Weichen gestellt für NRW
Nach der Zusammenlegung der Landesbezirke Nordrhein und Westfalen startet die IGBCE in NRW mit neuer Führung in eine Phase tiefgreifender industrieller und politischer Herausforderungen.
Aus Nordrhein und Westfalen wird NRW. Den neuen Landesbezirk leiten wird Thomas Meiers.
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Der politische Jahresauftakt 2026 machte deutlich, unter welchem Druck Industrie, Beschäftigte und Mitbestimmung in Nordrhein-Westfalen derzeit stehen. Hohe Energiepreise, unsichere Investitionsperspektiven und wackelnde Verbundstrukturen in der Grundstoffindustrie prägen die Lage – insbesondere in der Chemie. Es ging um mehr als einen formalen Jahresauftakt. Vor diesem Hintergrund ging von der Veranstaltung in Köln ein klares Signal aus: Industrielle Wertschöpfung und gute Arbeit in Nordrhein-Westfalen müssen gesichert werden.
In diesem Kontext wählte der Landesbezirksvorstand die neue Führung des Landesbezirks NRW. Thomas Meiers wurde zum Landesbezirksleiter gewählt, Katrin Locker und Sophia Schönborn zu stellvertretenden Landesbezirksleiterinnen. Das neue Leitungsteam übernimmt seine Aufgaben in einer Phase, in der tarifliche Auseinandersetzungen, industriepolitische Debatten und strukturelle Veränderungen eng miteinander verknüpft sind.
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Thema Transformation
Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis ordnete den Jahresauftakt vor dem Hintergrund der weiterhin schwierigen industriepolitischen und wirtschaftlichen Lage ein. Transformation gelinge nicht von allein, sondern erfordere gezielte Investitionen, klare politische Rahmenbedingungen und eine aktive Rolle der Sozialpartner. Zugleich würdigte er den langjährigen gemeinsamen Weg mit Frank Löllgen und betonte das besondere Engagement des scheidenden Landesbezirksleiters: „Frank Löllgen hat die IGBCE über viele Jahre geprägt und sich überall dort, wo er Verantwortung getragen hat, den Herausforderungen des Strukturwandels gestellt.“
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Verlässlicher Dialog ist wichtig
Auch aus der Landespolitik kam ein klares Signal. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, sprach über Arbeit und Sozialpartnerschaft in Nordrhein-Westfalen und betonte die Bedeutung eines verlässlichen Dialogs zwischen Politik, Gewerkschaften und Betrieben. Gerade in Zeiten tiefgreifender industrieller Veränderungen brauche es Verlässlichkeit und Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten. „Sozialpartnerschaft heißt, auch in schwierigen Phasen miteinander im Gespräch zu bleiben. Das hat Frank Löllgen immer eingefordert – und genau das brauchen wir für Nordrhein-Westfalen weiterhin“, sagte der Minister.
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Den Blick nach vorn richteten Markus Steilemann, Präsident des Verbands der Chemischen In-dus-trie, sowie Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. In ihrem Input betonte Neubaur das gemeinsame Ziel, Arbeitsplätze zu sichern, neue Investitionen zu ermöglichen und den Wandel hin zu einer klimaneutralen Indus-trie so zu gestalten, dass er den Menschen – auch den nächsten Generationen – nutzt. Dafür brauche es jetzt auch klare Unterstützung aus Berlin und Brüssel. Neubaur: „Nordrhein-Westfalen ist und bleibt ein starkes Chemieland. Mir ist wichtig, dass Politik, Unternehmen und Gewerkschaften weiterhin eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Gute Arbeit, Mitbestimmung und faire Tarifverträge gehören dabei fest dazu.“
Blick zurück und nach vorn
Der politische Jahresauftakt 2026 verband bewusst Rückblick und Ausblick: die Auseinandersetzung mit den aktuellen industriepolitischen Herausforderungen, die Wahl einer neuen Landesbezirksleitung – und die Würdigung eines Gewerkschafters, der den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen über viele Jahre mitgeprägt hat.
Hat den Landesbezirk Nordrhein über viele Jahre geprägt: Frank Löllgen.
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Zum Abschied von Frank Löllgen
Ein prägender Weggefährte
Mit dem politischen Jahresauftakt endet zugleich eine prägende Phase für die IGBCE in Nordrhein-Westfalen. Nach rund zwölf Jahren an der Spitze des Landesbezirks Nordrhein wurde Frank Löllgen verabschiedet. Sein Name steht für Klarheit, Kontinuität und für eine Gewerkschaftsarbeit, die Veränderung stets klug mit dem Anspruch auf gute Arbeit und starke Mitbestimmung verbunden hat. Vom Strukturwandel im Rheinischen Revier bis zu den aktuellen Transformationsfragen in der chemischen Industrie war Frank Löllgen ein verlässlicher Ansprechpartner und Gestalter – für Betriebe, Beschäftigte und die Organisation. Die IGBCE verabschiedet mit ihm nicht nur einen Landesbezirksleiter, sondern einen Weggefährten, der die IGBCE über die Grenze Nordrheins hinaus nachhaltig geprägt hat.