Politischer Austausch
Seit vielen Jahren ist der Neujahrsempfang von Landesbezirk Baden-Württemberg und Bezirk Stuttgart gesetzt. Rund hundert Gäste, darunter zahlreiche Betriebsrätinnen und Betriebsräte, kamen dieses Mal nach Ludwigsburg. Zu Gast war auch IGBCE-Chef Michael Vassiliadis.
Kai Königshausen (ganz links) und Markus Deissler (ganz rechts) moderierten die Gesprächsrunde zur Zukunft der Sozialpartnerschaft mit (von links) Michael Vassiliadis (IGBCE), Andreas Stoch (SPD) und Timo Ziegler (Bezirksvorstand Stuttgart).
Inmitten der Chemie-Tarifrunde und nur wenige Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg (siehe News-Artikel) sorgten die führenden Themen des traditionellen Neujahrsempfangs, veranstaltet vom Landesbezirk Baden-Württemberg und vom Bezirk Stuttgart, einen Abend lang für reichlich Gesprächsstoff: Sozialpartnerschaft und Demokratie – beides an sich sind bereits hochpolitische Themen. Trotzdem ließ es sich IGBCE-Landesbezirksleiterin Catharina Clay nicht nehmen, auch die tagesaktuellen Debatten auf der Bundesebene aufzunehmen, und stellte klar: „Wir wehren uns entschieden dagegen, dass Beschäftigte pauschal als faule, leistungsschwache Blaumacher definiert werden. Das ist respektlos.“
Auch für das Netzwerken blieb vor und nach der Veranstaltung noch ausreichend Zeit.
IGBCE-Landesbezirksleiterin Catharina Clay (am Rednerpult) begrüßte die Gäste.
Festredner und IGBCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis betonte sein Verständnis der in der Chemiebranche etablierten Sozialpartnerschaft: „Wir verstehen diese nicht als Anhängsel von Kostenmanagement, sondern als demokratisches Prinzip der Teilhabe – im Aufschwung wie in der Krise“, sagte er mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Situation. Die Zukunft guter Arbeit hänge an Haltung und an Verantwortungsbewusstsein auf beiden Seiten des Verhandlungstischs. „Darum erwarten wir von den Arbeitgebern, dass sie sich dieser Verantwortung stellen. Nicht mit Lippenbekenntnissen, sondern mit gemeinsamen Konzepten für sichere Beschäftigung, für Qualifizierung und für Investition in Zukunft.“
Andreas Stoch, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD Baden-Württemberg, will diese Zusammenarbeit stärken. „Mein Ziel ist es, den konstruktiven Dialog zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten auszubauen, Tarifbindung zu stärken und Weiterbildungsangebote zu fördern“, sagte der Politiker.
Wie sehr auch Arbeitgeber von Tarifverträgen profitieren, führte Timo Ziegler, Betriebsratsvorsitzender von Roche Diagnostics Automation Solutions in Ludwigsburg, aus. Er kommt aus einem mittelständischen Betrieb, den der Schweizer Pharmakonzern 2011 übernahm. 2018 ebnete ein Überleitungstarifvertrag den Weg zur vollständigen Umsetzung des Chemie-Tarifs 2022. Wo es früher im Betriebsrat viele Gespräche und Sorgen über faire Entlohnung und klare Entwicklungsmöglichkeiten gegeben habe, sei jetzt „echt Ruhe hereingekommen“, schilderte er vor den rund hundert Gästen einen klaren Vorteil für alle.
Traditionell waren auch die Sozialpartner mit dabei. Von ihnen wünscht sich Bezirksleiter Andreas Klose (rechts) mehr klare Kante gegen Populismus.
Klare Positionierungen bei einem ganz bestimmten Thema wünschte sich Bezirksleiter Andreas Klose in seinem Statement von den Arbeitgebern. „Auch sie müssen stärker sagen, wie sehr sie Hetzparolen ablehnen“, spannte er den Bogen zur Landtagswahl und betonte zugleich: „Die Sozialpartnerschaft ist jetzt wichtiger denn je.“
Dem stimmte Ulrich Fluck, Vorstand der Südwestdeutschen Salzwerke, zu. Das Miteinander sei von konstruktivem, gemeinsamem Interesse getrieben – mit Einsatz auch auf der politischen Ebene. Fluck wünschte sich zugleich, dass die Politik endlich dereguliert. Wenn diese den Strompreis nicht mit so vielen gesetzlichen Steuern und Abgaben erhöht hätte, bräuchte es auch keinen Industriestrompreis.