Vor Ort

Nord

News

Vor Ort: Nord

Holzminden

Stark: Frauen in der Chemie

Nutzt ihre Stimme für sich und andere: Chemielaborantin Antonia Trapp.

Foto: Frank Schinski

Sich neuen Fragen stellen, gemeinsam tüfteln, Lösungen finden – genau das macht für Antonia Trapp den Reiz ihres Berufs als Chemielaborantin aus. Im Labor des Duft- und Aromastoffeherstellers Symrise sucht ihr Team nach der perfekten Duftkombination für die Produkte der Kundinnen und Kunden.

Auch wenn der Frauenanteil in dem Berufsfeld steigt, ist sie in ihrem Team noch die einzige Frau. „Ich fühle mich sehr wohl und bin fachlich voll anerkannt“, sagt Trapp. Dass das nicht überall selbstverständlich ist, weiß sie aus ihrer Zeit in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) sowie der Gewerkschaftsjugend. Immer wieder hätten ihr andere Auszubildende von schwierigen Erfahrungen berichtet.

„Die Kolleginnen haben von abwertenden Sprüchen erzählt. Sie müssen ständig beweisen, dass sie fachlich und körperlich für die Arbeit geeignet sind“, berichtet Trapp. Viele der jungen Frauen hätten die Diskriminierung dennoch nicht offen angesprochen. „Sie hatten Angst, dass es danach noch schlimmer wird.“

Auch deshalb entschied sich Trapp, eine eigene Erfahrung nicht einfach hinunterzuschlucken. Ein Kollege aus einer anderen Abteilung hatte sie sexuell belästigt. „Mein erster Impuls war: Sei nicht so emotional, stell dich nicht an. Er hat es bestimmt nicht so gemeint“, erinnert sie sich. Doch dann wurde ihr klar, dass sie dieses Verhalten nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Diese Verhaltensmuster hören nur auf, wenn wir sie benennen.“ Die Chemielaborantin meldete den Vorfall ihrem Vorgesetzten. Gemeinsam suchten sie das Gespräch mit der Vorgesetzten des Kollegen – der sich daraufhin bei der jungen Frau entschuldigte.

Für Trapp ist klar: Schweigen hilft niemandem. Sie macht den Mund auf – für sich und für andere. Auch deshalb kandidiert sie nun für den Betriebsrat. Themen wie Gerechtigkeit und Gleichstellung will sie im Unternehmen aktiv voranbringen. Bestens vernetzt in der IGBCE ist die leidenschaftliche Motorradfahrerin und Rock- und Metallfreundin bereits – als Vorsitzende der Bezirksjugend und Mitglied im Bundesjugendausschuss.

Hannover

Der 1. Mai im Landesbezirk

Fotos: DGB

Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“ rufen DGB und IGBCE am 1. Mai 2026 zu Kundgebungen im Landesbezirk auf. Es sprechen: Alexander Bercht (IGBCE-Hauptvorstand) in Wilhelmshaven, Ralf Becker in Stade, Petra Adolph in Hildesheim (beide LBZ Nord), Michael Wolters in Alfeld, Philipp Hoß in Seesen, Christian Hoffmann in Wittmar (alle Bezirk Südniedersachsen), Henrike Rauber in Neumünster, Eckehard Sieg in Bargteheide (beide Bezirk Schleswig-Holstein), Marty Falk in Harburg (Bezirk Hamburg-Harburg).

Foto: IGBCE

3 Fragen an …

Ernesto Harder

Der DGB-Vorsitzende Niedersachsen – Bremen – Sachsen-Anhalt über Gerechtigkeit statt Spaltung.

Die DGB-Gewerkschaften kritisieren die Angriffe von Union und Arbeitgebern auf den Sozialstaat. Was ärgert dich daran besonders?

Es ist das Gegenteil dessen, was wir jetzt brauchen. Wir brauchen eine Politik, die die realen Probleme anpackt und nicht neue schafft. Durch diese Aussagen wird in den Betrieben Angst vor dem sozialen Abstieg geschürt, besonders dort, wo Arbeitsplätze bedroht oder bereits abgebaut werden. Durch das Schüren von Ängsten wird das zarte Wachstum, das wir gerade sehen, bedroht. Das basiert nämlich auf Binnenkonsum – und dafür braucht es Ruhe und Beschäftigungssicherung. Dieses Geschrei ist also nicht nur wahnsinnig ärgerlich, sondern auch wachstumsfeindlich.

Dieses Geschrei ist also nicht nur wahnsinnig ärgerlich, sondern auch wachstumsfeindlich. Was steckt hinter der Debatte?

Sie erinnert an Donald Trump: Jede Woche wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben mit Forderungen, die immer wahnsinniger werden. Wenn nur die Hälfte davon umgesetzt wird, haben sie erreicht, was sie wollen. Alle anderen denken: Ist doch nicht so schlimm wie befürchtet.

Was fordert der DGB stattdessen?

Wir fordern, unsere Errungenschaften zu verteidigen – vor allem den Achtstundentag. Eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes ist gar nicht notwendig, weil es schon genug Flexibilität ermöglicht. Die Union soll sich an die Arbeit machen und die echten Probleme lösen: Die Energiekosten für Industrie und Konsumenten müssen gesenkt werden. Außerdem fordern wir eine ordentliche Steuerreform, eine gerechtere Gestaltung der Vermögens- und Erbschaftssteuer. So werden fünf Prozent der Reichen und Superreichen belastet und die gesamte restliche Bevölkerung entlastet.

Lingen

Rosen: Eskalation im Tarifstreit?

Foto: Werner Musterer

Sie wollen nicht lockerlassen: Nachdem die Rosen-Gruppe der Forderung der IGBCE nach Beitritt zum Flächentarifvertrag eine Absage erteilt hatte, versammelten sich Mitte Februar rund 500 Beschäftigte vor dem Firmentor, um lautstark für einen Tarifvertrag zu demonstrieren. „Die Kundgebung war ein deutlicher Warnschuss an den Arbeitgeber, endlich an den Verhandlungstisch zu kommen“, sagt der im Bezirk Ibbenbüren zuständige Gewerk­schafts­sekretär Niklas Bollmann.

Auf Beschluss der Tarifkommission hat die IGBCE Anfang März die Forderung nach einem Haustarifvertrag aufgestellt und weitere Aktionen organisiert. „Der Arbeitgeber hat nicht verstanden, dass er uns nicht einfach ignorieren kann. Wir werden nicht lockerlassen“, macht Niklas Bollmann klar. Hendrik Niemeyer, Vorsitzender der Vertrauensleute, ergänzt: „Wenn der Arbeitgeber nicht einlenkt, muss er sich auf harte Auseinandersetzungen gefasst machen. Die Kolleginnen und Kollegen fordern insbesondere Transparenz und ein Mitspracherecht beim Thema Entgelt. Das alles gibt es nur mit Tarifvertrag.“

Seit zwei Jahren ist die IGBCE bei Rosen aktiv, nachdem sie die erstmalige Gründung eines Betriebsrats in der Geschichte des Unternehmens unterstützt hat. Eine Reaktion der Geschäftsführung stand bis Redaktionsschluss aus.

Gronau

Beschäftigte tragen die Risiken

Jobabbau trotz Millioneninvestition bei Haupt Pharma: Auf einer Belegschaftsversammlung stellte der Vorstandschef des Mutterkonzerns Aenova nach IGBCE-Angaben erneut hohe Investitionen in Aussicht. Trotzdem beabsichtige der Pharmahersteller, die Personalkosten weiter zu senken, sagt der kommissarische Bezirksleiter für Südniedersachsen, Michael Wolters. Weil sich das Unternehmen in finanzieller Schieflage befand, hatten IGBCE und Geschäftsführung erst im November 2025 einen Tarifvertrag unterschrieben, der eine Anhebung der Wochenarbeitszeit für die rund 280 Beschäftigten von 37,5 auf 40 Stunden besiegelte ohne Lohnausgleich. Gleichzeitig bedränge die Geschäftsführung diverse Mitarbeitende mit Aufhebungsverträgen, bestätigt Wolters. So solle die Zahl der Beschäftigten auf 240 abgesenkt werden. Dieses Vorgehen kritisiert er scharf: „Damit vermeidet die Geschäftsführung Kündigungen und Verhandlungen zu einem Sozialplan.“ Das Unternehmen spare bei Abfindungszahlungen und wähle selbst aus, von wem es sich trennen möchte. Die Belegschaft sei verunsichert und eingeschüchtert.

Anstatt die neuen Arbeitszeiten in einem vernünftigen Schichtplan zu regeln, sind die Beschäftigten gezwungen, 2,5 Minusstunden pro Woche anzusammeln. Mehr noch: Laut Wolters versuche der Arbeitgeber, „eine Betriebsvereinbarung über die Einigungsstelle durchzupeitschen, die maximale Flexibilität für den Arbeitgeber“ ermöglicht. „Sämtliche Risiken sollen damit komplett auf die Beschäftigten ausgelagert werden.“ Dagegen wehren sich Betriebsrat und IGBCE.