Landespolitik:
viel zu tun
Am 8. März wird ein neuer Landtag gewählt. Für die IGBCE ist klar: Baden-Württemberg muss weiter eine moderne Industrie in einem zukunftsorientierten Land haben, die die neuesten Technologien und Produkte mit Fachkräften vor Ort produziert. Entsprechend sind die Erwartungen an die neue Landesregierung.
Maximilian Hahn, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Roche in Mannheim (2. v. l.), und weitere IGBCE-Vertreterinnen und -Vertreter im Austausch mit der Landespolitik beim Betriebsrundgang. In der Mitte: Landesbezirksleiterin Catharina Clay.
Foto: N. Kampmann
Die Industrie im Land kämpft mit wirtschaftlichen Herausforderungen. Zwar hat die Bundesregierung Maßnahmen wie den von der IGBCE geforderten Industriestrompreis eingeleitet, doch für die Branchen zeichnet sich noch keine Besserung ab. „Die neue Landesregierung muss konkrete Initiativen anstoßen, um mittel- und langfristig eine starke Industrie, gute Arbeitsplätze und attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen zu erhalten“, betont Landesbezirksleiterin Catharina Clay. „Wir erwarten, dass alle, die politische Verantwortung übernehmen, sich diesen Zielen zum Wohl des Landes verpflichten. Die Menschen brauchen mehr als ein klares Bekenntnis zum Industriestandort, sie erwarten konkrete Handlungen.“ Welche das aus Sicht der IGBCE sind, hat der Landesbezirksvorstand formuliert. Besonders im Fokus: die Themen Gesundheitswirtschaft, Energiesicherheit sowie Qualifikation und Transformation.
„Unsere Produktion ist deutlich digitaler geworden. Bei vielen Berufsbildern ist technisches Know-how gefragt, das so früher nicht gefordert wurde“, berichtet Maximilian Hahn, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Roche in Mannheim. Das Unternehmen investiere viel, um Beschäftigte in KI-Fähigkeiten zu qualifizieren. Es gibt sogar einen eigenen KI-Studiengang für dual Studierende. „Gleichzeitig dauert es noch immer viel zu lange, bis Berufsschulen ihre Rahmenlehrpläne überarbeiten“, kritisiert Hahn. Landespolitik und Kammern müssten hier mehr liefern als in der Vergangenheit.
Dasselbe gilt für die Energiesicherheit. Dass Papierhersteller zumindest einen Teil ihrer Energieversorgung selbst übernehmen, ist bekannt. Koehler verfügt inzwischen über mehr als zwanzig Standorte für erneuerbare Energien. „In diesem Jahr haben wir das bisherige Steinkohlekraftwerk in Oberkirch auf Biomasse umgestellt“, berichtet Betriebsratsvorsitzende Sabine Seebacher. Die IGBCE Baden-Württemberg erwartet, dass die Landesregierung solche von betrieblicher Seite aus investierten Maßnahmen in CO₂-Senkungen besser berücksichtigt, um Abwanderung zu verhindern. „Letzteres würde Arbeitsplätze in Baden-Württemberg kosten und das Klima weiter belasten“, heißt es in einem Positionspapier zur Landtagswahl. Den Industriestrompreis begrüßt Sabine Seebacher ausdrücklich, stellt allerdings klar: „Das ist nur ein erster Schritt. Konkurrenzfähig sind wir zu den Preisen in den USA und China noch immer nicht.“
Weiterhin fordert der Landesbezirk von der neuen Landesregierung Ganztagsschulen und verlässliche und gebührenarme Betreuungsangebote für Kinder und Pflegebedürftige. Das Catalent-Women-Network (CWN) liefert ein Best-Practice-Beispiel, das politisch gefördert Schule machen könnte: Hier hat Betriebsrätin Kora Wödl im vergangenen Jahr erstmalig eine dreiwöchige Ferienbetreuung initiiert. „Bei uns arbeiten viele Eltern. Nicht immer ist es möglich, dass alle in den Schulferien Urlaub nehmen können“, berichtet sie. Ihr Arbeitgeber hat die Räume eines Musikvereins angemietet, die CWN-Mitstreiterinnen haben sich um Formalitäten und die Betreuungsangebote gekümmert. „Das setzen wir 2026 fort“, sagt Kora Wödl und freut sich, die Urlaubssituation zumindest für einige Beschäftigte so entzerren zu können. „Dieses Soft Skill macht Catalent als Arbeitgeber attraktiver“, ist sie sich sicher. Aber: „So etwas umzusetzen, muss künftig einfacher vonstattengehen.“ Zu viele „Bürokratiesteine“ hätten im Weg gelegen. Klar sei aber: Ob Landtagswahl oder Betriebsratswahl – dort, wo sich die IGBCE einbringe, laufe es besser. Daher: „Zur Wahl gehen!“