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Tarifrunde Feinkeramik
4,5-Prozent-Plus in zwei Stufen
Unterschriftenaktion: Vor den Verhandlungen setzten Mitglieder der Tarifkommission ein starkes Zeichen der Verbundenheit in Richtung Arbeitgeber.
Foto: IGBCE
Die dritte Verhandlungsrunde für die 18.000 Beschäftigten in der feinkeramischen Industrie hat am 21. Januar endlich ein Ergebnis gebracht: IGBCE und Arbeitgeber einigten sich nach stundenlangen Verhandlungen bis in den späten Abend auf Entgelterhöhungen sowie eine gemeinsame Arbeitsgruppe, die Vorschläge für einen Bonus für Gewerkschaftsmitglieder in Verbindung mit Altersfreizeiten erarbeiten soll. Die Entgelte werden ab dem 1. März 2026 um 2,0 Prozent erhöht, zum 1. März 2027 steigen sie um weitere 2,5 Prozent bei einer Laufzeit von insgesamt 24 Monaten. Die Ausbildungsvergütungen steigen deutlich.
Moritz Hautmann, Verhandlungsführer der IGBCE, betont: „Die Verhandlungen waren sehr intensiv und hart. Am Ende haben wir einen Kompromiss errungen, der in der aktuellen wirtschaftlichen Lage angemessen ist und mit der Arbeitsgruppe in der Zukunft einen Vorteil für unsere Mitglieder bringen wird. Wichtig ist, dass die Beschäftigten keinen Reallohnverlust hinnehmen müssen.“
Mit einer Unterschriftenaktion hatte die IGBCE vor Verhandlungsbeginn ein starkes Zeichen gesetzt: Tausende Beschäftigte in Dutzenden Betrieben hatten mit ihren Unterschriften deutlich gemacht, dass sie die Forderungen der IGBCE unterstützen. Schlussendlich habe auch das Eindruck auf die Arbeitgeber gemacht und den Druck erhöht.
Die Beschäftigten der Branche sind in den Sparten Porzellan, Sanitärkeramik und technische Keramik tätig.
Adidas
„Luft nach oben“
Netzwerktreffen in Indonesien.
Foto: IGBCE
Bei einem Netzwerktreffen in Indonesien tauschen sich Mitte Januar rund zwei Dutzend Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Kambodscha, Indonesien, Pakistan, Indien und Myanmar sowie von der IGBCE über die Arbeits- und Umweltstandards in den internationalen Lieferketten des Sportartikelherstellers Adidas aus. Die Teilnehmenden blickten mit Sorge auf das Vorgehen von Adidas in Deutschland. Sie berichteten vom Auftreten des Dax-Konzerns vor Ort, den Arbeitsbedingungen in den asiatischen Zulieferbetrieben, vom mangelnden Schutz der Beschäftigten und den Schwierigkeiten rund um das Thema faire Bezahlung beziehungsweise tarifvertragliche Regelungen.
Erste Erkenntnisse fasste IGBCE-Vorstand Alexander Bercht so zusammen: „Zulieferbetriebe spielen eine wichtige Rolle in der globalen Lieferkette von Adidas. Die Berichte darüber, dass die Beschwerdemechanismen nicht einheitlich geregelt sein sollen, erzeugen den Eindruck: Da ist noch Luft nach oben.“ Um die Standards in der Adidas-Lieferkette im Blick zu behalten, soll nun ein internationales Adidas-Netzwerk im Rahmen von IndustriAll Global gegründet werden.
Inklusionspreis der IGBCE
Besonderes Engagement gewürdigt
Karl-Heinz Sonnet (links), Schwerbehindertenvertreter der Quarzwerke GmbH, und Klaus Hummel, Konzernschwerbehindertenvertreter von BASF Digital Solutions, nahmen den Preis von Birgit Biermann entgegen.
Foto: Nicole Strasser
Wo sich Arbeitsplätze veränderten, wo neue Technologien kämen, wo Standorte umgebaut würden, seien es die Schwerbehindertenvertretungen (SBVen), die dafür sorgten, dass Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung nicht hinten runterfielen, betonte die stellvertretende IGBCE-Vorsitzende Birgit Biermann auf der 19. SBV-Jahrestagung im Dezember. Um positive Beispiele für Inklusion zu würdigen, wird seit 2024 im Rahmen der Tagung der Inklusionspreis der IGBCE verliehen. Er ging in diesem Jahr an zwei Unternehmen, die sich in besonderer Weise für gleichberechtigte Teilhabe und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderungen eingesetzt haben: Mit dem Projekt „Digitale Barrierefreiheit – Förderung des inklusiven digitalen Arbeitsplatzes“ ist es der BASF Digital Solutions GmbH gelungen, Inklusion in den digitalen Raum zu tragen. Die SBV der Quarzwerke GmbH wurde für den Umbau eines barrierefreien Arbeitsplatzes ausgezeichnet – und zwar für die Beseitigung ganz handfester Barrieren.
weniger Ausbildungsplätze
gab es 2025 in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Bundesweit hat die Branche nach Erhebungen von IGBCE und BAVC 8.779 Stellen angeboten. Das sind 13 Prozent weniger als 2024 und so wenige wie seit der Corona-Krise nicht mehr. Gleichzeitig zeigten sich die Unternehmen zögerlicher bei der Übernahme der Ausgebildeten. Die Quote lag 2025 bei 89 Prozent – und damit so niedrig wie zuletzt 2020.
Tarif-Ticker
Flachglasveredelung und -verarbeitung
Nach erfolglosen Verhandlungsrunden und Schlichtungen sowie einem Warnstreik haben sich IGBCE und Arbeitgeber auf einen Abschluss für die Flachglasveredelungs- und -verarbeitungsindustrie (West) geeinigt. Für die 2.300 Beschäftigten der Branche steigen ab dem 1. Januar 2026 die Entgelte um 3,0 Prozent, ab dem 1. Januar 2027 um weitere 2,5 Prozent. IGBCE-Mitglieder (Vollzeitbeschäftigte), die zum 31. Dezember 2025 IGBCE-Mitglied waren, erhalten mit der Entgeltabrechnung für Mai 2026 einen Bonus in Höhe von 600 Euro brutto. 2027 erhalten IGBCE-Mitglieder (Stichtag Mitgliedschaft: 31. Dezember 2026) 300 Euro brutto als Bonus. Für die Beschäftigten der Vetrotech Saint-Gobain Deutschland erhöhen sich außerdem der Nachtschichtzuschlag und das tarifliche Urlaubsgeld.
Energie
Kein Ergebnis hat die erste Tarifverhandlung für die 30.000 Energiebeschäftigten gebracht: Das Angebot der Arbeitgeber stufte die IGBCE als „völlig unzureichend“ ein. Sie fordert eine Erhöhung der Vergütungen um 7 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Verhandelt wird für die Beschäftigten des Energiekonzerns E.on und der zum Konzern gehörigen Energieunternehmen Avacon, PreussenElektra, Bayernwerk, Westenergie, E.dis und EnviaM sowie bei dem Übertragungsnetzbetreiber TenneT. IGBCE und Verdi führen die Verhandlungen gemeinsam.