News
Vor Ort: Baden-Württemberg
Stuttgart/Plochingen
Altersfreizeit als Bonus?
Auch Ceramtec-Beschäftigte (oben und unten) beteiligten sich bei der bundesweiten Unterschriftenaktion im Vorfeld der Tarifrunde.
Foto: Mustafa Acarli
Mustafa Acarli ist Betriebsratsvorsitzender bei Ceramtec, Hersteller und Entwickler von technischer Keramik. Als Teil der Bundestarifkommission hat er den jüngsten Feinkeramik-Tarifabschluss mitverhandelt. „Die Tarifrunde fiel in eine miserable wirtschaftliche Stimmung“, blickt er zurück, sagt aber auch: „Mit insgesamt 4,5 Prozent müssen wir uns nicht verstecken.“
Denn die Entgelte stiegen zum 1. März um 2,0 Prozent, zum 1. März 2027 dann noch mal um weitere 2,5 Prozent. Zudem wurde vereinbart, dass IGBCE und Arbeitgeber eine gemeinsame Arbeitsgruppe einrichten, die Vorschläge für einen Bonus für Gewerkschaftsmitglieder in Verbindung mit Altersfreizeiten erarbeiten soll. „Gut möglich also, dass künftig die im Manteltarifvertrag vorgesehenen Tage zur Altersfreizeit nur noch für IGBCE-Mitglieder gelten“, sagt er. Damit die Arbeitsgruppe keine bloße Absichtserklärung bleibt, stehen bereits drei Gesprächsrunden verbindlich fest. „Die erste findet bis spätestens 1. Juli statt“, so Acarli.
Mit einer Unterschriftenaktion hatte die IGBCE ein starkes Zeichen gesetzt: Tausende Beschäftigte in Dutzenden Betrieben hatten mit ihren Unterschriften deutlich gemacht, dass sie die Forderungen der Gewerkschaft unterstützen. Schlussendlich habe auch das Eindruck auf die Arbeitgeber gemacht und den Druck erhöht.
Foto: Mustafa Acarli
Zur Landtagswahl
Liebe Kolleginnen
und Kollegen,
die Grünen haben bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg jüngst das beste Zweitstimmenergebnis erhalten, daher haben sie künftig 56 Mandate und damit genauso viele wie die zweitplatzierte CDU. Beide Parteien tragen entsprechend Verantwortung für die Zukunft des Landes und des Industriestandorts. Wir gratulieren zum Wahlergebnis und erwarten eine schnelle Regierungsbildung mit einem realistischen Blick auf die Herausforderungen der Industrie.
Der IGBCE-Landesvorstand fordert hierzu eine Industriestrategie, die im gemeinsamen Dialog von Regierung, Unternehmen, Beschäftigten und Gewerkschaften erarbeitet wird. Zentrale Punkte sind Verfügbarkeit, Verlässlichkeit und Bezahlbarkeit von Energie für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen. Ebenso braucht die Transformation der Industrie klare, verbindliche Rahmenbedingungen und gezielte Förderprogramme. Dabei gilt für uns ein zentraler Grundsatz: Öffentliche Unterstützung muss immer mit Standort- und Beschäftigungssicherung verknüpft sein.
Die IGBCE ist hier bereit, zukunftsorientierte Lösungen konstruktiv mitzugestalten. Auch in Zukunft werden wir als Gewerkschaft klar und laut für starke Rechte von Beschäftigten und für den Industriestandort Baden-Württemberg eintreten.
Chemie-Tarifrunde