Praxis & Wissen

Ratgeber Leben

Genau hinschauen

Text Katrin Schreiter – Illustration Tim Dinter

Es beginnt meistens ganz harmlos: Plötzlich stapelt sich das schmutzige Geschirr, die Post bleibt ungeöffnet, immer häufiger werden Termine abgesagt. Nicht jeder ältere Mensch braucht zwangsläufig Unterstützung. Es gibt jedoch typische Hinweise darauf, dass die Eltern im Alltag nicht mehr allein zurechtkommen und auf Hilfe angewiesen sind.

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In den ersten Lebensjahren bestimmen Eltern, was für ihre Kinder das Beste ist. Doch wenn Mutter oder Vater älter werden, kehrt sich das Verhältnis meist um. Die Kinder schauen häufiger vorbei, erledigen den Einkauf, füllen Formulare aus oder übernehmen Dinge im Haushalt. Neben der schnellen Unterstützung stellt sich dabei eine Frage: Sind die Eltern pflegebedürftig?

„Oft ist das ein schmaler Grat“, sagt Felizitas Bellendorf, Referentin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Gerade für Kinder ist es häufig schwer, die Situation realistisch einzuschätzen“, erklärt die Pflegeexpertin. „Zum einen, weil man emotional oft nicht wahrhaben möchte, dass die eigenen Eltern älter werden. Zum anderen, weil Eltern ihren Kindern häufig nicht zeigen wollen, dass sie Hilfe brauchen nicht zuletzt, um sie zu beruhigen und nicht zusätzlich mit Sorgen oder Arbeit zu belasten.“

Bellendorf empfiehlt, sich an eine Pflegeberatung zu wenden die gibt es bei den Pflegekassen und von Pflegestützpunkten oder Pflegeberatungsstellen vor Ort. Das qualifizierte Personal hilft, passende Angebote zu organisieren, vom offenen Mittagstisch bis zur Tagespflege. Außerdem unterstützen die Beraterinnen und Berater, wenn es darum geht, einen Pflegegrad zu beantragen.

„Wichtig ist vor allem, dass Fachleute aus der Pflegeberatung die tatsächliche Situation einschätzen“, erklärt die Verbraucherschützerin. Das helfe den Kindern, die Lage besser zu akzeptieren. „So wie es Helikoptereltern gibt, gibt es auch Helikopterkinder, die alles übernehmen möchten. Doch nur weil ein älterer Mensch langsamer ist, kann er dennoch vieles selbst erledigen.“

Es gibt einige Signale, die auf eine Pflegebedürftigkeit hindeuten, etwa die Gehgeschwindigkeit.

Ingo Froböse,
emeritierter Professor für Prävention und Rehabilitation

Nachlassende Aktivität

Ganz genau hinzuschauen dazu rät auch Ingo Froböse, emeritierter Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Es gibt einige Signale, die auf eine Pflegebedürftigkeit hindeuten, etwa die Gehgeschwindigkeit. Können Menschen weniger als einen Meter pro Sekunde gehen, kann das ein Hinweis sein.“ Auch die Muskelkraft könne Aufschluss geben, weiß Froböse. Wie du sie testen kannst? „Innerhalb von 15 Sekunden sollte man fünfmal ohne Hilfe der Arme vom Stuhl aufstehen.“ Das sei zugleich eine gute Übung, um fit zu bleiben.

Eine baldige Pflegebedürftigkeit zeige sich zudem in nachlassender Aktivität. „Dann tauchen immer mehr Ausreden auf, warum man nicht mehr zu Freundinnen und Freunden, in den Garten, zum Kegelverein oder zur Skatrunde gehen möchte“, sagt der Sportwissenschaftler. „Ein Teufelskreis: Wer sich nicht bewegt, dem schwinden die Kräfte – und dann fällt es noch schwerer, das Haus zu verlassen.“

Sein Fazit: „Isolation erhöht das Risiko für Pflegebedürftigkeit, Muskeltraining verringert es. Viel laufen – das geht auch mit einem Rollator – und Musik in den Alltag bringen, die die Stimmung hebt, hilft enorm“, so Froböse. „Auch ist es wichtig, dass man seinen Eltern nicht alles abnimmt. Sie brauchen täglich Aufgaben, um aktiv zu bleiben.“

Pflegebedürftig was dann?

Sobald feststeht, dass Hilfe notwendig ist, beginnt der organisatorische Prozess. Der allererste Schritt ist ein Termin bei der Hausärztin oder dem Hausarzt, um die medizinischen Ursachen abzuklären. Parallel dazu folgt die Antragstellung bei der Pflegekasse. Ein Anruf bei der zuständigen Krankenkasse genügt, um den Pflegeantrag in die Wege zu leiten. Nach Eingang des Antrags folgt in der Regel die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, der den Pflegegrad der Eltern anhand eines strukturierten Fragenkatalogs feststellt.

Careflex Chemie

„Die Bevölkerung altert zunehmend. Vor allem bei den über 80-Jährigen wird die Pflegebedürftigkeit deutlich zunehmen. Fachleute schätzen, dass die Zahl bis 2035 auf bis zu 6,3 Millionen Menschen ansteigen wird“, sagt Jonas Witte, Geschäftsführer der IGBCE Bonusagentur.

Vor dem Hintergrund hat die IGBCE mit den Chemie-Arbeitgebern in der Tarifrunde 2019 die erste tarifliche Pflegezusatzversicherung Careflex Chemie vereinbart. Seit 2021 ergänzt Careflex Chemie die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und mildert bei Eintritt eines Pflegefalls die Finanzierungslücke. Damit haben die Beschäftigten in der chemischen und der pharmazeutischen Industrie eine Grundabsicherung, die dazu beitragen kann, die persönliche Pflegelücke zu schließen.

Und das Beste: Beschäftigte können ihren Versicherungsschutz individuell aufstocken und sogar Familienangehörige wie Partner*in, Kinder oder Eltern mitversichern. Mehr als 30.000 Aufstockungsverträge wurden bereits abgeschlossen.

Mehr Informationen zum Thema Pflegeversicherung findest unter: www.igbce-bonusagentur.de