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Tarifrunde Energie

Gutes Gesamtpaket geschnürt

Verhandelt wurde für die Beschäftigten des Energiekonzerns Eon und dessen Tochtergesellschaften sowie beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet.

Foto: Tennet TSO GmbH

Die dritte Verhandlungsrunde hat den Durchbruch gebracht: Nach schwierigen und intensiven Verhandlungen haben sich IGBCE, Verdi und Arbeitgeber Anfang Februar auf ein Ergebnis für die bundesweit rund 30.000 Energie­beschäftigten geeinigt. Der Abschluss bringt ihnen insgesamt sechs Prozent mehr Entgelt in zwei Stufen, eine Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro, die im Mai ausgezahlt wird (auch für Teilzeitbeschäftigte; Auszubildende und dual Studierende erhalten 500 Euro) sowie einen freien Tag mehr für Gewerkschaftsmitglieder.

IGBCE-Verhandlungsführer Patrick Leveringhaus hob hervor: „Die vielen Aktionen, Bilder und Videos von den Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben haben in den Verhandlungen den Unterschied gemacht. Vielen Dank für diese Unterstützung!“ Insgesamt sei mit dem Tarifabschluss ein gutes Gesamtpaket in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld gelungen: „Trotz einer langen Laufzeit sorgen wir damit für gute Lohnsteigerungen, die direkt ab dem 1. Februar greifen.“

Außerdem verbessert der Abschluss die Zukunftsaussichten für Auszubildende und dual Studierende: Die aktuellen Übernahmeregelungen werden bis zum Jahr 2031 verlängert und Regelungslücken geschlossen. Darüber hinaus werden die Tarifvertragsparteien und Sozialpartner ein klares Bekenntnis für die Ausbildung und ihrer zen­tralen Bedeutung schriftlich niederlegen.

BASF

Hunderte Jobs in Deutschland auf der Kippe

Lautstarker Protest: Rund 300 Beschäftigte demonstrierten am Prenzlauer Berg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Foto: KreativMedia/Marten Ronneburg

Die Mitteilung traf Anfang Februar die rund 3.000 Beschäftigten der BASF Services Europe GmbH am Berliner Prenzlauer Berg wie aus dem Nichts: Die Konzernspitze teilte mit, dass sie Tausende Jobs des konzerninternen Service- und IT-Geschäfts aus Deutschland nach Indien verlagern will. Dort soll bis zum Jahr 2028 ein neues Servicezentrum entstehen, das die Finanz- und Personaldienstleistungen bündelt. „Mit diesem beschäftigungspolitischen Schlag führt BASF nun ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem wir Tausende gute Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt geschaffen haben“, kommentierte der IGBCE-Vorsitzende und BASF-Aufsichtsrat Michael Vassiliadis die Pläne. Denn die Belegschaft leistet seit mehr als zwanzig Jahren einen erheblichen Beitrag zur Kostensenkung im Konzern, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.

Rückblende ins Jahr 2005: Damals stand BASF vor der Entscheidung, die internen Dienstleistungen – Finanzen, Personal, IT – in die Slowakei zu verlagern. Doch die IGBCE und BASF entschieden sich für einen anderen Weg. Gemeinsam schlossen sie einen unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrag, der Berlin als Standort konkurrenzfähig machen sollte. Die Beschäftigten akzeptierten dafür Bedingungen, die weit unter dem liegen, was im Chemie-Flächen­tarif­vertrag üblich ist. Etwa eine längere Wochenarbeitszeit und eine rund zwanzig Prozent geringere Vergütung als in der Fläche. Tom de Laar, Betriebsrat am Standort, erklärte auf einer Demonstration Ende Februar: „Wir haben geliefert. Wir haben gespart – und nun sollen wir einfach verlagert werden. Das ist ein Angriff auf die Sozialpartnerschaft.“ An der Demonstration hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner teilgenommen und seine Unterstützung zugesagt.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner betonte: „Wir wollen gemeinsam mit euch um jeden Arbeitsplatz kämpfen.“

Foto: Picture Alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Für die Gewerkschaft ist klar: Mit der Ankündigung, die Arbeitsplätze zu verlagern, entfällt für die IGBCE die Geschäftsgrundlage für den unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrag. Nun muss eine neue Tarifstrategie gefunden werden.

Neben dem Berliner Service Hub sind auch weitere Hunderte Arbeitsplätze der BASF Digital Solutions GmbH (BDS) an mehreren Standorten bundesweit von der Verlagerungswelle betroffen. Nachdem das Unternehmen Ende Januar im Rahmen der Strategie für seine Global Digital Services eine weitere Verschärfung des Sparkurses angekündigt hat, fürchten viele Beschäftigte der BDS in Ludwigshafen und Schwarzheide um ihre Jobs. Am Rhein, so befürchten viele, könnten mindestens 700 der rund 1.700 Jobs wegfallen.

Die Ankündigung, dass zahlreiche hoch qualifizierte Arbeitsplätze nach Indien verlegt werden, kam auch hier für Arbeitnehmervertretung und Belegschaft überraschend. „Eine Veränderung in dieser Dimension habe ich bisher noch nie erlebt“, kommentiert der Betriebsratsvorsitzende der BDS am Standort Ludwigshafen, Dirk Austen. Genaue Zahlen möchte er jedoch nicht bestätigen.

Newsticker

Papier erzeugende Industrie

Bei einem Treffen von IGBCE und Arbeitgeberverband DPI (Die Papierindustrie) Ende Januar stand einmal mehr das Thema Mitgliederbonus auf der Agenda. Beide Seiten hatten sich beim Tarifabschluss im Dezember 2024 verbindlich verpflichtet, in Gespräche zu einer Vorteilslösung für IGBCE-Mitglieder einzusteigen. In der Tarifrunde in diesem Jahr soll das Ergebnis präsentiert werden. IGBCE-Verhandlungsführer Frieder Weißenborn: „Bisher haben die Arbeitgeber keine Grundsatzentscheidung getroffen.“ Deshalb habe die IGBCE ihnen bei dem Treffen einmal mehr deutlich gemacht, dass es Sozialpartnerschaft zukünftig nur noch mit Mitgliederbonus gebe. „Die Arbeitgeber müssen jetzt entscheiden, wie es weitergeht“, so Weißenborn.

Exxon Mobil

Nach Monaten der Unsicherheit können die rund 800 Exxon-Mobil-Beschäftigten aufatmen: IGBCE und Arbeitgeber haben sich Mitte Februar auf einen Tarifabschluss geeinigt, der die Tarifbindung wiederherstellt – im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen alle Tarifverträge mit der IGBCE gekündigt – und für mehr Geld im Portemonnaie der Beschäftigten sorgt. Ab ­Februar 2026 steigen die Entgelte um 2,4 Prozent, die Ausbildungsvergütungen um 40 Euro pro Monat. Ab 2026 steigt das Urlaubsgeld um 375 Euro auf 3.500 Euro jährlich. Außerdem erhalten die Beschäftigten im Februar 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von 1.500 Euro (Azubis 360 Euro).