Praxis & Wissen

Ratgeber Leben

Reiche Ernte
in der Stadt

Text Katrin Schreiter – Illustration Karolina Zolubak

Grüne Inseln statt grauen Betons: In der Stadt soll es blühen und sprießen. Dafür wird gegraben und gesät, gejätet und geerntet – im Großen und im Kleinen.

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Grüne Oasen in Städten sind wichtiger denn je. Denn die Städte wachsen rasant. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung lebt derzeit rund die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Siedlungen. 1950 lag dieser Wert noch bei etwa 30 Prozent. Bis 2050 – so die Prognose – werden es weltweit zwei Drittel der Menschen sein (Studie: Globale Bevölkerungsentwicklung 2021). Dabei ist die städtische Vegetation in den Ballungszentren (überlebens)wichtig: Sie wirkt als Schadstofffilter und reguliert im Sommer die hohen Temperaturen. Sie reduziert Verkehrs- sowie Baulärm, und sie schafft Ruhepole für Erholung.

Kein Wunder, dass das Urban Gardening – also das Gärtnern in der Stadt – immer beliebter wird. So bringt im privaten Refugium die Bepflanzung auf den Balkonen und Terrassen ein Stück Natur ins eigene Heim: Basilikum und Sonnenblumen, Tomaten und Pflücksalat, Erdbeeren und sogar Kartoffeln bekommen ihr Plätzchen. Dabei macht Enge erfinderisch: Wer nur wenige Quadratmeter für Pflanzkübel und Kisten hat, nutzt Hochbeete und Balkonkästen. Auch vertikale Pflanzsysteme aus Paletten, hängenden Töpfen, Pflanztaschen oder stapelbaren Topfmodulen sind Alternativen.

Grüner Daumen ganz groß

Doch nicht nur im Kleinen sprießen zarte Pflänzchen: Immer mehr Städter*innen möchten ihre Sehnsucht nach einer Minioase mitten in der City auf größerer Fläche stillen. Zahlreiche Urban-­Gardening-­Projekte zeigen bundesweit, dass es dafür verschiedene Mög­lich­keiten gibt.

Ganz traditionell blüht und gedeiht es in den Schrebergärten. Noch vor ein paar Jahren hatte die organisierte Parzelle mit einem Spießerimage zu kämpfen, mittlerweile gibt es in vielen Vereinen sogar einen Aufnahmestopp. Spätestens seit der Pandemiezeit ist das Schrebern in. Das bestätigt auch die Statistik: In Deutschland begrünen etwa fünf Millionen Menschen in etwas mehr als einer Million Kleingärten ihre eigenen Beete. Das Spießerimage hat das Gärtnern dabei schon weitestgehend abgelegt – und auch immer mehr junge Leute entdecken dieses Stück Natur für sich und ihre Familien.

Doch es muss nicht unbedingt der eigene Kleingarten sein. Wie wäre es mit einem Gemeinschaftsgarten, in dem jede*r eigenes Gemüse anbauen kann, man dabei aber nicht ganz für sich allein vor sich hin buddeln muss? Unter ­www.gartenpiraten.net sowie ­www.urbane-gaerten.de findest du eine Übersicht über bestehende Projekte.

Gründe selbst einen Gemeinschaftsgarten

Fünf Schritte zeigen dir, wie das geht:

Thema oder Grundidee festlegen:

Überlege dir zuerst, welche Ausrichtung du dem Projekt geben möchtest: Soll der Gemeinschaftsgarten einen thematischen Schwerpunkt haben? Richtet sich das Angebot an Bewohner*innen des Quartiers oder des Häuserblocks? Oder geht es dir vor allem darum, alte Obst- und Gemüsesorten zu erhalten?

Nach geeigneter Fläche suchen:

Nachfragen lohnt sich: Häufig verpachten Städte und Gemeinden sowie Kirchengemeinden Grundstücke bei einer gemeinwohlorientierten Nutzung kostenlos. Geeignet sind etwa Baulücken, brachliegende Flächen oder Innenhöfe von Häuserblocks, Dächer von Tiefgaragen, Randbereiche von öffentlichen Grünflächen oder Areale innerhalb bestehender Parkanlagen.

Vertraglich absichern:

Die meisten Gemeinschaftsgärten haben einen festen Standort. Damit sich die Gärten und die Gemeinschaften entwickeln können, solltest du dich um einen längerfristigen Pachtvertrag bemühen. Häufig verpachten Städte, Kirchengemeinden und Privatpersonen Grundstücke für gemeinnützige Vorhaben.

Sämtliche Kosten kalkulieren:

Zuerst solltest du einen Finanzplan aufstellen und die Einnahmen sowie Ausgaben für den Gemeinschaftsgarten auflisten. Zu den laufenden Kosten zählen in der Regel Miet- und Pachtzahlungen, Wasser- und Stromgeld, Instandhaltungskosten sowie Versicherungsgebühren. Beete und Wege anlegen, Zäune und Hecken errichten, Wasser- und Stromanschluss legen – auch dafür musst du Geld einplanen. Nicht zuletzt kostet die Erstausstattung: Geräte, ein abschließbarer Schuppen und Sitzmöglichkeiten müssen angeschafft werden. Und natürlich noch Erde, Samen und Pflanzen.

Weitere Mitglieder gewinnen:

Für einen erfolgreichen Gemeinschaftsgarten brauchst du eine Kerngruppe von Mitstreiter*innen, die Zeit und Herzblut in das Projekt stecken. Gartenfeste, gemeinsame Bau- und Mitmachtage oder Kulturangebote helfen, dass das Gartenteam zusammenwächst. Tipp: Ein Verein macht es häufig leichter, Kooperationspartner*innen zu binden. Auch Förderanträge für einzelne Projekte haben so mehr Aussicht auf Erfolg. Zudem unterstützen Unternehmen und Einzelpersonen eher einen Verein als Privatpersonen.

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