Behringwerke:
3.000 bei Demo
Sie wehren sich dagegen, dass die Arbeitgeber den Pharma- und Biotechnologiestandort kaputt machen: Am 4. März herrschte vor den Behringwerken in Marburg Ausnahmezustand.
Hier kommt kein Lkw durch: Die Beschäftigten versammelten sich auf der Hauptzufahrt zum Betriebsteil Görzhausen.
Ein buntes Meer aus Fahnen und Transparenten, dazu der Lärm von Trillerpfeifen und Ratschen: Die Hauptzufahrt zum Standort Behringwerke in Marburg, Werksteil Görzhausen, war am 4. März für mehrere Stunden dicht. Mehr als 3.000 Menschen haben dort ab 12:05 Uhr auf Aufruf der IGBCE demonstriert. Sie wehren sich gegen den permanenten Stellenabbau der Arbeitgeber am Standort. Innerhalb von acht Monaten haben sie mehr als 1.000 Arbeitsplätze vernichtet, und nun sollen Hunderte folgen.
Aus Wiesbaden war der hessische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Kaweh Mansoori gekommen. Eine Reihe von Beschäftigten trat bei der Demo ans Mikrofon: Mitglieder von Betriebsräten, Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) und IGBCE-Vertrauensleute.
„Es reicht“, sagte Anne Weinschenk, Bezirksleiterin Mittelhessen. „Wir lassen nicht zu, dass die Arbeitgeber den Standort kaputt machen!“ In Bezug auf die Pläne von CSL Behring, rund 15 Prozent der Belegschaft – das entspricht etwa 400 Stellen – abzubauen, hob sie hervor: „Es gibt dazu keine wirtschaftliche Notwendigkeit. Das ist pure Gier, pure Willkür. Wir stehen hier, um den Arbeitgebern zu sagen: Nicht mit uns!“
Es reicht!
Anne Weinschenk,
Bezirksleiterin Mittelhessen
Überraschend hatte der CSL-Konzern am 10. Februar bekannt gegeben, dass Paul McKenzie, bis dahin Geschäftsführer des internationalen Unternehmens, in den Ruhestand geht. Viele halten ihn für verantwortlich für die Schließung der Forschungssparte CSL Innovation und den nun geplanten Stellenabbau. „Er ist gegangen, und das ist auch gut so“, sagte Rebar Barmeny, IGBCE-Vertrauensmann und Betriebsratsvorsitzender bei CSL Behring. Zugleich machte er im Namen der Vertrauensleute klar, dass die Beschäftigten Respekt erwarten. „Wir sind keine Nummern. Ohne uns läuft gar nichts. Wir lassen nicht los, bis die gelernt haben, dass sie das nicht mit uns machen können!“
Das zweite große Problem am Standort: Die Ausbildungszahlen gehen massiv nach unten. Anne Weinschenk: „Das ist ein ganz schlechtes Signal für die Zukunft, für die Versorgung mit Fachkräften. Wie soll es dann in einigen Jahren hier weitergehen? Und vor allem: Mit wem?“
Daniel Philipp Jurk, JAV-Vorsitzender bei CSL Behring, warnte vor der Entwicklung: „Es trifft Marburg, eine Stadt, die von Ausbildung lebt.“ Er appellierte an die Arbeitgeber, Auszubildenden und dual Studierenden eine klare Perspektive zu bieten. „Zukunft entsteht, wenn Klarheit vor Unsicherheit steht und Planbarkeit vor Zufall. Wenn wir Transparenz und Planbarkeit in den Mittelpunkt stellen, gewinnen der Standort und Marburg.“
Auf der Bühne: Landesbezirksleiterin Sabine Süpke, Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori, Anne Weinschenk, Leiterin Bezirk Mittelhessen, und der JAV-Vorsitzende bei CSL Behring, Daniel Philipp Jurk.
Niklas Werner, Mitglied des Bezirksjugendausschusses, warnte davor, dass der Bildungsdienstleister Provadis bei zu niedrigen Ausbildungszahlen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könne. „Das bedeutet konkret: Wenn sich der Trend fortsetzt, ist die Ausbildung bei Provadis tot.“
Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori sagte den Demonstrierenden die Unterstützung von Politik und Landesregierung zu. „Es ist ein starkes Bild, wie viele hier auf dem Platz sind und bereit sind, zu kämpfen. Wir werden diesen Kampf gemeinsam führen!“ Die Entwicklung in Marburg stehe stellvertretend für das, was derzeit an vielen Standorten in Hessen geschehe. „Es ist der nächste große Schlag für diesen Standort. Marburg ist ein starker Pharmastandort – und wir werden alles dafür tun, dass das auch so bleibt.“
Landesbezirksleiterin Sabine Süpke stellte den Bezug zur Tarifrunde Chemie her. Sie erinnerte an die zweite große Forderung der IGBCE in den Verhandlungen: nach Beschäftigungssicherung. „Morgen werden uns die Unternehmen nach den Fachkräften fragen.“