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Vor Ort: Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen
Stärke bündeln, Zukunft gestalten
Grafik: Leo Ammelung
Der neue Landesbezirk NRW bündelt Verantwortung, Zuständigkeiten und Ressourcen, um die Interessen der Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen wirksam zu vertreten. Als größter Landesbezirk der IGBCE steht er für eine handlungsfähige Organisation, die tarifliche, betriebliche und politische Themen eng verzahnt.
Nordrhein-Westfalen zählt zu den bedeutendsten Industriestandorten Deutschlands. Etliche wichtige Branchen prägen die Wirtschaftsstruktur des Landes. Mit rund 170.000 Mitgliedern in mehr als 900 Betrieben ist der Landesbezirk NRW der mitgliederstärkste innerhalb der IGBCE. Diese Stärke soll verlässlich in die Betriebe wirken – durch klare Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, kurze Wege sowie eine enge Verbindung von Tarifarbeit, Mitbestimmung, Bildung und politischer Interessenvertretung.
An der Spitze des Landesbezirks steht Thomas Meiers, ehemaliger Landesbezirksleiter Westfalen. Unterstützt wird er von Katrin Locker und Sophia Schönborn. Gemeinsam verantworten sie die strategische Ausrichtung und die Koordination der landesweiten Arbeit. Klare Zuständigkeiten in den Bereichen Tarif, Bildung, Partizipation, Jugend, Gute Arbeit und Demografie sowie Kommunikation schaffen Transparenz und Verlässlichkeit – nach innen und außen.
Der Landesbezirk NRW versteht sich als politisch gestaltende Kraft. Er bringt die Perspektiven der Beschäftigten in industrie-, arbeitsmarkt- und strukturpolitische Debatten ein und setzt sich für tarifgebundene Arbeit, gute Rahmenbedingungen und starke Mitbestimmung ein. Mit dem Ziel: Interessen klar vertreten, den Wandel aktiv gestalten – nah an den Betrieben, stark in der Mitbestimmung, fest verankert in Nordrhein-Westfalen.
Köln/Bochum
Warum eine Nullrunde keine Option ist
Zum Auftakt der regionalen Verhandlungsrunden in Köln (Foto) und Bochum hat die IGBCE-Jugend lautstark auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht.
Foto: Leo Ammelung
Jeder Job und jeder Euro zählen
Im Zentrum der Tarifrunde stehen deshalb zwei eng miteinander verknüpfte Forderungen: verlässliche Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und spürbare Entgeltsteigerungen. Sie gelten für die bundesweit rund 585.000 Beschäftigten der Branche und folgen dem von der Bundestarifkommission der IGBCE im Dezember beschlossenen Leitsatz: „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt.“
Thomas Meiers, Landesbezirksleiter NRW und Verhandlungsführer für beide Tarifbezirke, machte in den Gesprächen unmissverständlich klar, worum es aus Sicht der Gewerkschaft geht. „Die Lage der chemischen Industrie ist in Teilen herausfordernd. Das darf aber nicht bedeuten, dass alle Probleme der Branche auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Gleichzeitig gibt es Betriebe und Bereiche, in denen es gut läuft“, sagte Meiers.
Zugleich gab es in Nordrhein einen ersten Teilerfolg. Für den Tarifbezirk Nordrhein sagten die Arbeitgeber zu, regionale Initiativen für Ausbildung und Werkfeuerwehren gemeinsam auf den Weg zu bringen. Ziel ist es, Fachkräfte zu sichern und die industrielle Infrastruktur an den Standorten zu stärken. Für die IGBCE ist das ein wichtiges Signal – ersetzt jedoch nicht die weiterhin offenen Forderungen.
Auch aus der Tarifkommission Nordrhein kommt eine klare Erwartung an die Arbeitgeber. Arthur Oblong, Betriebsratsvorsitzender der Currenta GmbH, sagte: „Die Zusage zu Ausbildung und Werkfeuerwehren zeigt, dass sich etwas bewegen lässt. Jetzt müssen die Arbeitgeber auch bei Beschäftigungssicherung und Entgelt nachlegen.“
Hinzu kommt: Auch auf politischer Ebene wurden in den vergangenen Monaten Maßnahmen angestoßen, um die chemische Industrie zu stabilisieren und Investitionen zu ermöglichen. Diese sollen wirken und Perspektiven eröffnen. Für die IGBCE ist das ein weiteres Argument, warum Beschäftigung gesichert und Kaufkraft gestärkt werden müssen.
Dass die regionalen Verhandlungen ohne Ergebnis geblieben sind, ist in der Chemiebranche kein ungewöhnlicher Schritt. Die Tarifverhandlungen beginnen auf regionaler Ebene. Bleiben diese Gespräche ohne Ergebnis, werden die Verhandlungen auf Bundesebene fortgesetzt – beginnend am 3. Februar 2026 in Hannover.
In Köln und Bochum ist vor allem eines deutlich geworden: Die Fragen sind dieselben. Wie lässt sich Transformation gestalten, ohne Beschäftigung zu verlieren? Wie bleibt die Chemieindustrie wettbewerbsfähig, ohne die Einkommen auszuhöhlen? Und wie ernst nehmen die Arbeitgeber ihre Verantwortung in einer Phase tiefgreifender Umbrüche? Die Antworten darauf stehen noch aus. Klar ist: Die Tarifrunde ist noch nicht entschieden.