Chemie Hessen: keine Einigung
Die Vorstellungen von IGBCE und Arbeitgebern liegen noch weit auseinander: Nachdem bei der Tarifverhandlung für die chemische und pharmazeutische Industrie in Hessen am 15. Januar keine Einigung erzielt worden ist, geht es nun am 3. Februar auf Bundesebene weiter.
Die Tarifkommission der IGBCE bei der Vorbesprechung vor der Verhandlung mit den Arbeitgebern.
Ohne eine Einigung zu erzielen, ist am 15. Januar 2026 die regionale Chemie-Tarifrunde in Hessen zu Ende gegangen: IGBCE Hessen-Thüringen und Arbeitgeber konnten sich in Wiesbaden nicht auf ein Ergebnis verständigen. Der Forderung der Gewerkschaft nach einer spürbaren Lohnsteigerung erteilte die Arbeitgeberseite eine klare Absage. Bei der Verhandlung stellten die IGBCE und die Arbeitgeber ihre Sicht auf die wirtschaftliche Lage der Branche dar. Die IGBCE-Jugend appellierte an die Arbeitgeber, in Ausbildung zu investieren, das Niveau der Ausbildungsplätze zu erhalten und ihre Zahl wieder zu erhöhen. Jugendvertreterinnen und -vertreter verteilten selbst gebackene „Ausbildungsplätzchen“, die zum Teil zerbrochen waren.
Sabine Süpke, Verhandlungsführerin für die IGBCE und Landesbezirksleiterin Hessen-Thüringen, betonte im Anschluss an die Gespräche: „Die Lage der chemischen Industrie in unserer Region ist nur für einen Teil der Betriebe herausfordernd. Der andere Teil kann sich in der derzeitigen Situation relativ gut behaupten. Die Betriebe verdienen gut. Außerdem wachsen ihre Bereiche, in der Pharmaindustrie ist ein Beschäftigtenaufbau zu sehen. Die Suche nach Fachkräften wird schwierig, dafür braucht es vielfältige Lösungen. Das wissen auch unsere Kolleginnen und Kollegen. Das darf aber nicht bedeuten, dass alle Probleme der Branche auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Für eine gute Zukunft brauchen wir gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne. Eine Nullrunde kommt daher für uns nicht infrage!“
Als sichtbares Zeichen verteilte die IGBCE an die Arbeitgeber wegen ihrer düsteren Sicht der Lage Taschenlampen: „Am Ende des Tunnels ist Licht!“, lautet die Botschaft.
Für die IGBCE-Jugend trat Linda Schneider ans Mikrofon. Sie hielt eines der „Ausbildungsplätzchen“, die die IGBCE-Jugend in einer mehrtägigen Aktion gebacken hatte, in die Höhe – und zerbrach es: „Wenn wir nicht handeln, werden noch mehr Ausbildungsplätzchen zerbrechen!“, mahnte sie. Sie forderte die Arbeitgeber auf, in gute Ausbildung zu investieren. „Junge Menschen brauchen Sicherheit“, appellierte sie.
Im Mittelpunkt der laufenden Chemie-Tarifverhandlungen stehen die Forderungen nach Entgeltsteigerungen und Jobsicherung. Sie hatte die Bundestarifkommission der IGBCE im Dezember für die bundesweit 585.000 Beschäftigten der Branche beschlossen. Das Motto: „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt.“ Konkret fordert die IGBCE eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und die Auszubildenden, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung.
Denn die IGBCE sieht Nachholbedarf bei den Löhnen. „Eine spürbare Steigerung der Einkommen ist notwendig und realistisch“, sagt Sabine Süpke. Zudem habe die Politik verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die chemische Industrie zu stärken. „Das wird für Wachstum sorgen!“
Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie starten zunächst auf regionaler Ebene. In den neun Regionen wurde in dieser Tarifrunde vom 14. bis zum 23. Januar verhandelt. Grundsätzlich gilt: Bleiben diese Gespräche ohne Ergebnis, gehen die Verhandlungen auf Bundesebene weiter – so auch in diesem Fall. Angesetzt für die Verhandlungen auf Bundesebene ist der 3. Februar 2026, dann in Hannover.
Die aktuellen Tarifverträge laufen am 28. Februar 2026 aus.