Vor Ort

Nordost

Rückgrat im Betrieb

Text Karin Aigner

Konflikte lösen, Interessen vertreten, Druck aushalten – Betriebsratsmitglieder tragen Verantwortung aus Überzeugung. Vom 1. März bis zum 31. Mai 2026 wird wieder gewählt.

Betriebsräte aus fester Überzeugung: Maik Bartels, Stefan Gröbke, Amelie Hendrischk und Peter Mißbach (von links).

Fotos: privat (4)

Maik Bartels (50) ist seit 2022 freigestellter Betriebsrat von DuPont in Schkopau. Zusätzlich ist er auch in der Tarifkommission tätig und Mitglied des Bezirksvorstands der IGBCE in Sachsen-Anhalt. Der gelernte Laborant und Bierbrauer sagt: „Betriebsrat zu sein ist für mich nicht nur ein Job, es ist eine Herzensangelegenheit. Solidarität treibt mich täglich an, mich für die Rechte und das Wohlbefinden meiner Kolleginnen und Kollegen einzusetzen!“

DuPont profitiert am Standort Schkopau von den Vorteilen des Manteltarifvertrags für die chemische Industrie Ost. Maik Bartels: „Das ermöglicht uns, attraktive Löhne zu zahlen. Unsere Beschäftigten verfolgen aufmerksam die aktuellen Tarifverhandlungen. Besonders in unserem Umfeld beobachten sie, dass es der chemischen Industrie nicht optimal geht. Dennoch wird an unserem Standort stark investiert und wir verzeichnen steigende Mitarbeiterzahlen.“ Seine Botschaft lautet deshalb: „Bitte geht wählen. Nur meckern und nichts tun geht nicht. Ob Arbeitszeiten, Tarifverträge, Entgeltstrukturen, Umstrukturierungen, Gesundheitsschutz, Ausbildungsplätze – letztlich können Wahlen auch die Machtverhältnisse innerhalb des Unternehmens beeinflussen und die Mitbestimmung der Betriebsräte stärken. Dies kann zu besseren Arbeitsbedingungen und einer höheren Arbeitsplatzsicherheit führen!“

Stefan Gröbke (40) arbeitet seit 2001 bei Yara Rostock. Er ist Indus-trie-meis-ter Chemie und seit über elf Jahren Betriebsrat. Einer von vielen Erfolgen, die sich sehen lassen können: „Für einen Teil des Unternehmens wurde ein Interessenausgleich beziehungsweise Sozialplan ausgehandelt, nachdem entschieden worden war, bestimmte Ziele nicht weiter zu verfolgen und bestimmte Produkte nicht länger anzubieten.“ Ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen vom Gesamtbetriebsrat (GBR) sei von Beginn an klar gewesen, dass nicht über die Rettung der Bereiche verhandelt wird, sondern einzig und allein um den Abbau der Stellen, aus Sicht des GBR natürlich möglichst sozialverträglich. „Dabei wurde von Unternehmensseite gern die Kostenkeule geschwungen, auf Zeitdruck verwiesen oder auch auf die gefüllten Terminkalender der Verhandlungspartner“, berichtet Gröbke. „Es sah wirklich so aus, als würde das Ganze scheitern. Wir haben aber die Ruhe bewahrt, uns nicht mit Fristen drohen oder einschüchtern lassen. Das hat uns am Ende einen Abschluss ermöglicht, mit dem beide Seiten ihr Gesicht wahren konnten.“ Denn, so Stefan Gröbke, „es braucht auch beim Arbeitgeber die Einsicht, dass Betriebsräte nicht der Feind sind, sondern das Unternehmen als Ganzes stärken. Mitbestimmte Betriebe haben eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und dadurch geringere Fluktuation und höhere Motivation. Das spart bares Geld. Am Ende ist es ein Gewinn für alle.“

Seine Botschaft: „Diese Wahl ist eure Chance, aktiv mitzugestalten, wie unsere Arbeitsbedingungen heute und in Zukunft aussehen. Der Betriebsrat setzt sich für faire Arbeitsbedingungen, Transparenz, Sicherheit, Gerechtigkeit und ein wertschätzendes Miteinander ein. Jede Stimme bei der Wahl stärkt die gemeinsame Stimme der Mitarbeitenden im Unternehmen.“

Amelie Hendrischk (27) ist zwar noch vergleichsweise jung in ihrer Funktion – aber trotzdem schon eine starke Stimme für die Belegschaft. Sie arbeitet bei der Mitnetz Strom GmbH in der Lausitz und engagiert sich seit vier Jahren als Betriebsrätin. Vorher war sie für die Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv. Schnell hat sie erkannt: Betriebsratsarbeit ist der tägliche Balanceakt zwischen klarer Haltung, Durchsetzungsvermögen und Diplomatie: „Wir müssen bei wichtigen Entscheidungen frühzeitig eingebunden werden und die Gespräche auf Augenhöhe führen. Nur so können Lösungen entstehen, die sowohl den Anforderungen des Unternehmens als auch den Interessen der Beschäftigten gerecht werden.“

Hinter ihrem Engagement steckt vor allem eines: ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit. „Die zusätzliche Arbeit nehme ich gern auf mich, weil ich überzeugt bin, dass der Betriebsrat für Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen, guten Lohn, Sicherheit und Zusammenhalt im Betrieb unverzichtbar ist.“ Ihre Botschaft: „Ein starker Betriebsrat braucht Rückhalt aus der Belegschaft und genau den zeigt ihr mit eurer Wahlbeteiligung. Seid mutig und entschlossen. Bitte geht wählen!“

Peter Mißbach (41) ist seit 2021 Betriebsratsvorsitzender bei GlaxoSmithKline (GSK) Biologicals Dresden und seit 2024 Konzernbetriebsratsvorsitzender bei GSK Deutschland. Der gelernte Mechatroniker sagt: „Die beiden Sätze ‚Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt‘ von der Band Die Ärzte bringen meine Betriebsratsarbeit genau auf den Punkt. Ich habe mich immer schon schwergetan, Probleme einfach zu akzeptieren oder geschehen zu lassen. In der Arbeit als Betriebsrat kann man unwahrscheinlich viel für seine Kolleginnen und Kollegen erreichen.“

Er appelliert: „Ein starker Betriebsrat, hinter dem die Belegschaft steht und der hinter seiner Belegschaft steht, ist ein Partner auf Augenhöhe. Viele Entscheidungen, gerade in Zeiten, wo man über Arbeitsplatz- oder Standorterhalt diskutiert, werden maßgeblich durch den Betriebsrat zum Positiven verändert. Betriebsräte mit einem starken Rückhalt in der Belegschaft können alles erreichen und bieten zusätzlich mehr Sicherheit für alle Mitarbeitenden in Krisenzeiten.“