Vor Ort

Nord

Für Solidarität

Text Michaela Ludwig

Für Zusammenhalt und Solidarität sind am 1. Mai Zehntausende Gewerkschaftsmitglieder im Landesbezirk auf die Straße gegangen.

In Hamburg protestierten Allnex-Beschäftigte gegen die Schließung ihres Standorts

Foto: IGBCE Hamburg-Harburg

Ungebrochen solidarisch: Unter diesem Motto standen die diesjährigen Kundgebungen zum Tag der Arbeit, die erheblich mehr Gewerkschaftsmitglieder anzogen als in den vergangenen Jahren. Dass die Zeiten aufgrund vielfältigster Krisen herausfordernd sind, darin waren sich alle Redner*innen einig. Was dennoch gemeinsam erreicht werden konnte, daran erinnerte der stellvertretender IGBCE-Vorsitzende Ralf Sikorski in seiner Rede bei der Maikundgebung in Wilhelmshaven: In nahezu allen Gewerkschaften seien Abschlüsse erzielt worden, die weit über das hinausgehen, was in den vergangenen Jahrzehnten erreicht wurde. Für diesen Erfolg seien vor allem die Arbeitnehmenden verantwortlich, die mit Warnstreiks klare Kante gezeigt hatten. Scharf wies Ralf Sikorski deshalb Forderungen nach einer Reform des Streikrechts zurück. Wer die Hände ans Streikrecht lege, der lege die Hände an einen Grundpfeiler der Demokratie, so der Gewerkschafter.

Landesbezirksleiter Ralf Becker in Holzminden.

Foto: IGBCE Südniedersachsen

Maikundgebung der Ortsgruppe Hohe Heide in Benefeld.

Foto: Dieter Schmidt

Maikundgebung in Wilhelmshaven.

Foto: Heinz Laue

Stellvertretende Landesbezirksvorsitzende Petra Adolph in Stadthagen.

Foto: IGBCE Nord/Birger Langenströer

In Hannover forderte die IGBCE-Jugend mehr Ausbildungsplätze.

Foto: IGBCE Hannover

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In Holzminden forderte Landesbezirksleiter Ralf Becker eine höhere Tarifbindung der hiesigen Unternehmen. Zurzeit arbeiteten nur 52 Prozent der Beschäftigten in einem tarifgebundenen Betrieb. Dabei seien Tarifverträge das beste und nachhaltigste Mittel gegen die bohrende Inflation. In einer derart herausfordernden Zeit würden die Menschen spürbar mehr Geld im Portemonnaie brauchen, was auch unter volkswirtschaftlichen Aspekten sinnvoll und richtig sei.

Die stellvertretende Landesbezirksvorsitzende Petra Adolph bezeichnete in Stadthagen die Tatsache, dass angesichts des Fachkräftemangels noch immer rund 45.000 Jugendliche jedes Jahr ohne Abschluss die Schule verlassen, als „gesellschaftlichen Skandal“. Statt ihre Potenziale nutzen zu können, landeten diese Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder Arbeitslosigkeit. Die Gewerkschafterin forderte daher mehr Geld für Schulen und mehr Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen.

Michael Linnartz, Leiter des Bezirks Hannover, machte sich auf der Maikundgebung der Ortsgruppe Hohe Heide in Benefeld stark für die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie in Form eines Industriestrompreises. Die anstehende Transformation der Arbeitswelt und den klimaneutralen Umbau der Industrie bezeichnete er als „die größte gesamtgesellschaftliche Herausforderung dieses Jahrhunderts“. Doch aufgrund der hohen Energiepreise drohten ganze Branchen abzuwandern. Das betreffe insbesondere energieintensive Industrien wie die im Industriepark Walsrode ansässigen mit insgesamt etwa 1.800 Beschäftigten. Iris Schmidt, Vorsitzende der Ortsgruppe Hohe Heide, begrüßte in Benefeld Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring.