruflichen Kontext gelinge das besonders gut über einen aktiven Part in der Mitbestimmung. „Der Vertrauenskörper ist perfekt für alle, die sich einbringen wollen, ohne dafür ihr gewohntes Arbeitsumfeld zu verlassen.“


Foto: privat

3 Fragen an …

Axel Mrosek

Er ist seit zwölf Jahren Vertrauensleutevorsitzender bei Basell Polyolefine in Wesseling.

Axel, du blickst auf etliche Jahre Erfahrung als Vertrauensperson zurück. Was macht gute Vertrauensleute aus?

Ich persönlich bin ein sehr kontaktfreudiger Mensch, suche immer das Gespräch. Ich bin aber kein Typ, der sich in den Vordergrund drängt. Die Kolleginnen und Kollegen kommen zu mir. Wir reden miteinander und ich helfe gern. All das ist in der Mitbestimmung sicherlich hilfreich. Vertrauensleute sind diejenigen, die am nächsten dran sind. Sie bekommen Themen der Belegschaft oft vor allen anderen mit. Dadurch sorgen sie auch dafür, dass sich der Betriebsrat eine Sache näher anschaut, die den Vertrauensleuten vorab aufgefallen ist. Die Basis für all das bildet Vertrauen. Ich denke, das ist der Kern und die Vertrauensleute von heute sind die Betriebsräte von morgen.

Warum ist es wichtig, als Vertrauensfrau oder Vertrauensmann zu kandidieren?

Vertrauensleute sind das verbindende Element zwischen IGBCE, Betriebsrat und Beschäftigten. Sie sind wirklich nah dran und stärken die Gewerkschaft an der Basis. Je mehr Beschäftigte die Gewerkschaft hinter sich bringt, mit desto größerer Kraft können wir dem Management Paroli bieten. Zudem werden Tarifverträge von den Betriebsräten mit den Arbeitgebervertretenden im Unternehmen umgesetzt. Dies gelingt deutlich besser, wenn die Belegschaft hinter den Interessen der IGBCE steht. Deshalb ist es enorm wichtig, diese Bindung stetig auszubauen.

Hast du Tipps für angehende Vertrauensleute?

Im Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen solltet ihr der Mensch bleiben, der ihr seid: nicht verstellen, keine unnötigen Versprechen, Informationen und Erfahrungen weitergeben, auf die Beschäftigten zugehen und nach ihren Sorgen und Problemen fragen. Diskutiert die gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Themen gern mal kontrovers in euren Abteilungen und hört euch andere Perspektiven dazu an. Und die Mitgliedergewinnung nicht aus den Augen verlieren.

Foto: Sebastian Jarych