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Politik & Soziales
Grundstoffchemie
Wertschöpfungsketten gefährdet
Vassiliadis: „Es droht der Verlust kompletter Industriecluster.“
Foto: Denis Lochte
Die IGBCE warnt vor einem unkontrollierten Kapazitätsabbau in der chemischen Grundstoffproduktion – und macht sich deshalb für eine politisch konzertierte Konsolidierung der Branche stark, bei der in einem moderierten Prozess notwendige Kapazitäten und strategisch wichtige Standorte in Europa identifiziert und gesichert werden. „Wir appellieren an den Bundeskanzler, sich dafür in Europa starkzumachen und ihn gleichzeitig im eigenen Land anzuschieben“, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf der Jahrespressekonferenz der IGBCE Mitte März. Vorbilder für ein derart abgestimmtes Vorgehen gebe es bereits in Japan und Südkorea, wo geordneter Rückzug auf der einen und smarter Ausbau auf der anderen Seite Hand in Hand gingen.
Die Produktion von Grundstoffen in energieintensiven Großanlagen bildet das Herz nahezu jedes chemischen Verbundstandorts. Werden sie abgeschaltet, fehlen den meist direkt angebundenen Anlagen und Betrieben in der weiteren Wertschöpfungskette Vorprodukte, auf die sie zwingend angewiesen sind. So kann eine Cracker-Schließung unzählige Unternehmen und Tausende Arbeitsplätze in der direkten Nachbarschaft gefährden.
Derzeit erwägen viele Grundstoffhersteller entsprechende Schritte in ganz Europa. „Wir können nicht alle Jobs retten, aber wir müssen einen unkontrollierten Flächenbrand vermeiden. Und wir wollen für jeden Einzelnen eine Perspektive schaffen“, sagte der IGBCE-Vorsitzende.
Betriebsratswahlen
Gute Ergebnisse
In der Zentrale von Villeroy & Boch in Mettlach konnten die Kandidatinnen und Kandidaten der IGBCE bei einer Persönlichkeitswahl alle der elf zu vergebenden Mandate gewinnen. Auch in den Bereichen Bad & Wellness (Mettlach) sowie Dining & Lifestyle (Merzig) konnten die Kandidierenden der IGBCE wieder alle Mandate sichern. Die Wahlbeteiligung ging insgesamt leicht zurück.
Voller Erfolg für die IGBCE auch beim Chemiekonzern Ineos: Am Standort Köln besteht das 19-köpfige Gremium erneut komplett aus IGBCE-Kandidatinnen und -Kandidaten. Die Wahlbeteiligung betrug knapp 66 Prozent.
Bei Roche in Penzberg gewannen die IGBCE-Kandidatinnen und -Kandidaten 23 von 35 Sitzen. Die Wahlbeteiligung konnte von 44 auf mehr als 55 Prozent gesteigert werden.
European Industry Summit 2026
„Zeit für Lösungen“
Industrievertreter aus 25 Branchen diskutierten mit Politik und Verbänden.
Foto: European Chemical Industry Council – Cefic
Beim dritten Europäischen Industriegipfel in Antwerpen Anfang Februar trafen sich Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Verbänden, um über die Zukunft der europäischen Industrien zu beraten. Der europäische Verband industriAll Europe und der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) legten dabei die Sichtweise der Beschäftigten zur Bewältigung der schwierigen Lage der europäischen Industrie dar. In seiner Rede konzentrierte sich Michael Vassiliadis, Präsident von industriAll Europe und Vorsitzender der IGBCE, auf eine schonungslose Bewertung der Energie- und Klimapolitik Europas und forderte sofortige Maßnahmen, um einen fairen und wettbewerbsfähigen Übergang für Beschäftigte und Industrie gleichermaßen zu gewährleisten. „Wir wollen, dass Europa erfolgreich ist, aber dafür muss Europa einen gerechten, vorhersehbaren und investitionsgetriebenen Übergang wählen – einen Übergang, der die Beschäftigten einbezieht, die Industrie stärkt und die Klimaziele erreicht, die wir alle teilen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Jetzt ist es Zeit für Lösungen.“
wird in diesen Tagen das Montan-Mitbestimmungsgesetz alt – ein Meilenstein in der Geschichte der Mitbestimmung. Es wurde am 10. April 1951 vom Bundestag verabschiedet und trat letztendlich am 7. Juni 1951 in Kraft. Das Gesetz regelt die Mitbestimmung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Montanindustrie (Bergbau, Stahl, Eisen) und sieht unter anderem einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat mit einem zusätzlichen neutralen Mitglied vor.
Newsticker
Stärkere Vernetzung
Lieferkettengesetze in Deutschland und Europa stehen aktuell unter politischem Druck. Umso wichtiger ist es, dass Gewerkschaften konkrete Ansätze entwickeln, um die Rechte von Beschäftigten entlang globaler Lieferketten zu stärken. Denn die Erfahrungen von Beschwerdefällen in IGBCE-Betrieben im Ausland haben gezeigt, dass eine stärkere Vernetzung zwischen Beschäftigtenvertretungen in Deutschland und Gewerkschaften vor Ort helfen kann, Probleme früh zu lösen. Vor diesem Hintergrund hat die IGBCE mit ihren Schwestergewerkschaften in Brasilien ein entsprechendes Projekt in den Lieferketten von Bayer, BASF und Evonik gestartet. Es wird vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und von Sequa finanziert. Ziel des Projekts ist es zunächst, Wissen zu menschenrechtlicher Unternehmensverantwortung in Lieferketten zu vermitteln und Netzwerke zwischen deutschen Betriebsräten und Gewerkschaften vor Ort aufzubauen.
KAAT-Dialog
„Chancen und Herausforderungen von künstlicher Intelligenz (KI) im kaufmännischen und im Verwaltungsbereich“ und „Aufhebungsvereinbarung, Abwicklungsvertrag, Abfindung“ – das sind nur zwei Themen, denen sich der sechste KAAT-Dialog am 26. und 27. Juni 2025 widmet. Das Format richtet sich an kaufmännische, akademische und außertariflich beschäftigte IGBCE-Mitglieder sowie ihre Betriebsräte und Vertrauensleute. Mehr Infos: kaat.net.